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Risikofaktoren für die Weltwirtschaft

Von Dr. Oliver Everling | 16.November 2016

Der Welthandel wächst kaum noch und in vielen Ländern gibt es deflatorische Tendenzen. Axel Angermann, Chefvolkswirt der FERI, warnt auf der 29. FERI Herbsttagung mit Blick auf die Perspektiven der Weltwirtschaft vor einer trügerischen Ruhe vor dem nächsten Sturm. Während die Consensus Prognose seit der letzten Herbsttagung 2015 deutlich nach unten korrigiert werden musste, bedurfte die Prognose 2016 der FERI mit Blick auf die USA kaum Anpassung. Auch bei den Prognosen für 2017  bewegen sich offenbar die anderen Forschungsinstitute auf die Prognose der FERI zu.

Angermann skizziert die wichtigsten Risikofaktoren für die Weltwirtschaft. Gleich  mehrfach steht der „Risikofaktor Geldpolitik“ auf seiner Agenda. Angermann spricht über das Dilemma der Fed und den langen Ausstieg aus der Gemdlmengenexpansion, das Dilemma der EZB und die Frage, wohin die Bank of Japan steuere. „Der laufende Aufschwung in den USA ist der schwächste seit 1950″, analysiert Angermann. Das Wachstum bleibe deutlich hinter der Dynamik der Vergangenheit zurück. Weitere Risikofaktoren sieht Angermann in den Schwellenländern, da ihre Erholung die anhaltenden Strukturrisiken überdecke, und auch in China, da die alten Mechanismen zur Krisenbewältigung nicht greifen.

„Tatsächlich wurde das US-Wachstum vom starken Dollar und rückläufigen Begbauinvestitinen belastet“, zeigt Angermann. Die Realeinkommen stagnierten für weite Bevölkerungskreise. Während der Immobilienblase sei die Tatsache durch steigende Immobilienpreise überdeckt worden. Nach dem Platzen der Blase 2007/2008 sei das Zurückbleiben aber sichtbar geworden.

Der Wahlsieg von Trump sei kein Risiko, sondern ein echter Unsicherheitsfaktor, da man aus der Vergangenheit keinerlei Erfahrungswerte heranziehen könne, wie er sich verhalten werde. „Man weiß schlichtweg nicht, was er umsetzen wird“, sieht sich Angermann mit einem erheblichen Unsicherheitsfaktor konfrontiert. Erhöhte Infrastrukturausgaben dürten durch ein höheres Staatsdefizit finanziert werden. Die Steuerreform könnte zur deutlichen Senkung der Unternehmenssteuern führen und moderate Entlastung der Haushalte mit Schwerpunkt auf obere Einkommensschichten bringen. Angermann hält einen deutlichen Handelsprotektionismus unter Trump für möglich: Kündigung bzw. aggressive Neuverhandlung bestehender Handelsverträge, keine neuen Abkommen (mit Ausnahme solcher mit Vorteilen für die USA), sowie potektionistische Maßnahmen gegen einzelne Länder, vor allem gegenüber China. Ferner ist mit einer restriktiven Immigrationspolitik zu rechnen.

Die Kombination aus angebots- und nachfrageorientiertem Impuls für die US-Wirtschaft könnte zwar höheres Wachstum der US-Wirtschaft, höhere Inflation, einen stärkeren Dollar und einen (moderat) postiven Implus für die Weltwirtschaft bringen. Höhere Importpreise, steigende Zinsen, Kapitalabflüsse aus Schwellenländern sowie schwächerer Welthandel (Gegenmaßnahmen anderer Länder auf Prektionismus) wären dagegen dämpfende Faktoren. Angermann hält es für möglich, dass man zunächst einmal einen positiven Impuls sehe, der später kippt und dem gegenwärtig laufenden Aufschwung den Todesstoß versetzen würde.

In China sieht Angermann zwar generell die Fortsetzung des Trends zu niedrigeren Wachstumsraten, insgesamt aber ein stabileres Wachstum von Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz. Die extreme Kreditausweitung und weiter steigende Immobilienpreise seien allerdings klare Risikoindikatoren. Ein Alarmsignal sieht Angermann in der extremen Abweichung des Kreditbestands in Relation zum BIP zum langjährigen Trend. „Die Verschuldung, die wir in China sehen, ist deutlich höher, als wir sie vor der Finanzkrise in den USA gesehen haben“, sieht Angermann. Der genannte Indikator habe 30 % erreicht, den höchsten jemals für ein Land gemessenen Wert.

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