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ESG und Quality Economy treffen den Zeitgeist

Von Dr. Oliver Everling | 18.Juni 2026

Die bemerkenswerte Resonanz auf das Buch „ESG als Treiber von M&A – Unternehmenskäufe und -zusammenschlüsse erfolgreich managen“ mit mehr als 230.000 Downloads ist kein Zufall. Der Erfolg spiegelt eine Entwicklung wider, die inzwischen tief im institutionellen Kapitalmarkt verankert ist: Nachhaltigkeit wird nicht mehr als ideologisches Zusatzthema verstanden, sondern als integraler Bestandteil von Unternehmensstrategie, Risikomanagement, Bewertung und Wertschöpfung.

Eine aktuelle Untersuchung von Union Investment unter 130 institutionellen Investoren in Deutschland bestätigt genau jene Thesen, die das Buch in seinen zahlreichen Fachbeiträgen behandelt. Danach berücksichtigen heute 85 Prozent der institutionellen Anleger ESG-Kriterien bei ihren Investments. Gleichzeitig sind 68 Prozent überzeugt, dass Nachhaltigkeit langfristig einen hohen ökonomischen Nutzen erzeugt.

Harald Rieger, Leiter des institutionellen Kundengeschäfts bei Union Investment, bringt die Entwicklung auf den Punkt: „Bei den meisten institutionellen Investoren ist Nachhaltigkeit im Investmentprozess fest etabliert. Sie lassen sich durch öffentliche Debatten wenig beeindrucken und konzentrieren sich stattdessen auf die Qualität ihrer Anlagestrategie und den Anlageerfolg.“

Genau diese Verbindung von Nachhaltigkeit und Qualität macht den Kern des Erfolgs des Buches aus. Die Autoren betrachten ESG nicht als regulatorische Pflichtübung, sondern als Instrument zur Verbesserung der Entscheidungsqualität im gesamten M&A-Prozess – von der Due Diligence über die Unternehmensbewertung bis zur Integration nach der Transaktion.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Investoren Nachhaltigkeit keineswegs als Gegensatz zu wirtschaftlichem Erfolg betrachten. Vielmehr sehen die meisten Anleger nachhaltige und konventionelle Anlagen hinsichtlich Rendite und Risiko auf vergleichbarem Niveau. Für 40 Prozent besitzt Nachhaltigkeit sogar eine hohe Bedeutung für das Risikomanagement ihrer Kapitalanlagen.

Rieger betont daher ausdrücklich: „Nachhaltigkeit bleibt bei institutionellen Investoren in der Breite etabliert. Die nachhaltige Kapitalanlage ist jedoch kein Selbstzweck, sondern muss auch ökonomisch sinnvoll sein.“

Damit wird ein Gedanke bestätigt, der weit über ESG hinausreicht und unmittelbar zur Bedeutung des Buches Quality Economy führt.

Während ESG die ökologischen, sozialen und Governance-bezogenen Aspekte wirtschaftlichen Handelns strukturiert erfasst, geht die Idee der Quality Economy einen Schritt weiter. Sie fragt nach der Qualität wirtschaftlicher Entscheidungen insgesamt. Qualität bedeutet dabei nicht nur Produktqualität. Sie umfasst die Qualität von Managemententscheidungen, Unternehmensführung, Risikobewertung, Transparenz, Daten, Prozessen, Ratings und langfristiger Wertschöpfung.

Die Ergebnisse der Investorenbefragung zeigen, dass genau diese Qualitätsdimensionen heute über den Erfolg von Kapitalanlagen entscheiden. Nachhaltigkeit wird von den Investoren nicht deshalb berücksichtigt, weil sie politisch gefordert wird, sondern weil sie als Qualitätsmerkmal wirtschaftlicher Entscheidungen verstanden wird.

Besonders deutlich wird dies an der Kritik der Investoren an der Regulierung. 92 Prozent fordern eine praktikablere ESG-Regulierung. Gleichzeitig geben 60 Prozent an, bereits über gute oder sehr gute Kenntnisse nachhaltiger Kapitalanlagen zu verfügen. Die Investoren wünschen sich also nicht weniger Nachhaltigkeit, sondern bessere Qualität in der Umsetzung.

Auch hierzu liefert die Studie eine bemerkenswerte Aussage. Laut Rieger sehen institutionelle Anleger Nachhaltigkeit inzwischen als „integrales Instrument ihres Investmentprozesses und Risikomanagements“. Genau diese Integration verschiedener Qualitätsdimensionen steht im Zentrum der Quality Economy.

Die Studie zeigt zudem eine hohe Realitätsnähe der Investoren. So glauben 91 Prozent nicht daran, dass die Pariser Klimaziele in ihrer heutigen Form erreicht werden können. Gleichzeitig halten 87 Prozent an nachhaltigen Anlagestrategien fest. Diese Kombination aus Ambition und Pragmatismus ist charakteristisch für eine Qualitätsorientierung. Es geht nicht um Symbolpolitik oder reine Absichtserklärungen, sondern um wirksame Verfahren zur Steuerung von Risiken und Chancen.

Auch die Diskussion um Künstliche Intelligenz bestätigt diesen Trend. Die große Mehrheit der Investoren erwartet Auswirkungen der KI auf Nachhaltigkeit. Während 56 Prozent positive Effekte sehen, befürchten 44 Prozent steigenden Ressourcenverbrauch und zusätzliche Belastungen für das Klima. Die Debatte wird also nicht ideologisch geführt, sondern entlang von Chancen, Risiken und Qualität der Ergebnisse.

Der Erfolg von „ESG als Treiber von M&A“ beruht letztlich darauf, dass das Werk einen Paradigmenwechsel frühzeitig aufgegriffen hat. Nachhaltigkeit wird darin als Bestandteil langfristiger Wertschöpfung verstanden. Die aktuelle Investorenbefragung bestätigt diese Sichtweise eindrucksvoll. Nachhaltigkeit ist für professionelle Anleger weder Modeerscheinung noch Selbstzweck. Sie ist Teil eines umfassenden Qualitätsverständnisses wirtschaftlicher Entscheidungen.

Genau deshalb gewinnt auch die Idee der Quality Economy an Bedeutung. In einer Zeit wachsender Unsicherheit, komplexer Regulierung, technologischer Umbrüche und steigender Anforderungen an Transparenz wird Qualität zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die mehr als 230.000 Downloads des ESG-Buches zeigen, dass Wirtschaft, Finanzmärkte und Wissenschaft nach Orientierung suchen. Die Quality Economy liefert den übergeordneten Rahmen dafür: Sie verbindet Nachhaltigkeit, Governance, Risiko- und Qualitätsmanagement zu einem gemeinsamen Ziel – der Schaffung langfristiger, belastbarer und verantwortungsvoller Wertschöpfung.

Themen: Nachhaltigkeitsrating | Kommentare deaktiviert für ESG und Quality Economy treffen den Zeitgeist

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