Widersprüchlicher Koalitionsvertrag

Von Dr. Oliver Everling | 8.März 2018

Die SPD-Mitglieder haben für die „GroKo“ gestimmt. Grünes Licht für die Neuauflage der alten Regierung gab es auch von den Parteigremien der CDU und CSU. Fragt sich nur, wieviele von denjenigen, die hier mitgestimmt haben, tatsächlich auch den Koalitionsvertrag gelesen haben.

Einer von denjenigen, die den Koalitionsvertrag studiert haben, ist Jürgen Dumschat von der AECON Fondsmarketing. Auf der ChampionsTour in Frankfurt am Main zieht er Bilanz: Widersprüche und Unklarheiten prägen das Bild, das die große Koalition zu Papier gebracht hat.

Dumschat weist nicht nur auf die Inkonsistenzen hin, die sich für die Finanzberatung ergeben, sondern auch auf die wahrscheinliche Verfassungswidrigkeit der Pläne, die sich die Regierungsparteien vorgenommen haben. Ein Beispiel dafür ist der Solidaritätszuschlag, der für 90 % der Bürger abgeschafft werden soll. Fraglich sei, ob sich die „Solidarität“ nur auf die „oberen“ 10 % beziehen darf und dies mit dem Gleichheitsgrundsatz vereinbaren lässt.

Dumschat spricht aber auch über Verfehlungen aus der letzten Legislaturperiode. So treten nun Gesetze in Kraft, die den Berater vor praktisch unlösbare Probleme stellt, die sich auf Buchung von Provisionen und Preisangaben beziehen.

Dumschat gabelt auch die Idee der „GroKo“ auf, die Kapitalertragsteuer als Abgeltungssteuer wieder abzuschaffen. Stattdessen sollen wieder individuelle Steuersätze gelten. Dumschat weist auf die Widersinnigkeit dieses Vorhabens hin, das gerade zu einer Zeit komme, zu der Anleger ohnehin kaum Zinserträge zu verbuchen habe. Außerdem sei es nicht schlüssig, Zinserträge innerhalb eines Fonds einheitlich zu besteuern, nicht aber, wenn diese vom Anleger direkt verbucht werden können.

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Gespannt auf PropTech Innovation Award 2018

Von Dr. Oliver Everling | 8.März 2018

Am 16. Mai laden Union Investment und das German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) zum Finale des PropTech Innovation Award 2018 in Berlin ein. Für den zweiten Durchlauf der weltweit ausgeschriebenen Tech-Competition können sich Gründer und junge Unternehmer mit ihren digitalen Geschäftsideen für die Immobilienwelt noch bis zum 15. März bewerben. Der PropTech Innovation Award 2018 ist mit insgesamt 40.000 Euro dotiert.

Zu den Pitches und dem Finale in der Start-up-Hauptstadt Berlin werden die neun besten PropTechs weltweit eingeladen. Die Preisträger werden live vor Ort von einer neunköpfigen Fachjury ausgewählt. Jedem Nominee steht ein Fachjuror als Pate zur Vorbereitung auf den Pitch zur Seite. Zum Showdown und Networking-Event in der Berliner Kult-Location „Säälchen“ am Holzmarkt werden rund 300 Gäste aus der Gründer- und Immobilienbranche erwartet. Unterstützt wird der PropTech Innovation Award in diesem Jahr durch den Immobilienbranchenverband RICS und die Reed Midem als Veranstalter der Immobilienmesse MIPIM.

„Die Dimensionen und Auswirkungen, die Blockchain, digitale Datenräume und Künstliche Intelligenz für die Immobilienwirtschaft haben, waren vor einem Jahr beim ersten PropTech Innovation Award bestenfalls in Ansätzen zu greifen. Nur wenige haben erwartet, dass die Impulse aus der digitalen Gründerszene derart schnell aufgenommen werden und die Prozesse und Geschäftsmodelle etablierter Immobilienunternehmen bereits heute prägen“, sagt Jörn Stobbe, Geschäftsführer der Union Investment Real Estate GmbH und Mitglied der Wettbewerbsjury. „Wir sind sehr gespannt, welche Themen die Teilnehmer der zweiten Wettbewerbsrunde auf die Agenda der Immobilienbranche setzen. Das Digitalisierungspotential ist immens.“

„Die Veränderungen, wie wir sie derzeit erleben, kennen keine regionalen Grenzen. Wie die neue Generation an Firmengründern muss auch die Immobilienwirtschaft beginnen, Innovationen international zu denken“, bestätigt Maarten Vermeulen, Regional Managing Director for Europe, Russia & CIS bei RICS. „Der PropTech Innovation Award setzt den richtigen Maßstab, der zur RICS und unseren Mitgliedern passt.“
„Mit dem PropTech Innovation Award haben wir gemeinsam mit Union Investment den quasi Standard in der Branche für Innovationsförderung etabliert“, so Benjamin Rohé, Managing Director von GTEC. „Die Unterstützung durch RICS, der international renommierten Berufsorganisation der Immobilienwirtschaft, ehrt uns und wir freuen uns mit unseren Partnern auf die Award Ceremony im Mai.“

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Gute Aussicht auf Börsenkandidat

Von Dr. Oliver Everling | 8.März 2018

Die im Scale 30 notierte Beteiligungsgesellschaft Mutares AG (ISIN: DE000A0SMSH2) zieht einen Verkauf oder Börsengang ihres Portfoliounternehmens STS Group AG für dieses Jahr in Betracht, meldet die Gesellschaft.

Die bei München ansässige STS Group ist ein global-aufgestellter Marktführer und Zulieferer für die Nutzfahrzeugindustrie. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von innovativenSMC-, Wärmedämmungs- und Akustikkomponenten spezialisiert. SMC Technologie wird in der Elektromobilität insbesondere im Bereich des leichten Fahrzeugbaus verwendet und kann Metallkomponenten effizient ersetzen. STS hat einen starken Footprint in China, Europa, Mexiko sowie Brasilien. Das Kundenportfolio umfasst die großen europäischen und chinesischen Truckhersteller sowie auch hochspezialisierte Automobilhersteller.

„Mit einem möglichen (Teil-)Exit der STS Group bestätigt Mutares den Erfolg der Buy-and-Build-Strategie für erfolgreich neuausgerichtete Portfoliounternehmen. Für die STS Group ist das Ziel, die starke Position als ein führender und global aufgestellter Nutzfahrzeugzulieferer weiter auszubauen und Innovationen im Bereich Elektromobilität und autonomes Fahren voranzutreiben“, sagt Robin Laik, CEO der Mutares AG.

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Risikoanalyse, Risikoquantifizierung und Risikoaggregation

Von Dr. Oliver Everling | 7.März 2018

Risikoquantifizierung und Risikoaggregation (Risikosimulation) sind wesentlich für Controlling, Risikomanagement, Ratingprognosen sowie die Unternehmens-, Strategie- und Investitionsbewertung. Eine „bestandsbedrohende Entwicklung“ gemäß § 91 Abs. 2 AktG früh zu erkennen, setzt die Risikoaggregation voraus.

Die durch ein Rating ausdrückbare Insolvenzwahrscheinlichkeit ist ein Maß für den „Grad der Bestandsgefährdung“ eines Unternehmens. Mit § 93 AktG (Business Judgement Rule) fordert der Gesetzgeber zudem „angemessene Informationen“ bei der Vorbereitung von Vorstandsentscheidungen, sodass insbesondere auch die durch eine Entscheidung verursachte Auswirkung auf das zukünftige Rating und die zukünftige Risikoposition anzugeben sind.

Mehr zu diesem Thema in Gleißner, W. (2017): Risikoanalyse, Risikoquantifizierung und Risikoaggregation, in: WiSt, Heft 9, 2017, S. 4-11, Download unter: http://www.werner-gleissner.de/site/publikationen/WernerGleisser_offiziell-Nr-1453-Risikoanalyse-Risikoquantifizierung-und-Risikoaggregation.pdf (abgerufen am: 22.02.18).

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Comgest sammelt Auszeichnungen

Von Dr. Oliver Everling | 5.März 2018

Die internationale Fondsgesellschaft Comgest ist bei den diesjährigen Morningstar Fund Awards – Germany in Frankfurt am Main als „Bestes Fondshaus Aktien“ ausgezeichnet worden. „Damit setzt die unabhängige Fondsboutique aus Paris ihre Erfolgsserie der letzten Monate weiter fort, zu der unlängst die begehrtesten Auszeichnungen der Branche gehörten“, schreibt die Gesellschaft selbstbewusst.

Im Februar wurde Comgest zum vierten Mal in Folge vom Finanzen-Verlag als „Fondsboutique des Jahres“ mit einem Goldenen Bullen ausgezeichnet. Ebenfalls zum vierten Mal in Folge erhielten die Franzosen bei den Scope Investments Awards, formals Feri EuroRating, den Titel als bester Aktienfondsmanager. Zuvor konnte die Fondsboutique bereits bei den Sauren Golden Awards und bei den Thomson Reuters Lipper Fund Awards in gleich mehreren Kategorien überzeugen.

Die Morningstar Fund Awards werden in zwei Gruppen verliehen. Neben den „Category Awards“, bei denen herausragende Leistungen auf Einzelfondsebene prämiert werden, erhalten auch die besten Fondshäuser bei den „Fund House Awards“ eine der Auszeichnungen. Bewertungsgrundlage der besten Fondshäuser, bei der wiederum Preise für das „Best Fund House: Equity“, das „Best Fund House: Fixed-Income“ sowie „Best Fund House: Overall“ vergeben werden, ist das Morningstar Sterne Rating. Comgest konnte sich hier mit 4,67 von 5 möglichen Sternen gegenüber zwei weiteren Mitbewerbern durchsetzen.

„Diese Auszeichnung unterstreicht die Perfektion unseres Quality Growth Ansatzes und bestätigt damit die Anlagephilosophie, welche wir seit mehr als 30 Jahren konsequent verfolgen. Unsere Strategie, auf Titel mit Qualitätswachstum zu setzen, ist der Schlüssel unseres Erfolgs und wird es auch zukünftig bleiben“, bekräftigte Thorben Pollitaras, Deutschland-Geschäftsführer von Comgest.

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Mentalitätswandel stimmt optimistisch

Von Dr. Oliver Everling | 5.März 2018

La Financière de l’Echiquier (LFDE) gibt ein klares Bekenntnis zum verantwortungsbewussten Investieren ab. „Wir sind seit langem davon überzeugt, dass finanzielle und nicht-finanzielle Leistungen eng miteinander verknüpft sind“, sagt Sonia Fasolo, SRI-Manager bei LFDE. „Der sich derzeit vollziehende Mentalitätswandel stimmt uns sehr optimistisch im Hinblick auf die Vermögensverwaltung im Sinne von SRI.“

Sie betont, dass auch Vermögensverwaltungsgesellschaften verantwortungsvoll handeln müssen, den Dialog mit den Unternehmen suchen und ihre Stimmrechte nutzen sollten. „Unsere Verantwortung besteht darin, die Interessen unserer Anleger, die indirekt Aktionäre der von uns ausgewählten Unternehmen sind, bestmöglich zu verteidigen“, betont Fasolo. Die Möglichkeit, Investments aufzulösen, wenn man mit dem Management der Unternehmen keine Einigkeit erzielen könne, nutze LFDE indes nur als letztes Mittel.

Ratingagenturen finden im Dialog mit allen Stakeholdern die Kriterien, nach denen Nachhaltigkeit beurteilt werden kann. Für Ratingagenturen ist dies kein einmaliger Vorgang – etwa nur zum Zeitpunkt der Investition in ein Unternehmen -, sondern ein laufender Prozess, so dass insbesondere auch für langfristig orientierte Anleger das Rating auch zur Wahrnehmung von Stimmrechten in Hauptversammlungen ein Orientierung bieten kann.

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Bankgebühren und Bank-Betreuung

Von Dr. Oliver Everling | 1.März 2018

Im Firmenkundengeschäft erhöhen Banken und Sparkassen vielfach ihre Bearbeitungspreise und führen neue Gebühren ein. Gleichzeitig wird die persönliche Betreuung vor Ort gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oft reduziert. So schildern die Mitglieder der Fachgruppe Finanzierung-Rating im Verband „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e. V.“ ihre aktuellen Beobachtungen. Mit dem „KMU-Banken-Barometer 2018“ wollen die KMU-Berater mehr Transparenz in diese Veränderungen bringen und bieten den Unternehmen gleichzeitig die Möglichkeit einer kritischen Selbsteinschätzung. Die Teilnahme ist online möglich bis zum 30. April 2018 unter www.banken-barometer.kmu-berater.de.

„Mit drei Fragen zu Bankgebühren wollen wir die Unternehmen anregen, sich mit der Preispolitik ihrer Bankpartner zu beschäftigen. Im zweiten Schritt bewerten die Unternehmen zehn Thesen zu ihrer Finanzierungs- und Bankensituation. Diese Thesen bewerten die Unternehmen jetzt das fünfte Jahr in Folge. Damit können wir langfristige Trends erkennen. Beide Teile zusammen erlauben den Unternehmen eine Einschätzung des Preis-Leistungs-Verhältnisses ihrer Bankbeziehungen. Insofern ist die Umfrage auch ein Selbst-Check für Unternehmen“ erläutert Carl-Dietrich Sander, Leiter der Fachgruppe Finanzierung-Rating der KMU-Berater, den Nutzen für Unternehmen.

Darüber hinaus erhalten Unternehmen eine Beurteilung ihrer Finanzierungs-Situation aus Beratersicht mit einem ersten Handlungsimpuls zur weiteren Verbesserung. Unternehmen, die ihre Mail-Adresse hinterlegen, erhalten im Mai eine Auswertung der Umfrageergebnisse und können so ihre eigene Situation nochmals vergleichen und auf den Prüfstand stellen. Außerdem gewinnt jedes 20. teilnehmende Unternehmen das Buch „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ (NWB Verlag, Autor Carl-Dietrich Sander, 430 Seiten).

„Die verbreiteten Preiserhöhungen sind zwar nachvollziehbar, weil die Banken und Sparkassen die anhaltenden Ertragsrückgänge in ihrem Zinsgeschäft zumindest teilweise durch steigende Provisionserträge kompensieren möchten“ sagt Sander. Jedes Unternehmen sollte aber prüfen, wie es mit solchen Preiserhöhungen umgehen will. Die Handlungsalternativen reichten vom stillen Akzeptieren bis zu klaren Gesprächen über das Preis-Leistungsverhältnis aus Unternehmenssicht. Auch die Beratungsintensität ihrer Bankpartner sollten die Unternehmen dabei mit in die Waagschale legen. „Die Frage ist, ob viele Kreditinstitute mit der Reduzierung der persönlichen Betreuung vor Ort und der immer weiteren Automatisierung auch der Entscheidungsprozesse gerade bei ihren kleineren Firmenkunden diesen und sich selbst wirklich einen Gefallen tun“ so Sander.

Die KMU-Berater verweisen außerdem auf die kritischen Aussagen der Bundesbank zur weiteren Ertragsentwicklung der Banken und Sparkassen. „Vor diesem Hintergrund ist jetzt noch eine gute Zeit, die eigene Finanzierungssituation zu beleuchten und die Finanzierungsbasis gegebenenfalls zu verbreitern“ betont Sander. Denn spätestens beim nächsten Konjunkturrückgang werden viele Banken und Sparkassen ihre Kreditbereitschaft deutlich einschränken, sind die KMU-Berater überzeugt.

www.banken-barometer.kmu-berater.de

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Digni-Geld

Von Dr. Oliver Everling | 1.März 2018

Prof. Dr. Christian Rieck greift mit dem Buch „Digni-Geld – Einkommen in den Zeiten der Roboter“ geschickt ein Thema auf, das zu den wichtigsten Sorgen insbesondere auch der Deutschen gehört. Während gemäß Umfragen zum Beispiel Chinesen sich von den neuen Technologien trotz Überwachungsstaat mehr Chancen als Risiken ausrechnen, ist es bei den Deutschen umgekehrt.

„Aber wieso haben wir dann so viel Angst davor?“ Das fragt Rieck mit Blick auf die Technologien von robotorisierenden Unternehmen wie Google, Amazon, Apple usw. und antwortet: „Weil die rosigen Zeiten nur dann kommen, wenn wir die Zutaten richtig kombinieren. Kombinieren wir sie falsch, dann bleibt es bei Bomben, die wir mitten in unserem Wohnzimmer lagern.“

Christian Rieck gliedert sein Buch in drei Teile: Geld verdienen; Geld konstruieren; Geld arbeiten lassen. Im ersten Teil geht es um die Frage, wozu es überhaupt Eigentum gibt, wie man gegen einen Roboter kämpft und ob es wirklich so kommen wird. Der zweite Teil gibt einen Überblick über gesicherte Erkenntnisse über Geld (Geldbasis, Vollgeld, Fiatgeld, Kreditgeld, Geldmengenmultiplikator), die Wirkung der Geldmenge (Helikoptergeld, Zinsen, Inflation, Preise, Geldillusion), Deflation, Gold, Boden und Bitcoin. Wer sich damit bereits auskennt, zum Beispiel weil selber Bankkaufmann oder mit finanzwirtschaftlichem Studium ausgebildet, kann direkt zum dritten Teil übergehen, wo Christian Rieck seine Qualitäten als Vordenker unter Beweis stellt. Im dritten Teil kommt er auf die Idee des „Digni-Geldes“ zu sprechen. Hier diskutiert er die Technologie, die Logik des Vorschlags sowie die Frage, wie der „Digni-Geld-Kapitalstock“ gefüllt werden kann.

„Die neuen technischen Möglichkeiten führen dazu,“ so Rieck, „dass wir eine andere Form von Geld konstruieren können als wir es bisher kannten. Das ist der Schlüssel dafür, das Wirtschaftssystem für den digitalen Wandel umzugestalten. So umzugestalten, dass die Menschen von dem Wandel profitieren und nicht unter ihm leiden.“

Wer sich durch die ersten beiden Teile des Buches arbeitet, wird von Rieck reich belohnt. Er schenkt hier dem Leser am Rande seines Kernthemas, dem Digi-Geld, eine Fülle von Erkenntnissen, die vom Leser quasi „nebenbei“ geerntet werden können, so zum Beispiel Irrlehren des Karl Marx, der noch heute Ideen von Linken und Träumern beflügeln. Kurz und bündig stellt dazu Rieck klar, wie das Verhältnis von Arbeit und Kapital von Marx missverstanden wurde und es deshalb zu seinen falschen Prognosen kam.

Rieck nimmt die Sorgen der Menschen ernst, die sich von neuen Technologien verdrängt fühlen und ihre Arbeit entwertet sehen. Den Maschinenstürmern gibt er aber keine Chance: „Ein Frontalangriff auf Maschinen ist nicht zu gewinnen; denn selbst wenn man gewinnt, ist der Sieg teurer als die Niederlage.“ Wer an Riecks Urteil Zweifel hegt, wird durch sein neues Buch eines Besseren belehrt.

Die Produktivitätssteigerung von Maschinen ist kaum zu bremsen. „Was entsteht ist eine Zweiteilung der Gesellschaft: Die einen liegen über der erforderlichen Mindestproduktivität und arbeiten immer härter; die anderen liegen darunter und arbeiten gar nicht mehr. Dummerweise verschiebt sich diese Grenze immer weiter nach oben.“

Hollywood-Filme über den Kampf menschartiger Roboter gegen die Menschheit mögen zwar Kassenschlager sein, gehen aber an der Realität vorbei: „Was wir verdrängen ist die Tatsache,“ so Rieck, „dass im Arbeitsleben zwar meist eine speziell ausgeprägte Intelligenz und spezialisiertes Wissen nötig ist, jedoch kein Bewusstsein.“

Rieck fügt hinzu: „Ich bestreite nicht, dass es Firmengründer, Gestalter, Visionäre, Kreative und andere Personen gibt, die auch in den kommenden 100 Jahren vor künstlicher Intelligenz sicher sein dürften. Aber das sind Ausnahmepersönlichkeiten. Für den großen Rest gilt: Die überwiegende Zahl der Tätigkeiten ist gar nicht so großartig, dass man dafür ein Genie sein muss.“ In der Monopolisierung künstlicher Intelligenzen sieht Rieck die eigentliche Gefahr. „Das Problem ist nicht, dass die Menschen in der Produktion nicht mehr gebraucht werden; das Problem ist, dass unsere Art, Einkommen zu verteilen, davon ausgeht, dass man Menschen in der Produktion braucht.“

Rieck schlägt im dritten Teil seines Buches „eine Neukonstruktion des Geldes vor, die das Problem lösen kann, dass Menschen keinen Platz mehr in der Erwerbsarbeit haben werden.“ Deshalb gehe es in dem zweiten Teil darum, „wie Geld funktioniert und wie man es konstruiert.“

Der Leser braucht nicht zu befürchten, dass Rieck in diesem Kapitel trocken in die Geldtheorie einführt. Die Essenz der Ideen, die sonst ganze Bücher füllen, vermittelt Rieck einfach in wenigen Absätzen. Zum Beispiel Mindestreservebanking (nachdem er bereits „Vollgeld“ erklärt hat): „Die Fluggesellschaft hat Ihnen zwar ein Ticket ausgestellt, auf dem steht, dass Sie Eigentümer eines Platzes sind, aber sie hat das heimlich mit mehr Fluggästen gemacht als sie Plätze hat. Sie tut das, weil sie ziemlich sicher ist, dass einige Passagiere nicht kommen werden. Im Geldwesen gibt es diese Vorgehensweisen auch und heißt dort Mindestreservebanking. Dort kann es durchaus sein, dass Sie jemandem Ihr Geld zur Aufbewahrung anvertrauen, er aber nichts Besseres zu tun hat, als dieses Geld ohne Ihr Wissen an jemand anders zu verleihen, wenn es sein muss, auch gleich mehrfach. Das geht, wenn Geldeinlagen nicht als Sondervermögen geführt werden.“

Mit Humor und vielen Beispielen setzt sich Rieck mit den Phänomenen der Inflation und Deflation auseinander und erklärt, warum Deflation das „Schreckgespenst“ der herrschenden Theoretiker ist. Rieck kommt aber zu einer differenzierteren Schlussfolgerung: „Es macht einen ganz erheblichen Unterschied, ob die Deflation Folge einer Geldmengenverknappung ist oder Folge von Produktivitätszuwächsen. Die Abwärtsspirale, die zur Implosion des Geldsystems führt, liegt nicht an der Deflation selbst, sondern an der Besonderheit der Geldschöpfung in dem Mindestreservesystem. Bei Vollgeld wäre Deflation kein Problem.“

„Es darf keinen positiven Nominalzins geben. Andernfalls tritt das Problem der Schuldknechtschaft auf, weil Kreditzinsen mit Basisgeld zurückgezahlt werden müsste, was es nicht gibt“, glaubt der auch als Spieltheoretiker bekannte Rieck. Die Realität kennt weder feste Spielregeln noch unveränderliche oder unsterbliche Spieler. Die Angst vor der „Schuldknechtschaft“ kann man ihm daher nehmen: Kapitalgeber sind nicht nur Gläubiger, sondern selbst auch Konsumenten. Wer gut investiert, holt sich das Geld direkt oder indirekt von den Gläubigern wieder oder lässt Konkurrenten untergehen – so wie Amazon in Deutschland die noch vor zwei Jahrzehnten größten Versandhäuser Europas wie Quelle und Neckermann ausradierte

Es gibt keine festen „Mitgliedschaften“ mehr im Club der Reichen – schon immer gab es hier ein Kommen und Gehen, heute aber mehr noch als je zuvor. In immer schnellerer Folge lösen sich die Millionäre ab. Spektakuläre Selbstmorde nach Insolvenzen sind nur die Spitze des Eisberges: Nicht nur unerfahrene Lottomillionäre, sondern auch Erben versenken oft ihr Vermögen.

Während sich Rieck in den ersten beiden Kapiteln noch auf Literatur stützten kann, beweist er seine Kreativität und seinen Mut im dritten Kapitel. Hier geht es um die „Grundidee des Digni-Geldes: Digni-Geld ist ein leicht handelbares Eigentumsrecht am Kapitalstock einer Volkswirtschaft, das zum gesetzlichen Zahlungsmittel gemacht wurde.“

Rieck sieht Gefahren durch ein „bedingungsloses Grundeinkommen“, wie es von Linken und einigen Superreichen gefordert wird: „Denn Geld zu geben heißt immer, nur Almosen zu geben. Die Verfügungsgewalt und die zukünftigen Wertsteigerungen des Kapitals verbleiben bei dem, der es als erster hat. Wir müssen aber sehen, dass es oft zu einem großen Teil Zufall ist, wer das Rennen macht und in den Genuss des großen Kapitals kommt.“

Durch Digni-Geld würde ein neuer Eigentumstitel an Unternehmen geschaffen. Statt Steuern zu zahlen, übertragen Unternehmen diese Eigentumstitel. Geld wäre immer durch den Wert gedeckt, den das im Unternehmen investierte Kapital reflektiert.

Das Buch von Rieck liefert auf unterhaltsame Art – ohne je unsachlich zu werden – eine Fülle von Denkanstößen, zentrale Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Rieck öffnet dem Leser die Augen dafür, die Chancen eines neuen Geldsystems zu erkennen. Rieck gibt nicht vor, bereits ein perfektes Konzept vorzulegen. So müsste beispielsweise bedacht werden, dass ein durch Produktivkapital gedecktes Geldsystem auch die Frage nach Stimmrechten in Gesellschafter- und Hauptversammlungen zu regeln hätte. Und was ist von der Kapitaldeckung zu halten, wenn zwischenzeitlich das Unternehmen gegenstandslos wird?

Bescheiden spricht Rieck von der „0. Auflage“ seines Buches, das – obwohl nun schon erhältlich – noch auf die erste Auflage warte. Rieck darf schon bei seiner nullten Auflage mit einer breiten Leserschaft rechnen – schließlich sind heute Kryptowährungen wie Bitcoin in aller Munde und haben sehr viele Menschen dazu angeregt, grundsätzlich darüber nachzudenken, was Geld eigentlich ist, nach dem sie täglich streben.

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Zukunftsangst der Beschäftigungslosigkeit

Von Dr. Oliver Everling | 1.März 2018

Ende der 1990er Jahre verkündeten Manager der ersten großen Welle von Internet-Unternehmen unter dem Applaus von manchen Wissenschaftlern, dass für die Menschheit eine neue Ära der „New Economy“ angebrochen sei, die die alten Gesetze der Wirtschaft außer Kraft setzen würde. Der überzogene Glaube an die Heilslehren aus den Computerfirmen mündete im Dot.Com-Bubble und dem anschließenden Platzen der Blase, bei der auch Pioniere wie Amazon Milliarden verloren und ihre Marktkapitalisierungen auf nicht einmal ein Zehntel zurückgestutzt sahen.

Zwei Jahrzehnte später scheint sich die Euphorie zu wiederholen: 2017 gewannen Technologiewerte wie nie zuvor und auch Amazon erstrahlt in ungeahnter Größe. Drohnen und Roboter scheinen nun die Welt zu erorbern. Smartphones sind statt Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen der neue Zugang zu Milliarden Menschen. Dieser Zugang wird von vergleichsweise wenigen Unternehmen beherrscht, wie Alphabet bzw. Google, Amazon, Apple, Facebook usw.

Es liegt im Interesse dieser Konzerne, die revolutionären Errungenschaften ihrer Technologien in den ohnehin von ihnen kontrollierten Medien tagtäglich zu thematisieren und damit den Eindruck zu schüren, Schlüssel für alle Zukunft der Menschheit zu sein. Nicht unbedingt erwünschter Nebeneffekt dieser Art – zwar der Börsenkapitalisierung dienlichen – Propaganda ist es, dass Millionen Menschen nun aber ihre Jobs in Gefahr sehen: Verlage und Redaktionen lösen sich auf, Lastkraftwagen und Taxis brauchen keine Fahrer mehr, Hotels werden durch AirBnB ersetzt, Professoren und Lehrer werden überflüssig, da sie durch Online-Unterricht ersetzt werden usw.

Die Industrialisierung brachte die Weberaufstände, Straßenproteste gegen Dampfmaschinen und später gegen Automobile. Die Stummfilmmusiker wandten sich mit Plakaten an ihr Publikum, um den Tonfilm als „Schund“ zu brandmarken und um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Weber, Kutscher, Heizer auf den Dampfloks, Stummfilmmusiker – sie allesamt können bezeugen, wie neue Technologien ihre Jobs raubten. In keinem Land aber blieben Menschen auf Dauer ohne Beschäftigung, sondern stets fanden sich neue Bedürfnisse und Aufgaben.

Dieses Mal, dank Google, Tesla usw., soll alles anders und die Wirtschaft dauerhaft vor dem Problem gestellt sein, höchst effizient zu produzieren, aber keine Menschen zu beschäftigen und also auch keine Einkommen für die Massen zu schaffen? Robotor produzieren – so die Schreckensvision – unablässig weiter auf Halde, da sich niemand mehr, außer einer kleinen Elite, die Produkte leisten kann?

Wenn auch die möglicherweise schmerzhafen Anpassungsprozesse nicht unterschätzt werden dürfen, so bleibt diese Art von Zukunftsangst letztlich unbegründet. Auch die Idee des „World Wide Web“ bedurfte Jahrzehnte, bis auch nur ein Teil der Visionen Realität wurden, die seine Pioniere schon zu Beginn der Entwicklung hatten. Mithin vollziehen sich Anpassungsprozesse stets und nur in der Mitwirkung von Menschen, die stets zwischen Alternativen wählen, von denen sie sich eine Verbesserung ihres Lebens versprechen.

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Prof. Schumann setzt auf Nachhaltigkeit

Von Dr. Oliver Everling | 28.Februar 2018

Prof. Schumann GmbH zieht Bilanz: Auch im Jahr 2017 ging die positive Entwicklung für das Göttinger Beratungs- und Softwareunternehmen im Bereich Credit Management weiter. Mit stabilen Umsatzzahlen, einer Vielzahl neuer Mitarbeiter und entscheidenden Produktentwicklungen bleibt das Unternehmen auf Wachstumskurs.
„Wir haben einen enormen Fachkräftebedarf“ berichtet die Geschäftsführerin der Prof. Schumann GmbH, Dr. Martina Städtler-Schumann. „Mit der Einstellung von 24 neuen Mitarbeitern haben wir unseren Einstellungs-Rekord des Vorjahres noch einmal gebrochen. Und noch immer sind 12 Positionen unbesetzt, darunter auch zwei Ausbildungsstellen.“ Seinen Mitarbeitern bietet die Prof. Schumann flexible Arbeitszeiten und vielfältige Betriebssportangebote wie z. B. Yoga oder einen Lauftreff. Außerdem gibt es ein umfangreiches internes Fort- und Weiterbildungsprogramm. Allein 2017 wurden 51 interne Weiterbildungsmaßnahmen in Form von Schulungen, Erfahrungsaustauschen oder Planspielen durchgeführt. „Uns ist es wichtig, die individuelle Entwicklung eines jeden Mitarbeiters zu fördern. Dabei sind die Weiterentwicklung und Entfaltung der persönlichen Fähigkeiten und Talente Grundlage unserer Personalstrategie“, so Städtler-Schumann.
Auch in den Bereichen soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit hat sich die Prof. Schumann GmbH neu aufgestellt. Mit einem Beitritt zur UNO-Organisation „United Nations Global Compact“ unterstützt das Göttinger Unternehmen als Teil einer internationalen Bewegung die zehn Prinzipien gegen die Verletzung von Menschenrechten, Korruption und Diskriminierung. „Wir haben auch unser Handbuch zur Sozialen Unternehmensverantwortung (CSR) überarbeitet. Mit dem Wachstum der letzten Jahre geht eine stärkere Marktposition einher und an dieser Stelle muss man auch seine Verantwortung national und international wahrnehmen“, erklärt Städtler-Schumann.
Vor allem die Innovationskraft des IT-Unternehmens sieht Städtler-Schumann als Motor des Wachstums. „Eine stetige Weiterentwicklung ist für uns nicht nur eine hohle Phrase. Wir haben letztes Jahr viel Zeit und Energie in die Weiterentwicklung unserer Software investiert.“ Mit neuen Modulen können nun Workflows im Credit Management noch individueller automatisiert gesteuert werden. Die neue Prozessunterstützung glänzt mit vielen wichtigen Features wie Regelungen zu Vertretungen, Postkörben und Aufgabenlisten. Außerdem hat die Prof. Schumann GmbH ein neues Produkt gelauncht: Credify.net. Eine Credit Management-Lösung, die on demand online zur Verfügung steht und mit einer starken Standardisierung und einem transparenten Kosten-Modell für kleine und mittelständische Unternehmen den schnellen Einstieg in ein professionelles Credit Management ermöglicht.
„Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind die Basis unseres Erfolgs“, erklärt Städtler-Schumann abschließend. Nur so konnten wir zu einem Marktführer für digitale Credit Management-Lösungen werden.“ Zu den Kunden des Göttinger Unternehmens zählen internationale Industrie- und Handelsunternehmen ebenso wie z. B. große Warenkredit- und Kautionsversicherungen.

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