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Weniger Konsumentenkredite trotz Niedrigzinsen

Von Dr. Oliver Everling | 8.August 2014

Wie komplex die Analyse von Angebot und Nachfrage an den Kreditmärkten sein kann, zeigen die scheinbaren Widersprüche aus Zentralbankgeldflutung der Finanzmärkte, Niedrigzinsen und zugleich sinkenden Kreditvolumina.

Ende 2013 betrug der Bestand der Konsumentenkredite in Europa 1.061 Milliarden Euro, ein Minus von 0,9 Prozent im Vergleich zu 2012. Auch in Deutschland ist die Summe der ausstehenden Kredite leicht gesunken. Gestiegen ist sie in sieben europäischen Ländern, darunter Großbritannien. Das sind Ergebnisse der Studie „Consumer Credit Market in Europe“ der französischen Crédit Agricole Consumer Finance (CACF) Gruppe, zu der die CreditPlus Bank AG gehört.

Die Studie wurde in 28 europäischen Ländern durchgeführt. Seit 2008 sind die Konsumentenkredite in Europa rückläufig, 2013 hielt dieser Trend weiter an. Eine wesentliche Ursache dafür ist die Arbeitslosigkeit, die innerhalb der EU im gleichen Zeitraum fortlaufend gestiegen ist. In den Ländern Südeuropas einschließlich Frankreich, die von der Wirtschafts- und Eurokrise besonders stark betroffen sind, sank die Summe der ausstehenden Kredite sogar um 7 Prozent. Diese Länder haben mit einer deutlich höheren Arbeitslosigkeit als beispielsweise Deutschland zu kämpfen, kommentiert die CACF. Einen zweiten Grund für den Rückgang der Konsumentenkredite in Europa sieht CACF in der stärkeren Regulierung der Banken bei der Vergabe von Darlehen, vor allem durch das Reformpaket Basel III.

Mit 260 Milliarden Euro ist die Summe aller Konsumentenkredite in Großbritannien europaweit am höchsten. Das entspricht einem Viertel aller ausstehenden Darlehen in Europa. Dahinter folgen Deutschland (223 Milliarden Euro) und Frankreich (146 Milliarden Euro). Das Vereinigte Königreich verzeichnet für 2013 einen Zuwachs von 5 Prozent, während die Kreditbestände in allen anderen großen Wirtschaftsnationen zurückgehen.

In Deutschland nahmen die Kreditbestände um 1 Prozent ab, in Frankreich um 2 Prozent, in Italien um 3 Prozent. Besonders deutlich ist der Rückgang im krisengebeutelten Spanien (minus 8 Prozent). Im Wachstum übertroffen wird Großbritannien nur durch Dänemark, wo das Plus sogar bei 15 Prozent liegt. Ebenfalls gegen den Trend wachsen die Bestände in der Slowakei (+5 Prozent), in Schweden (+4 Prozent), Luxemburg (+3 Prozent), Malta und Litauen (jeweils +1Prozent). In Deutschland sinkt die Pro-Kopf-Verschuldung – in Großbritannien knackt sie die 4.000-Euro-Marke Durchschnittlich am höchsten durch Darlehen verschuldet sind ebenfalls klar die Briten.

Die Pro-Kopf-Verschuldung ist in Großbritannien 2013 leicht gestiegen. Sie beträgt 4.071 Euro und ist so hoch wie seit 2009 nicht mehr. Dahinter folgen Luxemburg (3.721 Euro) und Dänemark (3.301 Euro). In Deutschland sind die Konsumentenkreditbestände pro Kopf von 2.741 Euro im Jahr 2012 auf 2.716 Euro im Jahr 2013 gesunken. Am Ende der Skala liegt wie im Vorjahr Litauen mit 222 Euro.

„Besonders in Südeuropa erscheint vielen Menschen die finanzielle Zukunft zu unsicher, als dass eine Verschuldung für sie in Frage käme“, sagt Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender der CreditPlus Bank. „Ein Wirtschaftsaufschwung ist noch nicht in dem Maße eingetreten, dass Konsumlaune und Kreditbereitschaft in Europa flächendeckend steigen.“ Deutschland stelle mit seiner stabilen Entwicklung einer Ausnahme dar – doch tendierten die Bundesbürger vor allem in Niedrigzinsphasen dazu, ihr Vermögen liquide zu halten und bar auszugeben, weshalb es auch hierzulande trotz guter Konjunktur nicht zu erhöhten Kreditvolumen kommt. „Die aktuellen Aussichten lassen erwarten, dass der Markt in Deutschland auf dem aktuellen Niveau bleibt, sofern der Gesetzgeber bei neuen Regelwerken nicht über das Ziel hinausschießt“, so Wagner.

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