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Wetterfrösche springen in die Bundesbank

Von Dr. Oliver Everling | 9.Oktober 2017

Die Warnung der Bundesbank vor Klimarisiken ist nicht die erste Warnung, schreibt Dr. Ulrich Horstmann im Financials Explorer des BayernLB Research. „Das Thema gewinnt aufsichtsrechtlich an Relevanz. Für die Finanzbranche, die seit Jahren mit einer Vielzahl neuer Regulierungen konfrontiert ist, kommt dieser Schritt zwar nicht überraschend. Mit ihm stellen sich aber grundsätzliche Fragen. Besteht die Gefahr einer Überregulierung? Sind Versicherer (und Banken) nicht in der Lage, erhöhte Risiken durch den Klimawandel und die politischen Handlungsfolgen zu erfassen? Ist der Hinweis aus der Bundesbank zur Sicherung der finanziellen Stabilität notwendig?“

Das Thema ist nicht neu – schon längst haben sich manche Vorstandsmitglieder von Versicherungen zu Wetterfröschen entwickelt. „Jetzt kann auch die Bundesbank zumindest darauf verweisen, dass sie – bislang noch ohne regulatorische Folgen – auf die Herausforderungen durch den Klimawandel öffentlichkeitswirksam hingewiesen hat. Neue Regulierungsvorschriften sind aber“, warnt Horstmann, „nicht ausgeschlossen. Wie bei anderen Regulierungsthemen könnten diese die Selbstregulierungsfähigkeit der Branche allerdings einschränken. Marktwirtschaftliche Preisfindungsprozesse könnten zu weit durch politische Vorgaben und Kontrolle ihres Vollzuges ersetzt werden.“

Angesichts der langjährigen Klimaexpertise vor allem von Rückversicherer wird der Risikohinweis der Bundesbank innerhalb der Branche, vermutet Horstmann, keine nennenswerten Risikoadjustierungen auslösen. Klimakatastrophen (v.a. in ärmeren Regionen) habe es schon immer gegeben. „Sie waren aber häufig bilanziell weniger relevant, da nur in höherentwickelten Regionen der Erde überhaupt ein Versicherungsschutz besteht. Insofern ermöglichen der Aufstieg der Schwellenländer und die steigenden Schäden durch den Klimawandel für die Versicherungsbranche ein höheres Wachstum, das sogar eine profitable Geschäftsausweitung verspricht. Mit jeder neuen Katastrophe – die diesjährige Hurrikansaison wird dies wieder zeigen – sind Versicherer in der Lage, Tarife nach oben anzupassen.“

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