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Napoleon Hills Weg zu Freiheit und Erfolg

Von Dr. Oliver Everling | 26.März 2018

„Der geheime Weg zu Freiheit und Erfolg – Wie man den Teufel in sich selbst besiegt“ vom verstorbenen Autor des 60-Millionen-Bestsellers „Denke nach und werde reich“, Napoleon Hill, fand erst nach 72 Jahren den Weg in die Öffentlichkeit. Angesichts des Erfolgs der Bücher von Napoleon Hill kaum erstaunlich, dass der FinanzBuch Verlag nicht zögerte, dem deutschen Leserpublikum gleich eine Übersetzung zu präsentieren.

Warum wurde das Buch nicht schon zu Lebzeiten verbreitet? Sharon Lechter, Co-Autorin des Beststellers „Rich Dad Poor Dad“, glaubt, dass die Familie Napoleon Hills „Angst vor den Reaktionen hatte, die es zweifellos hervorgerufen hätte. Hills Mut, das Werk des Teufels in unserem alltäglichen Leben, unseren Kirchen, unseren Schulen und unserer Politik aufzuzeigen, hätte seinerzeit als Bedrohung der gültigen Werte gegolten.“ Sharon Lechter begleitet den Leser durch das Buch mit Kommentaren und nützlichen Hinweisen auf seine Entstehungsgeschichte. So vermag sie dem Leser die Zeit und die Umstände in Erinnerung zu rufen, unter denen Napoleon Hill seine Arbeit begann und das Buch schrieb.

Wer die Werke von Napoleon Hill kennt, wird sich für die autobiografischen Passagen seines Buches interessieren. So schrieb er seine – nicht gerade bescheidene – Mission nieder, die ihm fortan Orientierung in seinem Leben geben sollte. „In nur wenigen Jahren wird die ganze Welt eine Erfahrung durchmachen, in deren Folge Millionen von Menschen jene Philosophie brauchen werden, mit deren Vollendung Du beauftragt wurdest“, sagt sich Napoleon Hill.

Hill beschreibt seine Entdeckung seines „anderen Ichs“, das voll Zuversicht lähmenden Ängsten und Befürchtungen entgegentritt. „Inzwischen hoffe ich inständig,“ schreibt Hill, „dass einige der Millionen Männer und Frauen, die unter der großen Wirtschaftskrise zu leiden hatten und unangenehme Erfahrungen machen mussten, in sich dieses merkwürdige Wesen entdecken, das ich als das ‚andere Ich‘ beschreibe, und dass diese Entdeckung sie ebenso wie mich damals enger bindet an jenen Quell der Kraft, der einem hilft, alle Hindernisse zu überwinden und alle Schwierigkeiten zu meistern, anstatt sich ihnen zu ergeben. Das ‚andere Ich‘ birgt eine unschätzbare Kraft. Wenn Sie nur aufrichtig genug danach suchen, werden Sie es finden.“

Wer sich vielleicht am Flughafen ein Buch von Napoleon Hill mitnimmt, ahnt nicht, in welcher religiösen Vorstellungswelt sein Autor lebte. Auch die Kommentatorin, Sharon Lechter, ist sich nicht immer sicher, wie die Erlebnisschilderungen von Hill zu verstehen sind. So erzählt Hill von seinem Interview mit dem Teufel: „In dem Interview mit dem Teufel ist die Kraft genau beschrieben, die mir meinen Unternehmungsgeist und Mut raubte. Es ist dieselbe Kraft, die Millionen andere während der Großen Depression fesselte. Sie ist das wichtigste Instrument, mit dem der Teufel die Menschen verführt und kontrolliert.“ Napoleon Hill selbst schränkt ein, dass „der Teufel, den ich interviewt habe, genauso echt sein könnte, wie er es von sich behauptete, er könnte aber auch das Werk meiner Einbildung gewesen sein.“

Hill lässt den „Teufel“ die Tricks aussprechen. mit denen Menschen Opfer ihrer Unselbständigkeit werden und sich treiben lassen. Hill lässt den Teufel sprechen: Den „Trick, um Menschen das sich treiben zu lassen beizubringen, setze ich mit der Hilfe von Eltern, Lehrern öffentlicher Schulen und religiösen Vermittlern um.“

Die im „Interview mit dem Teufel“ liegende Kritik an Eltern, Lehrern und Kirchenführern, die allesamt nach Ansicht von Hill „die Fähigkeit des Kindes, unabhängig zu denken“ zerstören, sieht Sharon Lechter als wichtigsten Grund dafür, dass es früher nicht zu einer Veröffentlichung des Manuskripts kommen konnte. Hill lässt den „Teufel“ detailliert Antwort auf diese Frage geben: „Wie genau helfen die Eltern den Religionslehrern, die Kraft des eigenständigen Denkens ihrer Kinder zu zerstören?“

Sharon Lechter sieht Hill theologisch explizit: „Er benutzt den Teufel als Kontrastfigur und legt dem Symbol des Bösen Worte in den Mund, um so seine Gedanken und Gefühle über Gott – die Unendliche Intelligenz – als ultimative Quelle seiner allumfassenden Erfolgsphilosophie darlegen zu können.“ Hill sagt zum Teufel: „Sie benutzen die Kirche, um die Saat der Angst, der Unsicherheit und Unbestimmtheit in die Köpfe der Menschen zu streuen. Diese negativen Bewusstseinszustände führen zu der Gewohnheit, sich treiben zu lassen.“

Kirchen und Schulen sieht Napoleon Hill als hilfreichste Verbündete des Teufels: „Der einzige Wert, der für einen Menschen beständig zählt, ist die Kenntnis, wie sein Verstand funktioniert. Die Kirchen erlauben es den Menschen nicht, die Möglichkeiten ihres Verstandes zu ergründen, und die Schulen begreifen gar nicht, dass so etwas wie ein individueller Verstand existiert.“

„Die einzige Form von Erlösung, die für die Menschen auch nur den geringsten Wert hat, ist diejenige, die sich einstellt, wenn er die Kraft seines eigenen Verstandes erkennt“, schreibt Hill. Heilig sei nur die „Kraft der unabhängigen Gedanken, unterstützt von einem klaren Ziel“.

Napoleon Hill wählte 1938 das klassische Genre des philosophischen Dialogs, um seine intimsten Gedanken über existentielle Fragen niederzuschreiben. Wie Michael Bernard Beckwith, bekannt als Autor von „Spiritual Liberation – Fulfilling Your Soul’s Potential“, in seinem Nachwort zum Buch feststellt, „scheint sich in unserem kollektiven Bewusstsein und damit in unserer gemeinsamen Erfahrung wenig geändert zu haben.“ Was Hill vor 80 Jahren mit seiner mechanischen Schreibmaschine zu Papier brachte, liefert heute Denkanstöße mit hoher Aktualität. Das Buch ist insbesondere für jeden zu empfehlen, der sein Verständnis der Lehren von Napoleon Hill vervollständigen will.

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