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Staatliche Unterstützung macht Banker zu Spekulanten

Von Dr. Oliver Everling | 27.März 2014

Eine neue Studie zur “too-big-to-fail”-Thematik widmet sich der schon seit längerem diskutierten Fragestellung, ob Banken, die zu groß sind, um sie scheitern zu lassen, höhere Risiken eingehen – mit einem im Vergleich zu vorhergehenden Untersuchungen leicht modifizierten Design. Darüber berichtet aktuell die DZ BANK in ihrem Research.

Das Ergebnis spricht gegen die vom Staat getragenen Banken: „Eine höhere Wahrscheinlichkeit staatlicher Unterstützung für eine Bank beeinflusst ihre Geschäftspolitik dahingehend, riskantere Geschäfte zu tätigen. Der Effekt ist bei jenen Banken stärker ausgeprägt, die ohnehin schon über ein höheres bzw. schlechteres Risikoprofil verfügen.“

Neu an der Studie sei, dass die Unterstützungswahrscheinlichkeit des Staates anhand des von der Ratingagentur Fitch verwendeten „support rating floor“ gemessen werde, wodurch methodische Probleme vermieden werden, mit denen ältere Studien zum Teil behaftet seien.

„Ein Schwachpunkt der Studie ist unserer Einschätzung nach,“ sagt Jörg Birkmeyer, Financials & Structured Credits aus dem Fixed Income Research der DZ BANK, „sofern wir die Ergebnisse richtig verstanden haben, dass sie nicht angibt, ab welchen Schwellenwerten zum Beispiel hinsichtlich der Größe einer Bank die problematischen Anreizwirkungen zu beobachten sind.“ Damit scheine die „too-big-to-fail“-Problematik recht unvermittelt in der Luft zu schweben.

Ebenso wie die Autoren halten auch Birkmeyer und seine Kollegen die Frage, inwiefern die neuen Regulierungsmaßnahmen, insbesondere im Hinblick auf die „too-big-to-fail“-Problematik, den Zusammenhang zwischen staatlicher Unterstützungswahrscheinlichkeit und dem Risikogehalt geschäftspolitischer Entscheidungen von Kreditinstituten beeinflusst, für einen wichtigen Untersuchungsgegenstand. Zweifel melden die Experten der DZ BANK an, ob die derzeit von offizieller Seite erwogenen Maßnahmen ausreichend sein werden, um die problematische Anreizwirkung auch auf die Risikopolitik der von der Aufsicht oder von Marktakteuren eingeschätzten „too-big-to-fail“-Banken substanziell zu entschärfen. „Viele Beobachter, auch aus dem Kreis der Regulierer selbst, kommen zum Schluss, dass diese Problematik nach wie vor ungelöst ist.“

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