Mehr Dividende mit DEFAMA

Von Dr. Oliver Everling | 25.April 2018

Die Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA) hat ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2017 vorgelegt und die vorläufigen Zahlen bestätigt. Demnach hat DEFAMA bei Umsatzerlösen von 5,8 (Vj.: 3,4) Mio. € einen Konzernjahresüberschuss von 1,4 (0,9) Mio. € bzw. 0,38 (0,30) € je Aktie erwirtschaftet. Die Funds From Operations (FFO) lagen bei 2,6 (1,6) Mio. € bzw. 0,73 (0,54) € je Aktie.

Damit hat DEFAMA die eigenen Prognosen erreicht. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 13. Juni 2018 in Berlin daher vor, eine von 20 auf 34 Cent je Aktie erhöhte Dividende auszuschütten.

Für das laufende Jahr bekräftigt der Vorstand die Prognose einer Steigerung des FFO auf 3,2 Mio. €. Beim Konzerngewinn nach HGB rechnet DEFAMA mit einem Anstieg auf 1,75 Mio. € bzw. 0,49 € je Aktie. Vor diesem Hintergrund ist es das erklärte Ziel der Gesellschaft, die Dividende für 2018 erneut anzuheben.

Auf Basis des aktuellen Portfolios liegt derannualisierte FFO bei gut 3,3 Mio. €, entsprechend 0,94 € je Aktie, rechnet die Gesellschaft vor. Da die DEFAMA zum 31. Dezember 2017 über einen Cashbestand von rund 2,5 Mio. € verfügte und aus der Umsetzung des Joint-Ventures Radeberg weitere Zuflüsse erwartet, geht der Vorstand davon aus, den annualisierten FFO mit den vorhandenen liquiden Mitteln noch deutlich steigern zu können.

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Rating und Kreditrisiko

Von Dr. Oliver Everling | 18.April 2018

Der Beitrag „Rating und Kreditrisiko“ von Werner Gleißner und Thorsten Wingenroth in der Zeitschrift „Kredit & Rating Praxis“ fasst die theoretischen Grundlagen von Ratings, die die Ausfall- oder Insolvenzwahrscheinlichkeit eines Unternehmens aus der Perspektive eines externen Gläubigers beschreiben, zusammen (genannt Corporate- oder Emittenten-Ratings).

Solche Ratings werden von Ratingagenturen (wie z.B. Standard & Poor’s und Moody’s) oder von Banken für ihre Firmenkunden erstellt. Während die Ratings der Agenturen meist mit relativ hohem Zeitaufwand Unternehmen möglichst umfassend betrachten, ist die Ratingerstellung durch Kreditinstitute stärker automatisiert und orientieren sich mehr an Finanzkennzahlen des Jahresabschlusses.

Die durch Kreditinstitute erstellten Ratings sind Grundlage für Kreditentscheidungen und die Festlegung von Kreditkonditionen (Kreditzinssätzen). Dieser Artikel erläutert die heute gebräuchlichsten Ratingmodelle (Verfahren zur Erstellung von Ratings). Aber wie ist die Qualität dieser Verfahren und der damit gewonnenen Ratings? Was sind die Schwächen dieser Ansätze? Darauf wird im Teil II eingegangen. Als Konsequenz der Analyse werden aktuelle Weiterentwicklungen, wie z.B. simulationsbasierte Verfahren, vorgestellt, die auch die Ertragsrisiken eines Unternehmens erfassen und auf einer Monte-Carlo-Simulation basieren.

Gleißner, W./Wingenroth, T. (2015): Rating und Kreditrisiko Teil 1, in: Kredit & Rating Praxis, Heft 5/2015, S. 14-18, Download unter: http://www.werner-gleissner.de/site/publikationen/WernerGleissner_offiziell-Nr-1070b-Rating-und-Kreditrisiko-Teil2.pdf (abgerufen am: 22.02.18).

Gleißner, W./Wingenroth, T. (2015): Rating und Kreditrisiko Teil 2, in: Kredit & Rating Praxis, Heft 6/2015, S. 19-22, Download unter: http://www.werner-gleissner.de/site/publikationen/WernerGleissner_offiziell-Nr-1070a-Rating-und-Kreditrisiko-Teil1.pdf (abgerufen am: 22.02.18).

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Steigende Branchenbewertungen im Energiesektor

Von Dr. Oliver Everling | 18.April 2018

Im Kontext der global gestiegenen Rohstoffnachfrage und ebenfalls gestiegener Rohstoffpreise hat sich die wirtschaftliche Situation einiger Länder und Branchen verbessert, berichtet der Kreditversicherer Coface. Nigeria wurde um eine Note in C angehoben. Nigeria ist der achtgrößte Ölexporteur der Welt.

Ebenfalls heraufgestuft wurde die Branchenbewertungen für den Energiesektor in Brasilien und Argentinien (jetzt „mittleres Risiko“) und Chile („niedriges Risiko“). Auch bei der Heraufstufung von Südafrika in die Länderkategorie B wirkt sich der verbesserte Rohstoffabsatz aus. Hinzu kommen die insgesamt beschleunigte Erholung der Wirtschaft am Kap, die sich auch in der anziehenden Produktion in den Sektoren Chemie (jetzt „mittleres Risiko“) und Papier („mittleres Risiko“) sowie den gestiegenen Absatzzahlen im Einzelhandel („mittleres Risiko“) zeigt. Auf der anderen Seite belasten die gestiegenen Rohstoffpreise importierende Länder wie Tunesien. Das nordafrikanische Land wurde in C herabgestuft.

Russlands Wirtschaft behauptet sich weiter gegen die Sanktionen westlicher Länder. Haupttreiber der anhalten Erholung bleiben die privaten Haushalte. Zur Stabilität tragen, wenn auch in etwas geringerem Ausmaß, die anziehenden Unternehmensinvestitionen bei. Coface hat drei Branchen in Russland heraufgestuft: Chemie (jetzt „niedriges Risiko“), Papier („mittleres Risiko“) und Bau („hohes Risiko“).

Die Coface-Länderbewertungen (160 Länder) erfolgen auf einer Skala mit acht Stufen. In absteigender Reihenfolge, also mit steigenden Risiko: A1 (sehr niedriges Risiko), A2 (niedrig), A3 (noch gering) A4 (noch akzeptabel), B (signifikant), C (hoch), D (sehr hoch) und E (extremes Risiko).

In der Branchenbewertung betrachtet Coface 13 Sektoren in sechs geografischen Regionen und 24 Ländern. Diese Länder erwirtschaften fast 85 Prozent des globalen BIP. Die vierstufige Branchen-Skala: niedriges Risiko, mittleres Risiko, hohes Risiko, sehr hohes Risiko.

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DEFAMA nun auch in NRW

Von Dr. Oliver Everling | 17.April 2018

Der positive Newsflow der Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA) reißt nicht ab. So hat die Gesellschaft einen Kaufvertrag über ein Nachversorgungszentrum im westfälischen Hamm geschlossen. Der Kaufpreis beläuft sich auf 3,1 Mio. €. Die jährlichen Nettomieterträge liegen nach Vollvermietung bei rund 330 T€. Die Nutzfläche der 1998 gebauten Immobilie umfasst rund 3.200 qm. Hauptmieter des Objekts ist Penny. Daneben beherbergt das Objekt noch weitere Mieter wie Bäcker, Lotto-Toto, ein Fitness-Studio, eine Nachhilfeschule, eine Arztpraxis und eine Behindertentagesstätte.

„Wir freuen uns, nun auch in Nordrhein-Westfalen und zugleich erstmals in einer Großstadt vertreten zu sein“, sagt Matthias Schrade, Vorstand der DEFAMA. „Neben der guten Lage gefällt uns vor allem die sehr langfristig etablierte Mieterstruktur“. Das Objekt ist eng eingebettet in ein Wohngebiet an einer Hauptstraße im Hammer Osten. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich auch eine Apotheke, ein Frisör, die Volksbank und eine Tankstelle, was den Standort als Nahversorger zusätzlich attraktiv macht.

Mit Abschluss dieses Kaufes steigt die annualisierte Jahresnettomiete der DEFAMA-Gruppe auf über 6,7 Mio. €, rechnet Schrade vor. „Das Portfolio umfasst 23 Standorte mit rund 88.000 qm Nutzfläche, die zu 97% vermietet sind. Zu den größten Mietern zählen ALDI, EDEKA, LIDL, Netto, NORMA, Penny, REWE, Coop/Sky, Dänisches Bettenlager, Deichmann, Takko, Hammer und toom.“ Ohne Effekte aus dem Joint-Venture zu Radeberg und weiteren Zukäufen liege der annualisierte FFO des Portfolios nun bei gut 3,3 Mio. €, entsprechend 0,94 € je Aktie.

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Sind die Ratings der Mittelstands-Anleihen aussagefähig?

Von Dr. Oliver Everling | 11.April 2018

Im ersten Teil des Beitrags „Sind die Ratings der Mittelstands-Anleihen aussagefähig?“ von Stephan Mahn und Werner Gleißner wird erläutert, von welchen Faktoren die Insolvenzwahrscheinlichkeit abhängig ist (und von welchen Faktoren die Ratingnoten gemäß empirischer Untersuchung bestimmt werden). Es werden zudem die wesentlichen Eckpunkte und Datengrundlage einer eigenen empirischen Studie vorgestellt, die sich mit Ratingnoten und Insolvenzwahrscheinlichkeiten deutscher Mittelstandsanleihen befasst.

Im zweiten Teil werden die wesentlichen empirischen Ergebnisse vorgestellt und ihre Implikationen diskutiert. Die Studie zeigt, dass die Ratings der Mittelstandsbonds systematisch „zu gut“ waren und dies schon zum Emissionszeitpunkt bei Betrachtung der Finanzkennzahlen der Unternehmen zu erkennen war. Zudem fehlte eine adäquate Berücksichtigung der Unternehmensrisiken.

Gleißner, W. / Mahn, S. (2016): Sind die Ratings der Mittelstands-Anleihen aussagefähig?, Teil 1: Probleme traditioneller Ratings, Verbesserungspotenziale und Implikation für Anleger und Unternehmen, in: KRP – Kredit & Rating Praxis, Heft 4/2016, S. 6 – 10, Download unter: http://www.werner-gleissner.de/site/publikationen/WernerGleissner_offiziell-Nr-1236b-Teil-I_Sind-die-Ratings-der-Mittelstands-Anleihen-aussagefaehig.pdf (abgerufen am: 22.02.18).

Gleißner, W. / Mahn, S. (2016): Sind die Ratings der Mittelstands-Anleihen aussagefähig?, Teil 2: Empirische Analyse und exemplarische Betrachtung der Ausfälle von Mittelstandsanleihen, in: KRP – Kredit & Rating Praxis, Heft 5/2016, S. 2 – 9, Download unter: http://www.werner-gleissner.de/site/publikationen/WernerGleissner_offiziell-Nr-1236b-Teil-II_Sind-die-Ratings-der-Mittelstands-Anleihen-aussagefaehig.pdf (abgerufen am: 22.02.18).

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PSD2 – neue Qualität im Kundenzugang?

Von Dr. Oliver Everling | 11.April 2018

Gewinnt der Zugang zum Kunden eine neue Qualität? Dieser Frage geht vor dem Hintergrund von PSD2 eine Podiumsdiskussion nach mit Sebastian Garbe, Direktor Digitalisierung und Payment beim DSGV, Kate Pohl, Head of Payments Innovation / Payconig, Germany Austria, Wholesale Banking bei ING Bank, Stefan Lamprecht, Mitglied der Geschäftsleitung der Sopra Steria Consulting, Dr. Felix Strassmar-Renshagen, Referent im Referat GIT 1 der BaFin und Andree Stomberg, Abteilungsdirektor Global Liquidity and Cash Management, HSBC Deutschland. Die Experten diskutieren in der Frankfurt School of Finance & Management anlässlich der 11. Jahreskonferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“.

„Der Kunde wird nicht nur über seine eigene Bank die Möglichkeit haben, an seine Bank zu kommen, sondern auch über Third Party Providers, FinTechs und andere“, macht Kate Pohl einleitend klar.

Garbe blickt über Deutschland hinaus und weist darauf hin, dass die meisten Dinge, die PSD2 bietet, in Deutschland schon vorhanden seien. Dennoch hält er es für falsch zu glauben, dass die Veränderungen sich nur in den anderen Ländern Europas vollziehen würden. „Wir werden in den nächsten 12 Monaten nicht bahnbrechende Veränderungen sehen, aber die Bankenlandschaft wird in fünf Jahren anders aussehen“, sagt Garbe. Einige Anbieter werden sich als zentrale Anker und Plattformen etablieren, andere mit spezialisierten Dienstleistungen.

Strassmair-Reinshagen macht klar, dass der Zugang von Dritten nur ein Bereich von vielen in der PSD2 sei. „In der BaFin sehen wir die Beschwerden der Kunden, wir bekommen Beschwerden in beide Richtungen“, sagt Strassmair-Reinshagen, denn einerseits fürchten sich Kunden um die Sicherheit ihrer Konten, andererseits würde der Aufwand der Banken kritisiert, der sich mit der Erhöhung von Sicherheitsstandards verbindet. „In Wild West gibt es Chancen, aber eben auch einige Unsicherheiten.“ The Berlin Group habe einen API-Standard vorgeschlagen, man solle jetzt über technische Einzelfragen diskutieren.

Stomberg findet es Schade, dass zu oft auf die FinTechs verwiesen werde, die auf der grünen Wiese ohne Erfahrung anfangen. Der Vorteil etablierter Banken sei, die Regulierung genauer zu kennen und mehr Erfahrungen einbringen zu können. Bei einem historisch gewachsenen Haus gebe es mehrere verschiedene Zugangssysteme, allein in Deutschland bei HSBC drei, so dass man hier nicht einfach um „einen“ Zugriff auf Daten handele.

Pohl glaubt, dass Banken quasi ein Monopol hatten und nicht gezwungen waren, Dritte einzubeziehen. Nun würden FinTechs usw. mit großer Freude sehen, dass sie über APIs mit dem Einverständnis ihrer Kunden Kundendaten herunterladen dürfen. Schon 2014 habe die ING verstanden, wohin die Reise hingehe. Daher sei die ING nun bereits gut aufgestellt, um konkurrieren zu können. „Alle Banken, da schließe ich uns mit ein, haben doch ein wenig spät reagiert“, fügt sie selbstkritisch hinzu und räumt ein, dass durch PSD2 weitere Impulse gegeben werden.

Garbe skizziert, wie sich die Sparkassen auf der Kundenseite aufstellen werden. Die größte Sichtbarkeit in der Trefferliste, zahlreiche Seitenaufrufe vor bild.de usw. zeigen, dass schon einiges erreicht worden sei. Die Plattform werde weiter geöffnet. Insbesondere werden sich die Sparkassen bei Dritten integrieren. Eventbezogene Reisekrankenversicherung sei ein Beispiel dafür, wie weitere Leistungen eingefügt werden.

Strassmair-Reinshagen weist darauf hin, dass man in manchen Ländern bezüglich PSD2 noch im Gesetzgebungsverfahren stecke, so dass sich diese Länder von weiteren Erkenntnisse auf europäischer Ebene leiten ließen, während man sich in Deutschland schon festgelegt habe.

Auf die Frage eines Teilnehmers der Konferenz, ob die PSD2 mehr Bequemlichkeit im Zahlungsverkehr für den Kunden bringen werde, antwortet Stomberg klar mit „nein“: Er skizziert die künftige Situation im Webshop, wo es eine große Anzahl von Dienstleistern geben werde, die es für den Endverbraucher eher unübersichtlicher mache. Hier sieht er einen Konsolidierungsprozess kommen. „Für den Endverbraucher wird sich in Deutschland erst einmal nicht so viel tun“, dämpft Stomberg die Erwartungen.

Pohl verweist auf den Vertrauensvorteil, den die Banken immer noch bei ihren Kunden genießen. Dies würden alle einschlägigen Untersuchungen zeigen. Erst kommen für die Banken mit PSD2 die Kosten, jedoch sieht sei auch Chancen auf zusätzliche Erträge.

Garbe verweist auf China und Schweden, wo die Durchdringung bargeldloser Transaktionen schon weit über 70 % gekommen sei. „Ich will es nicht als Kundenschelte verstanden wissen, wenn in Deutschland die Kunden so langsam sind. In China gab es vorher nichts Besseres“, zeigt Garbe auf und unterstreicht die Bequemlichkeit, mit der schon bisher in Deutschland Kunden ihren Zahlungsverkehr erledigen konnten.

Fazit der Podiumsdiskussion: Ja, der Zugang zum Kunden gewinnt eine neue Qualität, aber möglicherweise anders, als es sich manche vorstellen, und vielleicht auch nicht so schnell, wie es sich manche erhoffen.

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Zyklisches Anlegerverhalten

Von Dr. Oliver Everling | 11.April 2018

„Im 1. Quartal 2018 war die Fondsnachfrage stark von der Entwicklung der Finanzmärkte geprägt“, betont Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung von ebase. „Im Januar sind die Handelsaktivitäten der ebase-Kunden auf ein Rekordniveau angestiegen, während sich die Finanzmärkte sehr positiv entwickelt hatten.“ Auf die Korrekturen an den Börsen haben die ebase-Kunden wiederum in der Folge mit vorsichtiger Zurückhaltung reagiert. So ging die Handelsaktivität der ebase-Kunden im Februar, nach einem Rekordhoch mit 143 Prozentpunkten des Vorjahresdurchschnitts im Januar, auf 115 Prozentpunkte zurück. Im März gab diese erneut auf 97 Prozentpunkte nach.

„Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt, dass die ebase-Kunden nach den Kursrückgängen der letzten Monate die Risikobereitschaft etwas reduziert haben“, analysiert Geyer. „Sie greifen zu eher defensiven Fondstypen, wie Immobilien- und geldmarktnahen Fonds, um zunächst abzuwarten, bis sich die Finanzmärkte wieder in ruhigerem Fahrwasser bewegen.“

Mit Einschränkungen gelte das auch für ETF-Anleger, die ihre Handelsaktivitäten im März stark reduziert haben. Dessen ungeachtet lag der Kaufquotient für die ersten drei Monate des Jahres bei 1,99, was bedeutet, erläutert Geyer, dass die Neuinvestments nahezu doppelt so hoch waren wie die Verkäufe. „Das zeigt, dass unsere Kunden einerseits stark auf ETFs setzen und andererseits auch sehr flexibel agieren und sich bietende Chancen an den Finanzmärkten zeitnah ergreifen“, erklärt Rudolf Geyer abschließend.

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Kehrt Mattel zur Investmentqualität zurück?

Von Dr. Oliver Everling | 11.April 2018

Ratingagenturen warfen mit ihren Ratings für einen führenden Spielwarenkonzern wie Mattel über viele Jahre hinweg Fragen auf. Kernargument für relativ niedrige Ratings knapp oberhalb der Schwelle „investment grade“ war nicht nur die relative und absolute Höhe der Verschuldung, sondern insbesondere auch die früher zu hohe Abhängigkeit von Mattel vom Erfolg einzelner Spielfiguren wie Barbie. Nun hat Mattel mit einem Absturz der Börsenkapitalisierung zu kämpfen.

Der Schweizer Asset-Manager Braun, von Wyss & Müller (BWM) erachtet die Aktie des US-amerikanischen Spielzeugherstellers Mattel für deutlich unterbewertet. Hintergrund ist der Kurssturz, der die Notierung seit Ende 2016 von knapp 30 auf nunmehr rund 13 USD je Aktien fallen ließ. „Mit derart bekannten und gut eingeführten Produkten, die sich in jedem Kinderzimmer finden, muss ein Management schon sehr viel falsch machen, damit der Aktienkurs derart abfällt, wie bei Mattel geschehen“, urteilt Georg von Wyss, Manager der CFM-Fonds. Etwa die verzweifelten Versuche, die Umsätze zu halten, was das Unternehmen viel Geld gekostet hat, oder das kurzsichtige und kopflose Agieren beim Verlust der Lizenz für Disney Princess. „Als der Schaden sich nicht mehr verschleiern ließ und in den Ergebnissen 2017 deutlich wurde, reagierten die Anleger massiv“, so von Wyss – das Bond-Rating ist mittlerweile auf „Junk“.

Die Aufmerksamkeit der CFM-Fonds als Deep-Value-Investoren wurde geweckt, als Anfang 2017 Margo Georgiades zur neuen CEO ernannt wurde, die seitdem das Unternehmen auf Vordermann bringt. „Sie fokussiert auf die wesentlichen Marken – immerhin sind das weltbekannte Produkte wie Barbie, Fisher-Price, Hot Wheels oder Matchbox –, führt rationale Planungsinstrumente und Prozesse ein, strafft die Zuliefererkette, reduziert riesige Warenlager – kurz: Sie macht aus Mattel einen modern und rational geführten Betrieb!“, resümiert Fondsmanager von Wyss.

Allerdings habe der Markt bis dato die eingeleiteten Maßnahmen noch nicht honoriert, auch, weil der größte Kunde in den USA, Toys “R” Us, Konkurs angemeldet habe. Dieser Vertriebskanal sollte auf mittlere Sicht aber ersetzt werden. Für Fondsmanager von Wyss ist der Titel deshalb attraktiv: „Da wir Mattel EBIT-Margen von um die 13 Prozent oder höher zutrauen, sollte der Unternehmenswert auf 25 USD je Aktie oder vielleicht sogar darüber hinaus steigen, was uns veranlasst hat, die Aktie für den Classic Value Equity Fund zu erwerben.“

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Tencent versus Facebook

Von Dr. Oliver Everling | 9.April 2018

Daten sind das neue Öl, ist allenthalben zu lesen. Letzten Monat wurde bekannt gemacht, dass Facebook einem Leck zum Opfer fiel. Jason Pidcock, Fondsmanager des Jupiter Asia Pacific Income SICAV bei Jupiter Asset Management, sieht darin ein Datenleck, „das mit der unerlaubten Datensammlung von 50 Millionen Nutzern im Ausmaß so katastrophal ist wie damals das Ölleck von BP.“

Es ist nicht das erste Mal, so Pidcock, das der US-Internetkonzern durch Datenmissbrauch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. „Während Technologieunternehmen in den westlichen Ländern wegen dieser Affäre nun unter Druck sind,“ beobachtet Pidcock, „ergibt sich für Asien ein positiveres Bild. Dies gilt vor allem für den Liebling asiatischer Softwaretechnologie: Tencent.“

Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten 2017 wurden immer wieder Vorwürfe gegen Facebook wegen Datenmissbrauchs laut. „Nach den jüngsten Enthüllungen,“ so Pidcock, „wonach sich die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu den Daten von Millionen Facebook-Nutzern verschafft hat, musste die Aktie nun jedoch ihren stärksten Kursverlust seit vier Jahren hinnehmen. Der Einbruch scheint die Technologiemärkte auf breiter Front verängstigt zu haben, zumindest kurzfristig.“

Ein anderes, freundlicheres Bild zeige sich indessen in Asien, wo der Internetriese Tencent weiter gute Fortschritte macht. Er gelte häufig als der chinesische Facebook-Rivale schlechthin und sei das wertvollste Unternehmen der Region. „Tencent hat vor Kurzem Ergebnisse vorgelegt,“ berichtet Pidcock, „die alle Analystenerwartungen übertrafen. Dabei lag der Nettogewinn, der im vierten Quartal erwirtschaftet wurde, mit 20,8 Milliarden Yuan (rund 2,7 Milliarden Euro) noch über der höchsten Schätzung von 18,05 Milliarden Yuan. Die Dividende ist zwar weiterhin niedrig, doch entspricht die Gesamtjahresausschüttung von 0,88 Hongkong-Dollar je Aktie immerhin einer jährlichen Steigerung von 44,3 Prozent. Der Aktienkurs sank dennoch, was auf die Investitionsvorgaben der Geschäftsleitung sowie den Großaktionär Naspers zurückzuführen ist.“

Dieser hatte entschieden, seine Tencent-Beteiligung zu verringern. In fundamentaler Hinsicht sieht Pidock das Unternehmen unverändert solide. Die Brokerhäuser seien daher generell bei ihrer positiven Einschätzung geblieben, wobei einige ihr Kursziel für Tencent sogar erhöht hätten. „So haben etwa die Analysten von HSBC ihr 12-Monats-Kursziel von 454 auf 527 Hongkong-Dollar nach oben korrigiert, während die Credit Suisse den Kurs weiter bei 540 Hongkong-Dollar sieht.“

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Behemoth will kein freies Geld

Von Dr. Oliver Everling | 8.April 2018

Kryptowährungen sind stark schwankende virtuelle Vermögenswerte und noch weit davon entfernt, um dem normalen Verbraucher als Zahlungsmittel zu dienen. Die professionellen Investoren können das Wechselspiel dieser konkurrierenden Kryptowährungen am Computer mit Hilfe der Numerischen Mathematik simulieren. Solange als Ergebnis noch etwas von den Kryptowährungen übrig bleibt und es identifizierbare Gewinner und Verlierer unter diesen Kryptowährungen gibt,“ sieht Udo Schäfer, MA, voraus, „werden Finanzinvestoren mit Hilfe ihrer Mathematiker die Gewinner ermitteln und die virtuellen Werte in bilanzierungsfähige Werte verwandeln.“

Regulierung mache diese Kryptowährungen natürlich erst richtig interessant, denn dann lassen sich die Ergebnisse von solchen Simulationen noch viel besser und näher an der Realität ermitteln. „Der moralische Zeigefinger über die in den Kryptowährungen enthaltene heiße Luft ist unangebracht,“ kritisiert Schäfer, „im Euro ist viel mehr heiße Luft enthalten. Das Schürfen von Kryptowährungen und das Ermitteln der jeweiligen bilanzierungsfähigen Werte kann mit dem Bergbau verglichen werden, auch dort geht es darum, möglichst alles Wertvolle herauszuholen und nichts im Abraum zurückzulassen.“

Die Kryptowährungen selbst sind nicht wieder tot zu kriegen, ist Schäfer überzeugt, auch das Fiatgeld hat schwerste Erschütterungen und riesige Wertverluste seit Jahrhunderten überlebt. Die auch von George Soros ins Feld geführte Analogie der Kryptowährungen zur Tulpenkrise im 17. Jahrhundert trifft nach Ansicht von Schäfer den Sachverhalt nicht: die Tulpenzwiebel sei ein einfaches landwirtschaftliches Produkt, das mit der Komplexität einer Kryptowährung hinsichtlich Entstehung und Verwendung nicht vergleichbar sei.

„Die Erfahrungen mit dem Bergbau zeigen,“ so Schäfer weiter, „dass die neue entstehende Kryptoindustrie sich bereits jetzt um die Entsorgung des Kryptoabraums kümmern muss. Dass z.B. keine Ewigkeitslasten für folgende Generationen entstehen. Das Verhalten der Zentralbanken von China und Indien gegenüber westlichen Kryptowährungen ist durchaus konsequent.“ Die asiatischen Staaten wollen in dem Zukunftsmarkt Kryptowährungen die vorhandene angelsächsische Dominanz zurückdrängen, analysiert Schäfer, um dann selbst mit eigenen regulierten Kryptowährungen auf einen Markt zu treten, den diese Staaten aktiv beeinflussen wollen.

„Manche asiatische Staaten streben nach mehr als Einfluss,“ so Schäfer, „sie wollen die Kontrolle und gleichzeitig hat der Kampf um die besten Ausgangspositionen für mögliche Institutionen rund um die Kryptowährungen schon längst begonnen. Da kommen einige starke Kursschwankungen der Kryptowährungen, die asiatische Aufsichtsbehörden selbst geschaffen haben, gerade recht.“

Zittrige Hände von kurzfristig orientierten Spekulanten brauche man in Asien nicht, dort sei langer Atem gefragt. Welcher Standort wird sich in Asien als tonangebend für den Handel mit Kryptowährungen durchsetzen? „Wir werden mindestens eine bedeutende asiatische Ratingagentur sehen,“ prognostiziert Schäfer, „die rechtzeitig dabei ist. Die Chinesen haben schon lange darauf gewartet, den Finanzinstitutionen in den USA einmal voraus zu sein.“

Die von Sun Guofeng von der chinesischen Zentralbank geforderte Abschaffung des Papiergeldes, bei gleichzeitiger Einführung von tiefen negativen Zinsen, mache jedem klar, dass es hier nicht um mehr Effizienz im Geldverkehr, sondern um einen Baustein zur noch effektiveren Herrschaft über die chinesischen Untertanen gehe. „Der chinesische Behemoth will kein freies Geld, weder im Sinne von Friedrich August von Hayek noch von Silvio Gesell und schon gleich gar nicht dezentral organisierte Kryptowährungen, die keiner Kontrolle einer staatlichen Macht unterliegen. Die People’s Bank of China will eine von ihr kontrollierte Kryptowährung,“ ist sich Schäfer sicher, „mit der sie die chinesischen Untertanen kontrollieren und bei fehlendem Wohlverhalten gegenüber der Obrigkeit gleich sanktionieren kann.“

Den gebildeten Sympathisanten dieser von Kenneth Rogoff stammenden Idee in der EZB ist durchaus bewusst, dass man weder mit F.A. von Hayek noch Silvio Gesell die Kombination aus Bargeldabschaffung, negativen Zinsen und einer zentralisierten Kryptowährung mit einer liberalen Fassade versehen kann, deshalb muss auch in der europäischen Debatte, wie in China, die Kriminalitätsbekämpfung als Argument herhalten. Schäfer: „Die Umrisse des Brüsseler Leviathan zeichnen sich immer deutlicher ab. Der Bürger in Europa wird, wie in China, gar nicht erst gefragt. Im Ernstfall kann dann die Obrigkeit bei uns dem Bürgeruntertanen (bürgerliche Fassade aus Restfreiheiten, machtpolitisch der Obrigkeit unterworfen mit Luhmanns Legitimation durch Verfahren) das elektronische Geld zuteilen, rationieren und mit Hilfe eines digitalen Amtsgerichtes in Zukunft auch sperren. Ein von der Obrigkeit zentralisiertes bargeldloses System auf Blockchain-Basis erfordert zur wirksamen Umsetzung eine Sicherheitsarchitektur aus mehreren Ebenen. Denn die Gegner dieser Obrigkeit werden dieses System digital angreifen.“

Durch die noch engere und dichtere Vernetzung erhöhe sich die Verwundbarkeit gegen digitale Angriffe exponentiell. „Stuxnet vermittelt einen ersten Eindruck,“ gibt Schäfer ein Beispiel, „was passieren kann, aber es wird noch viel schlimmer. Im Ergebnis haben wir eine Konvergenz der Systeme zwischen dem autoritären China und einem politisch mächtiger werdenden Europa. Auf der Strecke bleibt die Freiheit des Bürgers, weil die Politik die Trennung von Imperium und Dominium nicht respektiert, würde Wilhelm Röpke sagen.

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