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XR im Finanzmanagement eröffnet eine neue Perspektive
Von Dr. Oliver Everling | 30.August 2026
Der Gebrauch von Extended Reality (XR) im Finanzmanagement eröffnet eine neue Perspektive auf den Umgang mit komplexen Daten. Während Finanzinformationen traditionell in Tabellen, Berichten, Dashboards und zweidimensionalen Diagrammen dargestellt werden, ermöglicht XR, Daten in räumlichen Informationsumgebungen zu betrachten und interaktiv zu erkunden. Der Ansatz von Data2Space steht beispielhaft für diese Entwicklung: Komplexe Finanz- und Unternehmensdaten werden in interaktive dreidimensionale Räume überführt, in denen Beziehungen, Strukturen und Abhängigkeiten sichtbar werden.
Für das Finanzmanagement ist dieser Perspektivwechsel besonders interessant, weil finanzielle Entscheidungen nur selten auf einer einzelnen Kennzahl beruhen. Unternehmensbeteiligungen, Finanzierungen, Cashflows, Risiken, Portfolios, Kreditbeziehungen und Marktinformationen stehen in vielfältigen Wechselwirkungen. In klassischen Darstellungen müssen diese Zusammenhänge häufig aus verschiedenen Tabellen und Berichten zusammengesetzt werden. Eine räumliche Darstellung kann dagegen mehrere Dimensionen gleichzeitig zugänglich machen. Beteiligungsstrukturen lassen sich beispielsweise als Netzwerke darstellen, in denen Unternehmen, Anteilseigner und Beteiligungen miteinander verbunden sind. Dadurch können auch komplexe Eigentums- und Einflussstrukturen leichter nachvollzogen werden.
Ein wichtiger Anwendungsbereich liegt in der Analyse von Unternehmensstrukturen. Bei internationalen Unternehmensgruppen können zahlreiche Tochtergesellschaften, Beteiligungen und Kreuzverflechtungen bestehen. Für Finanzmanager, Analysten und Investoren ist es entscheidend zu verstehen, welche Gesellschaft mit welcher anderen verbunden ist und wo wirtschaftliche Abhängigkeiten entstehen. XR kann hier als zusätzliche Schnittstelle zwischen Daten und menschlicher Wahrnehmung dienen. Der Nutzer betrachtet nicht mehr nur einzelne Datensätze, sondern bewegt sich durch eine Informationslandschaft und kann bestimmte Beziehungen aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen.
Auch im Risikomanagement kann die räumliche Darstellung von Daten einen Mehrwert bieten. Risiken entstehen häufig nicht isoliert, sondern durch Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Unternehmen, Finanzinstrumenten, Märkten und Geschäftspartnern. Ein Kreditrisiko kann beispielsweise mit Eigentumsverhältnissen, Finanzierungsstrukturen und weiteren wirtschaftlichen Beziehungen verbunden sein. Werden solche Beziehungen in einem gemeinsamen Informationsraum dargestellt, können mögliche Konzentrationen und Abhängigkeiten unmittelbarer erkennbar werden. Data2Space nennt unter anderem Kredit- und Risikoanalysen, Due Diligence sowie Fusionen und Übernahmen als mögliche Einsatzfelder für die räumliche Darstellung komplexer Finanzinformationen.
Für das Portfoliomanagement eröffnet XR ebenfalls neue Möglichkeiten. Ein Portfolio besteht nicht lediglich aus einer Liste von Wertpapieren. Hinter den einzelnen Positionen stehen Unternehmen, Branchen, Regionen, Währungen, Lieferketten und zahlreiche weitere Faktoren. Eine immersive Informationsumgebung kann diese Zusammenhänge miteinander verknüpfen. Der Anwender könnte dadurch nicht nur die Entwicklung einzelner Positionen betrachten, sondern auch die Beziehungen innerhalb des gesamten Portfolios untersuchen. Besonders interessant wird dies, wenn verschiedene Datenquellen zusammengeführt werden und dadurch eine gemeinsame Sicht auf finanzielle und nichtfinanzielle Informationen entsteht. Data2Space beschreibt hierfür die Verbindung von Daten aus Geschäftssystemen, Datenbanken, Wissensgraphen, digitalen Zwillingen, KI-Systemen und Tabellen.
Ein weiterer Vorteil von XR liegt in der Zusammenarbeit. Finanzentscheidungen werden häufig von Teams getroffen, deren Mitglieder unterschiedliche fachliche Perspektiven einbringen. In einem gemeinsamen digitalen Raum können mehrere Personen dieselben Informationen untersuchen, auf bestimmte Zusammenhänge zeigen, Szenarien diskutieren und gemeinsam Entscheidungen vorbereiten. Data2Space versteht die räumliche Informationsumgebung deshalb nicht nur als Visualisierungswerkzeug, sondern auch als kollaborative Arbeitsumgebung, die über Desktop, Web und immersive XR-Geräte zugänglich sein kann.
Auch die Kommunikation von Finanzinformationen könnte sich dadurch verändern. Eine klassische Präsentation folgt meist einer linearen Struktur: Eine Folie folgt auf die nächste, während der Präsentierende die Zusammenhänge erläutert. In einer immersiven Umgebung kann dagegen ein gemeinsamer Informationsraum entstehen, den Präsentierende und Teilnehmer selbst erkunden. Für Investitionsstrategien, Portfolios, Unternehmensstrukturen, Finanzprodukte oder Marktentwicklungen bedeutet dies, dass Informationen nicht nur nacheinander gezeigt, sondern miteinander verbunden dargestellt werden können. Der Nutzer wird vom passiven Betrachter zum aktiven Teilnehmer.
Damit verändert sich auch die Rolle der Datenvisualisierung. Der entscheidende Vorteil von XR liegt nicht darin, Finanzinformationen lediglich dreidimensional darzustellen. Eine dreidimensionale Grafik allein schafft noch keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Relevant wird XR dort, wo räumliche Interaktion dabei hilft, komplexe Beziehungen zu verstehen, Informationen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und gemeinsam mit anderen zu analysieren. Data2Space beschreibt diesen Ansatz deshalb als eine zusätzliche räumliche Ebene für bestehende digitale Informationen und nicht als Ersatz für die vorhandenen Unternehmenssysteme.
Für das Finanzmanagement ergibt sich daraus ein möglicher Wandel von der Datenansicht zur Datenumgebung. Tabellen und Dashboards bleiben wichtige Werkzeuge für die präzise quantitative Analyse. XR kann ihnen eine weitere Ebene hinzufügen, auf der Beziehungen und Strukturen intuitiver erkundet werden können. Besonders bei stark vernetzten Informationen kann dies helfen, aus der Vielzahl einzelner Datenpunkte ein Gesamtbild zu entwickeln.
Gleichzeitig darf der Einsatz von XR nicht mit einer automatischen Verbesserung von Finanzentscheidungen gleichgesetzt werden. Die Qualität der zugrunde liegenden Daten, die verwendeten Modelle und die fachliche Kompetenz der Anwender bleiben entscheidend. Eine eindrucksvolle räumliche Darstellung kann fehlerhafte oder unvollständige Informationen nicht korrigieren. Deshalb liegt die Stärke von XR weniger darin, klassische Finanzanalyse zu ersetzen, als darin, ihre Ergebnisse auf neue Weise zugänglich und nachvollziehbar zu machen.
Perspektivisch könnte sich daraus ein Finanzmanagement entwickeln, in dem Daten nicht mehr ausschließlich auf Bildschirmen betrachtet werden, sondern als interaktive Informationsräume organisiert sind. Künstliche Intelligenz könnte dabei helfen, relevante Beziehungen zu identifizieren, Muster hervorzuheben oder komplexe Informationsräume über natürliche Sprache zugänglich zu machen. Der Mensch bleibt dabei für die Interpretation und Entscheidung verantwortlich.
Der Gebrauch von XR im Finanzmanagement steht damit für einen grundlegenden Wandel in der Mensch-Daten-Interaktion. Aus Tabellen werden Netzwerke, aus Diagrammen räumliche Strukturen und aus Präsentationen interaktive Informationsräume. Für Bereiche wie Risikomanagement, Portfoliosteuerung, Unternehmensanalyse, Due Diligence, Rating und Finanzkommunikation kann dies neue Möglichkeiten eröffnen. Entscheidend wird sein, XR nicht als technologische Spielerei zu betrachten, sondern dort einzusetzen, wo räumliche Interaktion einen tatsächlichen Erkenntnisgewinn gegenüber herkömmlichen Darstellungen bietet. Data2Space verkörpert diesen Ansatz, indem es Finanz- und Unternehmensdaten mit räumlicher Visualisierung, kollaborativer Interaktion und immersiven Technologien verbindet.
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