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MiFID II auf der Schlussgeraden

Von Dr. Oliver Everling | 8.März 2017

Zum Ende der Veranstaltung befasst sich der 10. Finanzplatztag der WM Gruppe mit dem Thema „MiFID II auf der Schlussgeraden“. Stefan Schaaf von der Börsen-Zeitung moderiert eine Podiumsdiskussion mit Dr. Heike Beck, Vorstandsvorsitzender der Deutsche WertpapierService Bank AG, Götz Röhr, Geschäftsführer der HSBC Transaction Services GmbH, Dr. Torsten Schaper, Director, Head of Regulatory Analysis der Deutsche Börse AG, und Torsten Ulrich, Geschäftsführer des WM Datenservice.

„Ich würde den Regulator gerne nach einer Kosten-Nutzen-Analyse fragen“, sagt Röhr. Obwohl Röhr einräumt, dass manche Regulierung auch von den Banken selbst verschuldet“ sei, macht er doch auch deutlich, wie der Gesetzgeber nun über das Ziel hinausschießt.

Ulrich erläutert, dass es mit der Bereithaltung von Daten alleine nicht erledigt sei, den Anforderungen aus MiFID II. Ulrich weist darauf hin, dass mittelständische Unternehmen einen Legal Entity Identifier benötigt (LEI). Wenn kein LEI vorhanden sei, könne die Bank bei Firmenkunden keine Transaktionen durchführen. Ab 2018 müsse der LEI zwingend mit abgespeichert werden. Auch alle Assetklassen benötigen ebenfalls Identifier, sogar OTC-Produkte benötigen in Europa nun eine ISIN. „Das sind riesige Datenmengen, alles das muss auch noch real-time funktionieren.“

„Bei diesem Mammutwerk wird es sicher an der einen oder anderen Stelle rumpeln“, warnt Ulrich mit Blick auf die erhoffte Perfektion der Umsetzung von MiFID II. „Ist das überhapt alles noch umsetzbar?“, fragt Schaaf. Schaper macht klar, dass es keine Alternative dazu gebe, „compliant“ zu sein. „Es ist gewollt, dass wir uns da durchquälen. Viele von den Sachen, die da aufgeschrieben wurden, machten wir auch schon vorher“, schränkt Schaper die durch den Gesetzgeber gestellten Hürden ein.

Beck eräutert, dass „best execution“ sich nun auf noch mehr Transaktionen als früher beziehe. „Ok, das muss man eben machen“, kommentiert Beck. Man habe es mit einem Regime zu tun, dass dem Kunden nur für den Kunden geeignete Produkte angeboten sehen will. Das Prinzip sei mindestens seit dem Wertpapierhandelsgesetz bekannt. Beck skizziert jedoch, dass hier ein recht schematisches Modell zur Anwendung kommt – dokumentiert, revisionsfähig, meldefähig. „Was machen wir aber, wenn der Kunde nicht mitspielt? Wenn der Kunde fragt, was fragt Ihr mich da, das geht Euch doch alles nichts an?“ Das könne noch „lustig“ werden, warnt Beck.
Röhr sieht riesige Tabellenwerke voraus, die dem Kunden zur Verfügung gestellt werden müssen.

„Wenn ich an einen privaten Endkunden denke, dem ich vier Seiten Tabellen vorlege, was wo wie mit seiner Aktie passiert, stößt man an Grenzen“, macht Röhr klar. „Over-engineered“ nennt Röhr das. Der private Kunde werde voraussichtlich angesichts der Datenflut kapitulieren.

Röhr erläutert am Beispiel des Leerverkaufs, dass das Feld „Leerverkauf“ nicht mit Gewissheit gefüllt werden könne. So könnten in Finanzinstituten stets auch Leerverkäufe vorkommen, wenn Transaktionen nicht exakt zeitgleich ausgeführt werden. Die Begründung für dieses Datenfeld, dass es für interessante volkswirtschaftliche Analysen genutzt werden könne, wie aus dem Hause der Deutschen Bundesbank zu erfahren sei, sei kaum befriedigend.

Ulrich kommentiert die operative Umsetzung des Konzepts des „Zielmarktes“. Hier gebe es unterschiedliche Ansätze. Seit vielen Jahren greife hier die WM Gruppe auf ein bewährtes Modell zurück, das gemensam mit den Anwendern entwickelt worden sei. „Auch wenn wir seit 2015 in Arbeitskreisen usw. zusammensitzen, sei klar, dass in den nächsten Wochen die Entscheidungen zu treffen seien. Die Zeit rennt uns davon“, verdeutlicht Ulrich die Agenda.

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