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Wenn die Präsentation zum Raum wird: Data2Space verändert die Kommunikation von Finanzinformationen
Von Dr. Oliver Everling | 17.August 2026
Präsentationen gehören zu den wichtigsten Kommunikationsinstrumenten der Finanzwirtschaft. Investitionsstrategien, Unternehmensstrukturen, Portfolios, Finanzprodukte und Marktentwicklungen werden seit Jahrzehnten mit Folien erklärt. Doch gerade bei komplexen Themen stößt das klassische Folienprinzip an Grenzen: Eine Folie folgt auf die nächste, Informationen werden voneinander getrennt und Zusammenhänge müssen durch die Erläuterungen des Präsentierenden wieder hergestellt werden.
Mit Data2Space entsteht ein neuer Ansatz. Informationen werden nicht mehr ausschließlich aufeinanderfolgend präsentiert, sondern können in einem interaktiven räumlichen Umfeld angeordnet werden. Data2Space macht aus einer Präsentation einen Raum, den Präsentierende und Teilnehmer gemeinsam erkunden können.
Das ist mehr als eine dreidimensionale Variante von PowerPoint. Die eigentliche Veränderung besteht darin, dass die räumliche Struktur selbst zum Bestandteil der Kommunikation wird. Charts, Finanzdaten, Modelle, Visualisierungen und andere Inhalte können als Elemente einer gemeinsamen Informationsumgebung dargestellt werden. Der Nutzer betrachtet die Informationen damit nicht nur, sondern kann sich innerhalb dieser Informationsstruktur bewegen.
Das eröffnet insbesondere für finanzwirtschaftliche Themen neue Möglichkeiten. Ein Investmentportfolio ist beispielsweise kein linearer Sachverhalt. Es besteht aus verschiedenen Anlageklassen, einzelnen Investments, geografischen Schwerpunkten, Branchen, Risiken und weiteren Beziehungen. Auf einer klassischen Folienpräsentation müssen diese Dimensionen nacheinander erklärt werden. In einem räumlichen Modell können sie gleichzeitig Teil einer gemeinsamen Struktur sein.
Auch Unternehmensstrukturen lassen sich auf diese Weise anders vermitteln. Beteiligungen, Tochtergesellschaften, Eigentümer, Geschäftsbereiche oder Transaktionen können in einer interaktiven Umgebung miteinander verbunden werden. Der Präsentierende kann zunächst das Gesamtbild zeigen und anschließend in einzelne Bereiche hineinzoomen. Eine Frage aus dem Publikum kann unmittelbar zum Anlass genommen werden, einen bestimmten Zusammenhang zu untersuchen.
Damit verändert sich auch die Rolle des Präsentierenden. Bei einer klassischen Präsentation kontrolliert der Präsentierende weitgehend die Reihenfolge der Informationen. Das Publikum folgt einer vorgegebenen Dramaturgie. In einer immersiven Präsentation wird der Präsentierende stärker zum Führer durch einen Informationsraum. Er kann einen vorgesehenen Weg verfolgen, aber ebenso auf Fragen reagieren und spontan andere Bereiche des Modells aufrufen.
Noch wichtiger ist die Veränderung der Rolle des Publikums. Die Teilnehmer sind nicht mehr ausschließlich Zuschauer. Sie können Informationen selbst untersuchen, Visualisierungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und Details erkunden. Damit wird aus einer Präsentation eine interaktive Erfahrung.
Gerade für die Finanzwirtschaft ist dieser Unterschied relevant. Finanzielle Sachverhalte sind häufig abstrakt und relational. Der Wert eines Investments hängt von anderen Faktoren ab, Risiken stehen in Beziehung zu Portfolios, Unternehmen sind über Beteiligungen miteinander verbunden und Finanzprodukte können aus zahlreichen unterschiedlichen Komponenten bestehen. Eine lineare Präsentation kann solche Zusammenhänge erklären, aber sie kann sie nur begrenzt gleichzeitig erfahrbar machen.
Data2Space versucht, diese Beziehungen in einer gemeinsamen räumlichen Umgebung zu erhalten. Eine Visualisierung muss nicht mehr isoliert auf einer Folie stehen. Sie kann Bestandteil eines größeren Informationsraums sein. Ein Chart, eine Gesellschaft, ein Investment oder ein Vermögenswert kann mit weiteren Informationen verbunden werden, sodass der Kontext nicht mit dem Wechsel zur nächsten Folie verloren geht.
Dadurch entsteht eine neue Form des Storytellings. Die Geschichte einer Investition muss nicht zwangsläufig von Folie 1 bis Folie 20 erzählt werden. Der Präsentierende kann mit dem Gesamtbild beginnen, anschließend ein bestimmtes Investment untersuchen, zu einem Risiko springen, eine geografische Perspektive einnehmen und danach wieder zum Gesamtbild zurückkehren. Die Dramaturgie wird dynamischer und kann sich stärker an den Fragen und Interessen der Teilnehmer orientieren.
Auch für Meetings bietet dieser Ansatz neue Möglichkeiten. Eine immersive Präsentation kann nicht nur über einen einzelnen Bildschirm vermittelt werden. Mehrere Teilnehmer können gemeinsam in einer Informationsumgebung arbeiten. Sie sehen dieselben Daten, können Zusammenhänge untersuchen und über die Bedeutung einzelner Elemente diskutieren.
Damit unterscheidet sich der Ansatz auch vom klassischen Screen Sharing. Beim Screen Sharing sehen mehrere Personen denselben Bildschirm, normalerweise steuert jedoch eine Person die Präsentation. In einer gemeinsamen räumlichen Umgebung kann dagegen die Interaktion mit der Information selbst zum Bestandteil des Meetings werden.
Das macht den Ansatz beispielsweise für Investmentkomitees, Kundenpräsentationen, Workshops, Strategiegespräche und Due-Diligence-Prozesse interessant. Eine Präsentation kann dabei zugleich zur Arbeitsumgebung werden. Fragen führen nicht zwingend zu einer späteren Zusatzanalyse, sondern können unmittelbar innerhalb des Informationsraums untersucht werden.
Auch die räumliche Umgebung selbst kann Teil der Kommunikation sein. Finanzinformationen können mit geografischen, unternehmerischen oder physischen Kontexten verbunden werden. Bei Immobilien etwa lassen sich Gebäude, Standorte, Assets und Finanzinformationen miteinander verbinden. Bei Unternehmen können Beteiligungsstrukturen und Geschäftsbereiche räumlich organisiert werden. Bei Portfolios können Investments nach unterschiedlichen Kriterien angeordnet und gefiltert werden.
Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass immersive Präsentationen nicht zwingend auf spezielle XR-Hardware beschränkt sein müssen. Data2Space verfolgt einen plattformübergreifenden Ansatz, sodass räumliche Informationswelten auch über Desktop und Web zugänglich gemacht werden können. Damit wird Extended Reality nicht zu einer isolierten Spezialanwendung, sondern kann Teil einer regulären digitalen Kommunikationsstrategie werden.
Die Bedeutung dieses Ansatzes liegt deshalb weniger in der spektakulären Wirkung von 3D. Entscheidend ist die Möglichkeit, Informationen anders zu strukturieren. Während klassische Präsentationen vor allem eine zeitliche Dimension besitzen – Folie für Folie –, fügt Data2Space eine räumliche Dimension hinzu. Informationen können nicht nur nacheinander, sondern auch nebeneinander, übereinander und innerhalb von Beziehungen angeordnet werden.
Damit verschiebt sich die Präsentation von einer Abfolge von Inhalten zu einer interaktiven Informationslandschaft. Der Präsentierende erzählt nicht mehr nur eine Geschichte über Daten, sondern kann die Teilnehmer durch die Daten selbst führen.
Für die Finanzwirtschaft könnte daraus langfristig ein neues Kommunikationsformat entstehen. Investitionsentscheidungen, Unternehmensanalysen, Finanzprodukte und strategische Fragestellungen lassen sich nicht immer sinnvoll auf eine Reihe statischer Folien reduzieren. Wenn die zugrunde liegenden Informationen komplex und miteinander verbunden sind, kann auch ihre Darstellung von einer räumlichen Struktur profitieren.
Data2Space steht damit für einen Wandel vom Präsentieren zum Erkunden. Die Präsentation wird nicht abgeschafft, sondern erweitert. Aus der Folie wird ein Objekt, aus der Präsentation ein Raum, aus dem Zuschauer ein Teilnehmer und aus der einmaligen Darstellung eine interaktive Umgebung für Kommunikation und Entscheidungsfindung.
Die entscheidende Frage lautet damit nicht mehr nur: Welche Folie soll als Nächstes gezeigt werden? Sie lautet: Welchen Teil des Informationsraums wollen wir als Nächstes gemeinsam erkunden?
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