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Vom Zinsgebirge zum Finanzforum der Zukunft: Die Premiere des Immersive Finance Forum
Von Dr. Oliver Everling | 12.August 2026
„Rendite zum Anfassen: die Premiere des Immersive Finance Forum im VR“ – schon die Überschrift des Berichts der altii GmbH bringt auf den Punkt, was das immersive Finance Forum (iFF) am 11. August 2026 erstmals demonstriert hat: Finanzkommunikation muss nicht auf Folien, Tabellen und zweidimensionale Grafiken beschränkt bleiben. Sie kann zu einem Raum werden, den Teilnehmer gemeinsam betreten, erkunden und diskutieren. Die Premiere fand auf der Virtual-Reality-Plattform Arthur statt. Mit Meta Quest 3-Headsets trafen sich die Teilnehmer in einem gemeinsamen virtuellen Raum, um Finanzthemen nicht nur zu betrachten, sondern gewissermaßen von innen zu erleben.
Das iFF ist dem European Finance Forum (EFF) nachempfunden und wird von Christian Salow, altii, gemeinsam mit Dr. Oliver Everling, RATING EVIDENCE, getragen. Damit verbindet sich eine etablierte Idee des Finanzforums mit einer neuen technologischen Form. Wo klassische Finanzveranstaltungen auf persönliche Begegnung, Vorträge und Networking setzen, erweitert das iFF diese Elemente um einen dreidimensionalen, interaktiven Raum.
Die Premiere war bewusst als kleiner, handverlesener Kreis angelegt. Die Teilnehmer sollten die Möglichkeit haben, sich mit der Umgebung vertraut zu machen, die Möglichkeiten der Plattform auszuprobieren und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Der altii-Bericht beschreibt genau diese Nähe als eine besondere Stärke des Abends: „Wer sonst nebeneinander in Stuhlreihen sitzt, stand hier gemeinsam vor denselben Objekten, ging um sie herum und diskutierte auf Augenhöhe.“ Damit verändert sich nicht nur der Veranstaltungsort. Auch die Art, wie ein Finanzthema gemeinsam betrachtet wird, bekommt eine andere Qualität.
Besonders deutlich wurde dies bei den beiden präsentierten Finanzmodellen. Das erste Beispiel war ein dreidimensionales Zinsmodell. Eine klassische Zinsstrukturkurve ist zunächst eine Linie auf einem Diagramm. Im virtuellen Raum wird daraus ein dreidimensionales „Zinsgebirge“. Laufzeiten, zeitliche Entwicklung und Zinshöhe werden zu räumlichen Dimensionen. Die Teilnehmer können sich entlang der Darstellung bewegen und dadurch Veränderungen und Auffälligkeiten nicht nur als Zahlen oder Kurven wahrnehmen. Krisen, Kriege und Anomalien lassen sich anhand der Zinsentwicklung visualisieren. Die räumliche Darstellung wird damit zu einem zusätzlichen Verständnisfaktor.
Gerade hier zeigt sich der Unterschied zwischen einer klassischen Präsentation und immersiver Finanzkommunikation. Eine Grafik wird nicht einfach größer oder schöner dargestellt. Sie wird zu einem Objekt im gemeinsamen Raum. Der Betrachter nimmt nicht mehr ausschließlich eine Perspektive ein, sondern kann sich um das Modell bewegen und unterschiedliche Blickwinkel einnehmen. Aus einer statischen Abbildung wird eine Umgebung, die gemeinsam untersucht werden kann.
Das zweite Beispiel war eine Länder-Kreditrisikoanalyse. Auch hier wurde versucht, eine klassische Form der Finanzinformation in einen räumlichen Zusammenhang zu überführen. Bonitätsurteile über Staaten leben von Vergleich und Kontext. In der virtuellen Umgebung können Länder als Landschaften erscheinen, Ratingstufen als Höhen und Distanzen und Veränderungen als Bewegungen. Eine Information, die normalerweise als Tabelle oder Ratingübersicht erscheint, erhält damit eine räumliche Dimension. Die Länder-Kreditrisikoanalyse wurde von Gerald Kottmann, Alice to Bob, und Christian Spiekermann, WeAre3D, erstellt.
Für das iFF ist diese Verbindung von Finanzanalyse und räumlicher Darstellung besonders naheliegend. Die immersive Darstellung von Kreditrisiken, Zinsentwicklungen und anderen finanzwirtschaftlichen Zusammenhängen könnte daher zu einem wiederkehrenden Element künftiger Veranstaltungen werden.
Gleichzeitig geht das iFF über die reine Visualisierung von Daten hinaus. Ein wesentliches Vorbild ist auch hier das European Finance Forum und dessen Networking-Kultur. In der virtuellen Umgebung von Arthur stehen dafür sogenannte Audiozonen zur Verfügung. Wer eine solche Zone betritt, kann sich in kleiner Runde oder zu zweit austauschen. Der altii-Bericht beschreibt diese Funktion als eine Art digitales Gegenstück zu jener Situation, die man auch von einem physischen Finanzmeeting kennt: Man verlässt die große Runde und geht „in eine Ecke“, um sich in Ruhe zu unterhalten. Damit bleibt ein wesentliches Element des EFF erhalten: das persönliche Gespräch als Bestandteil eines funktionierenden Finanznetzwerks.
Das ist möglicherweise einer der entscheidenden Punkte für die Zukunft immersiver Finanzveranstaltungen. Die Technologie ersetzt das Networking nicht, sondern versucht, dessen räumliche Logik nachzubilden und zugleich zu erweitern. Teilnehmer können sich bewegen, Gruppen bilden, gemeinsam Objekte betrachten und anschließend in kleinere Gesprächsräume wechseln. Die Veranstaltung wird dadurch weniger zu einer Abfolge von Programmpunkten und stärker zu einem gemeinsam genutzten Raum.
Wie produktiv ein solcher Raum sein kann, zeigte ein weiterer Programmpunkt der Premiere. Die Teilnehmer sammelten gemeinsam Ideen für zukünftige Formate auf einem virtuellen Whiteboard. Innerhalb weniger Minuten entstand eine strukturierte Übersicht mit Punkten, bei denen Einigkeit bestand, unterschiedlichen Sichtweisen und einem konkreten Vorschlag für eine Agenda. Der Bericht hebt hervor, dass ein Ergebnis, für das ein klassischer Workshop schnell eine Stunde benötigen könne, hier „fast im Vorbeigehen“ entstand.
Damit deutet sich ein weiterer Anwendungsbereich an: das Zusammenspiel von Impulsvortrag, Diskussion, gemeinsamer Visualisierung und KI-gestützter Moderation. Ein immersives Finance Forum muss sich nicht darauf beschränken, Vorträge in VR zu halten. Die Umgebung selbst kann zum Arbeitsinstrument werden. Teilnehmer können Datenmodelle gemeinsam untersuchen, Ideen räumlich organisieren und Ergebnisse unmittelbar sichtbar machen.
Die Premiere am 11. August 2026 war insofern weniger eine fertige Endstufe als ein praktischer Beweis dafür, was möglich ist. Das Format soll künftig regelmäßig stattfinden, jeweils am zweiten Dienstag im Monat. Auf den Auftakt sollen Sessions mit konkreten Themen und Vorträgen folgen. Damit entsteht aus einer einzelnen Demonstration ein wiederkehrendes Veranstaltungsformat.
Bemerkenswert ist dabei die Verbindung zweier unterschiedlicher Welten. Auf der einen Seite steht das European Finance Forum mit seiner Tradition des persönlichen Austauschs, der Fachvorträge und des Netzwerks. Auf der anderen Seite steht die immersive Technologie, die Daten, Modelle und Begegnungen in einen gemeinsamen dreidimensionalen Raum überführt. Das iFF versucht nicht, die klassische Finanzveranstaltung einfach durch eine VR-Version zu ersetzen. Es testet vielmehr, welche Elemente eines erfolgreichen Finance Forums in einer immersiven Umgebung eine neue Qualität bekommen können.
Der Bericht der altii GmbH fasst die Idee am Ende prägnant zusammen: „Die Premiere hat gezeigt: Finanzkommunikation muss nicht flach bleiben. Manchmal lohnt es sich, mitten hineinzugehen.“ Genau darin liegt der konzeptionelle Kern des Immersive Finance Forum. Die Teilnehmer sollen Finanzthemen nicht nur präsentiert bekommen, sondern sie gemeinsam erleben, räumlich erkunden und aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren.
Aus dem klassischen Finance Forum wird damit kein virtuelles Abbild, sondern ein neuer Veranstaltungsraum. Zinsmodelle können zu Landschaften werden, Länder-Ratings zu räumlichen Vergleichsmodellen, Networking kann über Audiozonen stattfinden und Workshops können gemeinsam in virtuellen Arbeitsumgebungen entstehen. Die Premiere hat gezeigt, dass diese Elemente technisch bereits zusammengeführt werden können. Die kommenden regelmäßigen Treffen werden zeigen, welche Inhalte und Formate daraus dauerhaft entstehen.
Der Titel „Rendite zum Anfassen“ ist deshalb mehr als eine aufmerksamkeitsstarke Überschrift. Er beschreibt einen Perspektivwechsel in der Finanzkommunikation: Daten und Modelle werden nicht länger ausschließlich betrachtet. Sie können zu Objekten werden, die man gemeinsam im Raum erlebt. Die eigentliche Innovation des Immersive Finance Forum liegt damit weniger in der VR-Brille als in der Möglichkeit, Finanzwissen, Begegnung und Kommunikation neu miteinander zu verbinden.
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