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Data2Space geht online: Wenn Finanzdaten vom Bildschirm in den Raum wechseln

Von Dr. Oliver Everling | 16.August 2026

An diesem Wochenende ist mit Data2Space ein neuer Dienst online gegangen, der einen Perspektivwechsel in der Analyse von Finanz- und Unternehmensdaten verspricht: Daten sollen nicht länger ausschließlich auf Tabellen, Dashboards und zweidimensionalen Diagrammen betrachtet werden, sondern als interaktive räumliche Strukturen erfahrbar werden.

Der Ansatz ist einfach formuliert und zugleich weitreichend: „Turn Data into Space“. Data2Space verwandelt komplexe Unternehmens- und Finanzdaten in interaktive 3D-Umgebungen. Damit sollen insbesondere Eigentumsstrukturen, Beteiligungen, Beziehungen und Verflechtungen sichtbar werden, die in klassischen zweidimensionalen Darstellungen nur schwer zu erfassen sind.

Gerade bei komplexen Unternehmensnetzwerken stößt die traditionelle Darstellung schnell an Grenzen. Eine Gesellschaft besitzt Beteiligungen an mehreren Unternehmen, diese wiederum sind an weiteren Gesellschaften beteiligt, daneben bestehen Kreuzbeteiligungen, Tochtergesellschaften, wirtschaftliche Verflechtungen und möglicherweise unterschiedliche Einflussstrukturen. Auf einer Excel-Tabelle oder in einem zweidimensionalen Organigramm lässt sich vieles darstellen. Doch mit wachsender Komplexität steigt auch die kognitive Belastung des Betrachters.

Data2Space setzt hier auf Spatial Computing. Beziehungen werden nicht nur als Linien zwischen Kästen dargestellt, sondern können in einem dreidimensionalen Informationsraum angeordnet und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Dadurch entsteht eine zusätzliche Dimension für die Analyse. Der Raum wird selbst zu einer Form der Informationsstruktur.

Das ist insbesondere für Finance interessant. Finanzinformationen sind häufig relational: Wem gehört ein Unternehmen? Wer kontrolliert eine Gesellschaft? Welche Beteiligungen bestehen mittelbar? Wo konzentrieren sich Risiken? Welche Unternehmen stehen miteinander in Verbindung? Welche Position nimmt ein bestimmter Investor innerhalb eines größeren Netzwerks ein? Solche Fragen lassen sich als Beziehungsnetzwerke verstehen und damit auch räumlich visualisieren.

Data2Space bezeichnet dies als „Immersive Analytics for Finance“. Im Mittelpunkt steht nicht allein die grafische Aufbereitung vorhandener Daten, sondern die Schaffung einer räumlichen Ebene für digitale Informationen. Finanzdaten sollen dadurch gemeinsam erkundet, aus unterschiedlichen Blickwinkeln analysiert und in kollaborativen Umgebungen diskutiert werden können.

Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Analysten. Data2Space beschreibt drei zentrale Anwendungsfelder: „Grasp your Data“, „Explore your Product“ und „Tell your Story“. Im ersten Fall geht es um die gemeinsame Analyse komplexer Finanzdaten und Strukturen. Im zweiten können Finanzprodukte, Investments und Assets in interaktiven 3D-Umgebungen erfahrbar gemacht werden. Im dritten wird die klassische Präsentation durch eine interaktive räumliche Umgebung ersetzt.

Damit eröffnet sich ein interessantes Anwendungsspektrum. Unternehmensanalysen, Beteiligungsstrukturen, Investmentportfolios, Finanzprodukte, Risikoanalysen oder M&A-Szenarien könnten beispielsweise als räumliche Modelle dargestellt werden. Auch für Schulungen und die Vermittlung finanzwirtschaftlicher Modelle bietet die Technologie neue Möglichkeiten. Auf der Website finden sich bereits Beiträge, die unter anderem das IS-LM-Modell und die Arbitrage Pricing Theory aus der Perspektive von Extended Reality betrachten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Kollaboration. Die räumliche Darstellung soll nicht nur von einer einzelnen Person betrachtet werden. Komplexe Daten können gemeinsam in einer interaktiven 3D-Umgebung untersucht werden. Damit wird aus Visualisierung ein potenzielles Arbeitsinstrument: Analysten, Investoren, Berater oder Entscheidungsträger können dieselbe Informationslandschaft betrachten und unmittelbar über Strukturen und Zusammenhänge diskutieren.

Interessant ist auch die Verbindung verschiedener Kompetenzen hinter Data2Space. Das Projekt verbindet Finanzanalyse, Business Intelligence, Softwareentwicklung, immersive Technologien und internationale Zusammenarbeit. Dr. Oliver Everling bringt dabei seine langjährige Erfahrung mit komplexen Finanzstrukturen und Unternehmensbeziehungen ein. Meiming Stolfig unterstützt internationale Kooperation und Business Development, während Christian Spiekermann seine Expertise in Softwarearchitektur, XR und immersiven Anwendungen einbringt.

Data2Space versteht sich damit weniger als eine weitere Variante eines klassischen Dashboards. Der grundlegende Gedanke geht weiter: Wenn die Welt, die analysiert werden soll, aus Beziehungen, Netzwerken und komplexen Strukturen besteht, muss auch die Darstellung nicht zwangsläufig auf Tabellen und zweidimensionale Charts beschränkt bleiben.

Der Start von Data2Space fällt zudem in eine Phase, in der Spatial Computing zunehmend über Unterhaltung und Gaming hinaus in professionelle Anwendungen vordringt. Gerade die Finanzwirtschaft bietet dafür ein besonders interessantes Anwendungsfeld. Finanzmärkte, Unternehmensnetzwerke und Investitionsstrukturen sind abstrakt, informationsintensiv und stark von Beziehungen geprägt. Genau diese Eigenschaften machen sie für räumliche Visualisierung interessant.

Dabei geht es nicht darum, die bewährten Instrumente wie Excel, Datenbanken oder klassische Business-Intelligence-Systeme zu ersetzen. Vielmehr kann eine räumliche Darstellung als zusätzliche analytische Ebene verstanden werden. Die zugrunde liegenden Daten bleiben erhalten; verändert wird die Art und Weise, wie Menschen diese Daten wahrnehmen, erkunden und miteinander diskutieren.

Data2Space formuliert diesen Anspruch als „creating the spatial layer of digital information“. Das könnte sich als der eigentlich interessante Kern des neuen Dienstes erweisen. Denn der nächste Schritt der Digitalisierung besteht möglicherweise nicht darin, immer mehr Informationen auf immer kleineren Bildschirmen unterzubringen, sondern darin, Informationsräume zu schaffen, in denen komplexe Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar werden.

Mit dem heutigen Onlinegang beginnt damit ein neues Kapitel für die Verbindung von Finance und Extended Reality. Data2Space macht aus Daten nicht einfach schönere Bilder. Der Anspruch ist, aus Daten Räume zu machen – und damit eine neue Perspektive auf die Strukturen hinter den Zahlen zu eröffnen.

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