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Achillesverse Aktivaqualität

Von Karl-Heinz Goedeckemeyer | 21.Juni 2013

Trotz der Tatsache, dass der Eigenkapitalaufbau weiter voranschreitet, entweder durch die Emission neuer Aktien wie zuletzt bei zwei deutschen Großbanken, oder durch den Abbau entsprechender Risikoaktiva, bleibt die nachlassende Aktivaqualität vor allem im südeuropäischen Bankensektor die Achillesverse.  Laut einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) liegt die NPL-Quote in Spanien bei knapp über 10%, in Italien beträgt die Ratio rund 13%, in Portugal sind es knapp unter 10%. Auch wenn angesichts unterschiedlicher Definitionen die Werte nur bedingt vergleichbar sind, stellt dies aus unserer Sicht den wichtigsten Risikofaktor dar.

Hinzu kommen oftmals geringe Deckungsquoten, d.h. nur für einen geringer Anteil der Problemkredite wurden bereits Rückstellungen gebildet. Bei italienischen Volksbanken liegt diese Deckungsquote bei etwa 30% und damit unter den Werten der Großbanken.  Vor die weitere Entwicklung der Aktivaqualität dürfte es von Bedeutung sein, inwieweit es gelingt, einer Verschlechterung der Aktivaqualität entgegenzuwirken. So war bspw. in Spanien die Übertragung der toxischen Aktiva auf die Bad Bank bislang kein richtiger Befreiungsschlag, was die nahezu unveränderten  NPL-Quoten zeigen. Deshalb habe die spanische Zentralbank auch jüngst weitere Rückstellungen angemahnt hat, heißt es bei der LBBW.

Bislang verlaufe der Abbau der Bilanzsummen zumeist über eine geringere Kreditvergabe oder dem Verkauf von Assets. Gleichwohl sieht der IWF, der hierzu mehrere Szenarien entworfen hat, und die Entwicklung in der EU-Peripherie kontrolliert, drohe keine Gefahr für eine weitere Eskalation der Eurokrise. Allerdings seien besonders in der EU-Peripherie die Kreditzinsen an Unternehmen unverändert hoch im Vergleich zu Kerneuropa, und dass trotz der EZB-Lockerungsmaßnahmen. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass erst mit einem Anspringen der Konjunktur die Institute das Kreditrisiko geringer einschätzen und somit gewillt sein dürften, mehr Kredite zur Verfügung zu stellen.

Ferner nage das Zurückfahren der Geschäftsvolumina und der Aufbau höherer Rückstellungen zur Risikovorsorge an der Profitabilität der Banken und damit am weiteren Aufbau von Eigenkapital. Zwar hätten die Institute in der Breite stetig Erfolge verzeichnen können. Aber angesichts der strikteren Kapitalvorgaben gemäß Basel III sowie der zahlreichen Kapitalpuffer, die on top Europas nationale Regulierer bei Bedarf den Banken auferlegen können (Stichwort „systemischer Risikopuffer“) sowie der Vorgabe der Investoren, mehr als die Mindestziele zu erfüllen, liege noch ein gutes Stück Arbeit vor den Häusern. Daher dürften die Kostensenkungsbemühungen auch in Zukunft unverändert anhalten, die jüngst von der Commerzbank angekündigten weiteren Einsparungen ist als ein Beleg für diese Erwartung anzusehen.

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