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Schulden bleiben das Kernproblem

Von Dr. Oliver Everling | 25.April 2016

„Auf der Herbstkonferenz 2015 erschien vielen Teilnehmern der Konferenz meine Prognose zu pessimistisch“, führt Axel Angermann, von der FERI Trust GmbH in seinen Vortrag auf der FERI Frühjahrstagung ein. Daher wolle er erst einen Rückblick nehmen und analysieren inwieweit die Prognosen von damals eingetreten seien. Der Blick auf einige Charts zu USA, Euroraum, Japan und Großbritannien zeigt schnell: Seit November gab es keine Aufwärtsrevisionen für die Industrieländer. Es bleibt bei spürbr eingetrübten Wachstumserwartungen für 2016. „Dies gilt insbesondere für die Schwellenländer“, fügt Angermann hinzu.

„Wir erleben derzeit die vierte Phase einer seit 2008 immer noch andauernden globalen Schuldenkrise, deren Schwerpunkt sich in die Schwellenländer verlagert hat“, urteilt Angermann. In der Phase 1 „rettete“ China die Weltwirtschaft (2009 – 2010), da die Nachfrage aus China den Absturz stoppte. Zugleich explodierte aber auch die Staatsverschuldung mit der Folge einer Staatsschuldenkrise im Euroraum (2011 – 2013). Von den USA und dem Euroraum floss Kapital daher nach China und die Emerging Markets.

Phase 3 der Schuldenkrise sah von Mitte 2013 bis Mitte 2015 die Umkehrung der Kapitalströme. Der sinkende Ölpreis machte die Strukturprobleme in den Emerging Markets sichtbar. Seit Mitte 2015 ist die Schuldenkrise durch negative Impulse aus China gekennzeichnet. Abwertung des Yuan, Kapitalflucht und weiter sinkender Ölpreis führt insbesondere in den Emerging Markets zu sich verschärfenden Strukturproblemen. Angermann prangert die anhaltend hohe Verschuldung in Industrie- und Schwellenländern an. Es zeigt sich ein deutlicher Anstieg der privaten Verschuldung in den Schwellenländern seit 2008.

China sieht Angermann perspektivisch immer mehr als Risikofaktor für die Weltwirtschaft. Massive Kapitalabflüsse signalisieren nach seiner Einschätzung Unischerheiten über die wirtschaftliche und politische Stabilität. China verzeichne Fehlallokationen, Überinvestitionen, Probleme mit dem Schattenbankensystem und weitere strukturelle Ungleichgewichte, die den Kapitalabfluss verstärken, mehr Druck auf die Währung ausüben und Gegenmaßnahmen von Regierung und Notenbank erzugen.

Angermann hält einen temporären Erfolg Chinas immer noch für wahrscheinlicher als eine deutliche Abwertung des Yuan (mehr als 15 bis 20 %), so dass es nur zu einer moderaten, kontrollierten Abwertung des Yuan kommt (ca. 5 %) und es bei moderatem Wachstum bleibt. Damit würden aber die Strukturprobleme prolongiert und die Unsicherheiten bleiben. Gelinge China das nicht, wäre eine Finanzkrise mit unabsehbaren Folgen und ein drastischer Wachstumseinbruch möglich mit negativer Rückkopplung auf die Schwellenländer. China setze aber immerhin den Umbau des Wachstumsmodells fort, konstatiert Angermann, denn der Dienstleistungssektor überflügelt inzwischen das Produzierende Gewerbe.

Themen: Länderrating | Kein Kommentar »

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