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Mikrowohnen im Rating

Von Dr. Oliver Everling | 1.Februar 2016

Städteverdichtung bei steigenden Mieten und Bodenpreisen stellt in Europa eine Herausforderung dar. Eine Antwort darauf sind Mini- oder Mikrohäuser. Sie bieten ein Zuhause auf kleinstem Raum, vorausgesetzt die Bewohner lassen sich auf eine ganz neue Wohn- und Lebensweise ein.

Um der in den europäischen Metropolen gegenwärtig herrschenden Wohnraumverknappung und den steigenden Kauf- und Mietpreisen entgegenzuwirken, wird als Lösungsvorschlag zumeist die Angebotsausweitung empfohlen, gemäß der Doktrin „mehr Bauen“. „Doch ohne dies aus den Augen zu verlieren, kann man auch den Weg der Nutzungsverknappung wählen“, so Dr. Thomas Beyerle, Head of Group Research von Catella. „Und zwar durch Fokussierung auf „Wohnfläche pro Kopf““. Das mag auf den ersten Blick zunächst undogmatisch und vielleicht sogar unpopulär sein, doch nicht umsonst wird in der Immobilienwirtschaft zurzeit der Begriff des Mikrowohnens intensiv diskutiert und entsprechende Konzepte werden präsentiert. Eine Antwort auf die skizzierten Herausforderungen scheinen Mini- oder Mikrohäuser zu sein.

„Unsere Gesellschaft verändert sich und damit verändern sich auch unsere Wohnbedürfnisse. Trotz der kompakten Bauweise in den Städten Europas besteht nur punktuell Erfahrung in Bezug auf das Thema Verdichtung“, so die Catella-Analysten im aktuellen Market Tracker.

Doch das hat seinen Preis in Form einer Änderung des gewohnten Lebensstils. „Um in einem Mikrohaus „überleben“ zu können, muss man seinen Lebensstil auf die geänderten Bedingungen anpassen, d.h. sich reduzieren und eine gewisse Affinität zum Minimalismus entwickeln“, so Beyerle weiter. Nicht zuletzt deshalb zielt diese Art des Wohnens primär auf eine jüngere, flexible und vorwiegend mobile Generation – die sog. 25-Stunden-Gesellschaft. Sie verbringt die meiste Zeit außer Haus, die Stadt ist ihr „Wohnzimmer“.

Die von Catella untersuchten Mikrohäuser in Europa weisen hinsichtlich der Größe/Wohnfläche folgende Verteilung auf: Der größte Teil der Objekte (58%) liegt in der Größenklasse 25-60 qm, 13% ≤ 24 qm, 29% ≥ 61 qm. Auch die Baustruktur wurde untersucht: Über die Hälfte (55%) sind aus Holz gebaut, 18% im Steinbau, 11% bestehen aus Plastik und 9% aus Stroh; ohne oder ergänzend mit Fundament, auf Rollen oder im Wasser als sog. Floating Homes. Sie alle sind dabei größtenteils voll ausgestattete Wohnungen, mit Schlafbereich, Küchennische, Bad und Wohnzimmer sowie teilweise einer Terrasse.

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  • Dr. Oliver Everling

    Dr. Oliver Everling ist Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH in Frankfurt am Main.

    Als Gesellschafter, Beirat, Aufsichtsrat, Independent Non-Executive Director nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen, Mitglied von Ratingkommissionen, Chairman des ISO-TC "Rating Services", Gastprofessor der CUEB in Peking und zum Beispiel als Herausgeber von mehr als 50 Büchern war oder ist er mit Ratingfragen befasst.

    Nach Promotion am Bankseminar der Universität zu Köln war Dr. Oliver Everling Referent des Arbeitskreises Rating der WM Gruppe und ab 1991 Geschäftsführer der Projektgesellschaft Rating mbH sowie von 1993 bis 1998 Abteilungsdirektor und Referatsleiter in der Dresdner Bank.