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Trader-Kompetenzen

Von Dr. Oliver Everling | 7.November 2016

Im FinanzBuch Verlag kann sich jedermann mit dem Buch „Trader-Kompetenzen“ von Stefan Sillmann und John O’Donnell das notwendige Basiswissen aneignen, um in die Welt des Tradings einzusteigen. Heute ermöglichen es die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien jedermann, sich mit wenigen Klicks auf einem Tradehub einzuloggen, mitzumachen und mitzuverdienen. Wer jedoch ohne Vorwissen an schnellen Reichtum glaubt, kann herbe enttäuscht werden. Daher lohnt sich vor dem ersten Trade die Investition in ein Buch.

„Trading heißt ‚billig kaufen – teuer verkaufen‘. Alles klar, ist verstanden. Die Umsetzung ist leider nicht so einfach,“ warnen die beiden Autoren, beide erfahrene Trader,  „sonst könnte es ja jeder. Tatsächlich hast Du als Trader in jedem Moment eine 50/50 Chance, mit deiner Entscheidung richtigzuliegen. An den Märkten hast Du nur zwei Bewegungen, stärker oder schwächer.“

Wer mit Trading bereits Erfahrung hat, mag über die angebliche 50% Wahrscheinlichkeit hinweg lesen, die die Autoren hier unterstellen, und die damit zum Ausdruck gebrachte, gut gemeinte Warnung verstehen. Wehe aber, man nimmt das wörtlich. Insbesondere solche Politiker, die staatliche Planung an die Stelle des Auf und Ab der Märkte treten lassen wollen, vergleichen die Kapitalmärkte gerne mit einem Spielcasino, als ob an den Märkten nicht mehr passieren würde, als auf Rot oder Schwarz zu setzen wie beim Roulette. Tatsächlich sind aber die Wahrscheinlichkeiten nicht gleichverteilt, sondern von vielen Faktoren und Meinungen beeinflusst, deren Koordination gerade Gegenstand jedes Marktes als ökonomischen Ortes des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage ist.

Mit einer wissenschaftlichen Rechtfertigung des volkswirtschaftlichen Nutzens der täglichen Arbeit von Tradern halten sich die beiden Autoren nicht auf, sondern ist ihnen nach Jahrzehnten ihrer Berufstätigkeit in diesem Feld selbstverständlich. So richtet sich das Buch nicht an die Zweifler, sondern an diejenigen, die vom Nutzen des Tradings überzeugt sind, aber praktische Anleitung suchen. So sind die Autoren mit ihren Lesern auch gleich per „Du“.

In ihrem Buch „… lernst Du nun unser kleines Verfahren kennen, das wir speziell für Trader entwickelt haben. Wir haben es TraderTypenWelt© genannt, weil es ausschließlich für eben diese Trader und solche, die es werden möchten, ausgerichtet ist. Es ist nicht wissenschaftlich unterlegt und basiert hauptsächlich auf eigenen empirischen Studien in unserem Umfeld bei Tradern aller Asset-Klassen.“

Manche Amateure stolpern ins Trading hinein, ohne sich auch nur elementar über ihre eigene Persönlichkeit mit allen Implikationen für Stärken und Schwächen im Handel im Klaren zu sein. „Es gibt immer wieder Menschen, die meinen, an der Börse Geld verdienen zu können, indem sie mit 10.000 Euro ein Depot eröffnen und nun beginnen, mit diesem Geld zu handeln. Man kauft und verkauft auf ‚Teufel komm raus‘ und das auf einer täglichen Basis (Day-Trading). Mit dem Ergebnis, dass nach einem Monat schon die ersten 40 Prozent dieser »Neulinge« wieder verschwunden sind, weil sie ihr ganzes Geld bereits nach kurzer Zeit ‚verbrannt‘ haben. In den nächsten drei Jahren bleiben nur 13 Prozent übrig, die immer noch traden“, schreiben Sillmann und O’Donnell unter Berufung auf Odean et al, Haas School of Business, UCLA: „Do Day Traders Learn About Their Ability?“

Die Autoren machen den Leser mit Blick aufs Trading mit gesicherten Erkenntnissen aus der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsrichtung der Behavioral Finance vertraut: „Wir Menschen haben Angst zu verlieren (wenn es schlecht läuft) oder werden gierig (wenn es gut läuft). Je stärker der emotionale Zustand, desto stärker verändert sich auch die Qualität unserer Wahrnehmung – und damit auch die einhergehende Verarbeitung von Informationen. Auf Deutsch: Der Verstand setzt aus und wir schalten um auf Automatismen.“ Wer als Trader am Computer sitzt und sich von Marktsignalen leiten lässt, benötigt ein hohes Maß an Disziplin, um auf Überraschungen nicht voreilig zu reagieren.

„Beim Handel an der Börse entscheiden sich dann auch viele Trader für die ‚Blue Chips‘. Das liegt meistens nicht daran,“ analysieren Sillmann und O’Donnell, „dass der Trader hier ein besseres Research betrieben hat, sondern vielmehr an der Tatsache, dass eine ‚Deutsche Bank‘ bekannter ist als eine ‚State Street Bank‘. Oder daran, dass Siemens bei uns bekannter ist als Phillips (obgleich Phillips deutlich teurer ist). Sowohl die Deutsche Bank als auch Siemens stehen eben hier weit häufiger im öffentlichen Interesse. Diese Form von Bekanntheitsgrad schafft den Menschen eine Illusion von Sicherheit“, so die Warnung der Experten.

Kernstück des Buches sind sehr brauchbare Trader-Checklisten, die – wie auch ein Glossar – am Ende des Buches noch einmal kompakt zusammengefasst den Trader auf den Handelstag vorbereiten wie einen Piloten auf seinen Flug. „Zu einer persönlichen Tagesvorbereitung gehört mehr, als die Zeitungen oder das Internet durchzuforsten. Wenn die persönliche Haltung am Morgen schon nicht stimmt, wird es verdammt schwer, einen erfolgreichen Handelstag hinzulegen.“

Der Leser braucht nicht zu befürchten, hier nur Tabellen präsentiert zu bekommen. Im Gegenteil: Fast jedes Element der Checklisten wird sorgfältig argumentiert und unterhaltsam mit mancher Anekdote garniert. Wieviel in dem Buch steckt, wird anhand der Gliederung leider nicht deutlich, denn 18 identisch formulierte Überschriften wie Überschrift 11, „Ziehung 11 der Farben Trading-Colors-Game“ erhellen kaum den Inhalt. Die Überschriften dienen nicht dazu, das Buch lediglich als Nachschlagewerk zu nutzen. Eingestreute Notizseiten regen vielmehr dazu an, es von vorne bis hinten durchzuarbeiten.

Wer sich schließlich die von den Autoren zur Benennung ihrer Checklisten gewählten Akronyme MOMA, PREPARE, LAST, RELAX, CLOSE und FORDEC merken kann, der wird sich die Inhalte der sechs Checklisten leichter in Erinnerung rufen und zum praktischen Nutzen einsetzen können.

Themen: Bücher, Rezensionen | Kein Kommentar »

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