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Stadtwerken geht das Licht aus

Von Dr. Oliver Everling | 15.Oktober 2015

Die Auswirkungen der Energiewende, der steigende Kostendruck im Netzbetrieb sowie höherer Wettbewerb im Vertrieb stellen deutsche Stadtwerke vor erhebliche Herausforderungen. Zwar weisen nach Ansicht von Scope Ratings weiterhin vier von fünf Stadtwerken eine Kreditqualität im Investmentgrade-Bereich auf, dennoch haben sich wesentliche Finanzkennzahlen seit 2010 zum Teil deutlich verschlechtert – dies gilt vor allem für Stadtwerke mit Beteiligung an konventioneller Stromerzeugung.

Die Umsätze der Stadtwerke nahmen seit 2010 im Mittel leicht um 1,8% zu, berichtet Scope. Die operativen Ergebnisse (EBITDA) sind im Mittel um 4,0% gesunken. Die absolute Verschuldung der Stadtwerke hat sich im Mittel um 7,5% erhöht. Der Verschuldungsgrad (Adjustierte Verschuldung/EBITDA) ist signifikant von 2,0x auf 3,4x angestiegen. Die Zinsdeckungsquoten sind weiterhin auf sehr komfortablem Niveau: Im Median liegt die Zinsdeckung (EBITDA fixed charge coverage) bei >7,0x; bei 10% der Versorger jedoch bei <1,3x. Alle diese Fakten sind bei Scope nachzulesen. "Vor allem aufgrund des Rückgangs der operativen Ergebnisse können einige Stadtwerke notwendige Infrastrukturinvestitionen nicht mehr aus dem operativen Cash Flow leisten – und müssen stärker fremdfinanzieren. Gleiches gilt", schreibt die Ratingagentur aus Berlin, "für die weiterhin hohen Ausschüttungen an die Kämmerer, welche zum Teil voll fremdfinanziert werden müssen. Beide Aspekte schwächen die Kreditqualität der Unternehmen aus Ratingsicht„.

Während Stadtwerke bislang aufgrund ihrer Cash Flow Stabilität und Absicherung über kommunale Mehrheitsgesellschafter als Kreditnehmer mit höchster Bonität galten, ist der Finanzierungszugang mittlerweile leicht eingeschränkt. Dies mache die Beschaffung von Fremdkapital deutlich komplexer, so Scope.

An der Stilllegung dauerhaft defizitärer Segmente, Anpassung der Ausschüttungspolitik an die Ertragskraft des Unternehmens und Einschränkung fremdfinanzierter Dividendenausschüttung zur Stärkung der Free Cash Flows, Ausbau dezentraler Erzeugungskapazitäten wie Erneuerbare Energien oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit kurzfristigen Ergebniseffekten, Zusammenschluss oder Kooperationen der derzeit noch über 1000 Stadtwerke in Deutschland wird nach Ansicht von Scope zur Erzeugung von Synergien und Skaleneffekten kaum ein Weg vorbeiführen.

Die 30 von Scope untersuchten Stadtwerke sollen eine repräsentative Auswahl von Stadtwerken darstellen – sowohl in Bezug auf die Größe, den Integrationsgrad zu Erzeugung und Infrastruktursegmenten wie Bäderbetriebe oder Abfallwirtschaft als auch auf die regionale Verteilung. Für die Auswertung wurden die Geschäftsberichte der Jahre 2010 bis 2014 herangezogen. Die Durchschnittsangaben beziehen sich stets auf den Median.

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