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Mit Mut zum puren Stock Picker

Von Dr. Oliver Everling | 17.September 2013

„Schwellenländer-Legende“ Vincent Strauss von Comgest erläutert in Frankfurt am Main seine Vision für die globalen Schwellenländer und sagt, welche Wetten er etwa in Asien oder Lateinamerika eingeht. Er blickt auf über 30 Jahre Erfahrung im Fondsmanagement zurück.

Franz Weis, führender und vielfach prämierter Europa-Aktienfondsmanager von Comgest, ist auf der Suche nach europäischen Qualitätswachstums-Unternehmen. Welche Kriterien er an diese legt, z.B. ohne volkswirtschaftliches Wachstum langjährig ein stabiles Gewinnwachstum generieren zu können, und welche Unternehmen das sind, ist u.a. Bestandteil seines Vortrags in Frankfurt am Main. Weis hat eine über 20-jährige Expertise am europäischen Finanzmarkt. Geschäftsführer Jan-Peter Dolff gibt Ihnen einen Einblick in die strategische Ausrichtung.

Weis steigt in die Analyse der europäischen Märkte ein, indem er den Einkaufsmanagerindex in Europa und in den USA betrachtet. „Europa hat das Schlimmste hinter sich“, sagt Weis, „aber die Frage sei, wie es jetzt weitergehe.“ Der Stimmungsumschwung, der durch Draghi ausgelöst wurde, habe deutlich die Lage verbessert, insbesondere auch die Kursgewinne möglich gemacht. Selbst die Unternehmen, die eine schlechte Gewinnlage aufweisen, schlecht finanziert und hoch verschuldet sind und von niedriger Rentabilität, haben profitiert, und zwar noch stärker als andere Unternehmen. „Anleger antizipieren eine starke Verbesserung der Fundamentaldaten,“ erläutert Weis, „davon profitieren insbesondere diese Unternehmen.“

Eingeschränkte Staatshaushalte, ein Banksektor „auf strenger Diät“ und begrenzte Wirksamkeit der Geldpolitik, hohe Arbeitslosigkeit sowie schwächeres Wachstum in den Schwellenländern sind die nach wie vor bestehenden Gründe, die nicht nur Probleme in der Vergangenheit verursacht haben, sondern weiterhin auch das Wachstum dämpfen werden, glaubt Weis.

„China, Indien und andere Länder wachsen nicht mehr zweistellig“, warnt Weis. Der Markt gehe heute schon davon aus, dass die Gewinne nächstes und übernächstes Jahr höher liegen werden. In den Konsensschätzungen komme dies zum Ausdruck. „Wenn die Börse weiter steigen soll, darf das nicht mehr von Bewertungen, sondern muss fundamentalem Wachstum getrieben sein“, sagt Weis mit Blick auf die geldpolitischen Impulse, die nicht nachhaltig sein können.

„Die Performance unseres Europa-Portfolioa hat einzig und allein damit zu tun, dass die Unternehmen, in die wir investiert haben, wirklich Gewinne gezeigt haben und dies nun in den Kursen reflektiert werden.“  Weis fasst seinen Ausblick auf Europa mit folgenden Bemerkungen zusammen: Frühindikatoren und Q2 2013 Euroraum BIP signalisieren eine Stabilisierung der Wirtschaft im Euroraum. Der europäische AKtienmarkt gerät in den Fokus internationaler Kapitalanleger. Die Anleger konzentrieren sich kurzfristig auf „low quality“. Weis sieht eine gute Performance der europäischen Börsen trotz schlechtem Gewinnmomentum.

„Wir investieren nicht in den Gesamtmarkt, nicht pauschal in Europa, sondern  in einzelne Unternehmen, für die wir ein höheres Wachstum der Gewinne je Aktie sehen.“ Gefragt nach den Banken räumt Weis zwar ein,  dass es „kaum noch schlechter werden“ könne, dennoch aber die Positionen von Aktionären weiter verwässert werden könnten. „Wir wollen dieses Risiko nicht auf uns nehmen. Wir investieren in Qualität und Wachstum. Wir wollen das Geschäftsmodell verstehen. Über die nächsten fünf Jahre haben wir aber keine Visibilität bei den Banken.“ Warum, fragt Weis, solle man diese Ungewissheiten bei den Banken in Kauf nehmen, wenn es auf der anderen Seite Unternehmen gebe, die solide Wachstumsaussichten und Gewinne zeigen.

Seit 1999 sei beispielsweise Essilor, ein Weltmarktführer im Bereich Korrekturgläser, zu den Kernpositionen im Portfolio. Schon 1993 habe Cmgest das Unternehmen zum erstn Mal besucht, 1997 sei es in das Universum aufgenommen worden. Seitdem galt es quasi „offiziell“ als Qualitäts- und Wachstumsunternehmen, so dass nur noch bis 1999 gewartet wurde, um es zum richtigen Preis zu kaufen.

Unsere Unternehmen sollten nicht von regulatorischen Entscheidungen abhängig sein, sollten von Megatrends profitieren, einzigartige Produkte und Dienstleistungen bieten, hohe Eintrittsbarrieren aufweisen, eine geringe Abhängigkeit von Konjunkturzyklen sowie wiederkehrende Umsätze garantieren. Unter einer „disziplinierten Bewertung“ versteht Weis eine eingehende Recherche, die Abbildung in einem 5-Jahres-Modell und vorsichtige Annahmen.

„Man kann sehr dynamisches Wachstum auch bei europäischen Unternehmen finden“, weist Weis am Comgest Growth Europe nach. Weis bringt Beispiele aus den Bereichen Schönheit & Luxus, Essen & Trinken, Gesundheit, Kommunikation und Reisen. Globalisierung des westlichen Lebensstils, Auslagerungen, Technologie, Low Cost und Alterung der Bevölkerung seien die hinter diesen Branchen liegenden Trends, von denen sie profitieren.

„Wir sind praktisch in täglichem Kontakt mit unseren Unternehmen“, berichtet Weis, „und in diesen Gesprächen sprechen wir nicht nur über Ergebnisse, sondern insbesondere über die Zukunft. Bei Elekta gehe es beispielsweise um neue Linearbeschleuniger (Versa), bei Essilor um neue Gleitsichtgläser. Bei H&M und Inditex gehe es um die erfolgreiche geograhpische Expansion. Bei Prada zeichne sich ab, dass sich das Distributionsnetzwerk in den kommenden vier Jahren verdoppeln werde.

Auch SAP und Experian schneiden im Urteil von Weis gut ab, denn bei SAP sieht er Database- und Enterprise-Mobility-Lösungen, bei Experian Marketing-Dienstleistungen und Entscheidungsanalysen. „Wir sind einer der pursten Stock Picker am Markt“, sagt Weis nicht ohne Stolz in einer Zeit, in der viele andere Fondsmanager es für aussichtslos erkären, überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen zu identifizieren, „wir investieren in Unternehmen und nicht einfach in den Markt.“

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