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Zahlungsverzögerungen mehr Norm als Ausnahme

Von Dr. Oliver Everling | 14.Juli 2017

Für die jüngste Zahlungsstudie im Raum Asien-Pazifik hat der internationale Kreditversicherer Coface 2795 Unternehmen in acht Märkten befragt: Australien, China, Hongkong, Indien, Japan, Singapur, Taiwan und Thailand. Am auffälligsten ist der Anstieg des Nichtzahlungsrisikos in China, gefolgt von Thailand. Verbessert haben sich die Zahlungserfahrungen der Unternehmen in Singapur und Hongkong, Taiwan blieb stabil.

In Australien (14%) und Japan (9%), wo die Anzahl der Verzögerungen am niedrigsten ist, berichteten mehr Unternehmen von extrem langen Überschreitungen der Zahlungsziele und von Summen größer als zwei Prozent des Jahresumsatzes. Die Zwei-Prozent-Marke erachtet Coface nach Erkenntnissen aus der Kreditversicherungspraxis als gefährlich für den Cashflow und die Liquidität. 2016 erlitten in den untersuchten Ländern zusammen mehr Unternehmen Zahlungsverzögerungen in einer Höhe, die mehr als zwei Prozent des Jahresumsatzes ausmachten: 25,8 Prozent nach 24,2 Prozent im Vorjahr. Genauer betrachtet ist die Entwicklung noch schlechter, denn der Anteil der Firmen, bei denen sich die sehr langen Verzögerungen auf zehn oder mehr Prozent des Jahresumsatzes beliefen, stieg von 3,4 Prozent 2014 über 5,1 Prozent 2015 auf 5,4 Prozent 2016.

Die Ergebnisse zeigen auch die Zahlungserfahrungen in Branchen. So stellt Coface fest, dass die Überziehungen in der Hälfte der untersuchten Branchen zunehmen. Am riskantesten sind demnach Bau, Industriemaschinen und Elektronik, IT-Telekommunikation und Metall. Im Bausektor verbuchten 33 Prozent der Unternehmen Zahlungsstörungen mit mehr als zwei Prozent vom Jahresumsatz. Das ist der größte Wert unter allen untersuchten Branchen. Auf der Risikoskala folgt knapp nach der Baubranche der Sektor Industriemaschinen und Elektronik. 32 Prozent der Unternehmen hatten hier extrem lange Verzögerungen. Das Nichtzahlungsrisiko beginnt sich auch in der IT-Telekommunikationsbranche zu erhöhen. Mehr Unternehmen (68 Prozent nach 63 Prozent 2015) berichteten von gestiegenen Zahlungsstörungen.

“2017 dürfte ein weiteres herausforderndes Jahr werden, gespickt mit zunehmenden globalen Unwägbarkeiten, auch in Verbindung mit dem gebremsten Wachstum in China“, erwartet Carlos Casanova, Economist für Asien-Pazifik bei Coface. „Dies wird verstärkt durch die Finanzpolitik der Rohstoff-exportierenden Länder und in den USA. In Anbetracht dieser Rahmenbedingungen bleibt das Zahlungsverhalten in den acht untersuchten asiatischen Ländern voraussichtlich schwach.“

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  • Dr. Oliver Everling

    Dr. Oliver Everling ist Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH in Frankfurt am Main.

    Als Gesellschafter, Beirat, Aufsichtsrat, Independent Non-Executive Director nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen, Mitglied von Ratingkommissionen, Chairman des ISO-TC "Rating Services", Gastprofessor der CUEB in Peking und zum Beispiel als Herausgeber von mehr als 50 Büchern war oder ist er mit Ratingfragen befasst.

    Nach Promotion am Bankseminar der Universität zu Köln war Dr. Oliver Everling Referent des Arbeitskreises Rating der WM Gruppe und ab 1991 Geschäftsführer der Projektgesellschaft Rating mbH sowie von 1993 bis 1998 Abteilungsdirektor und Referatsleiter in der Dresdner Bank.