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Agilität als Erfolgsfaktor fürs Banking

Von Dr. Oliver Everling | 7.Juni 2018

Bernd Geilen, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ING-DiBa AG, spricht auf dem 16. Internationalen Retail-Bankentag der Börsen-Zeitung und Diebold Nixdorf in Frankfurt am Main über „Die agile Bank – Agilität als Erfolgsfaktor für das Banking der Zukunft“.

Bei der ING-DiBA habe man sich mehr auf den Kunden als auf sich selbst konzentriert. Nun werde aber mit dem oganisatorischen Umbau ernst gemacht. „Niemand ist vom Wandel ausgenommen“, sagt Geilen. Der Vorstand sitze möglichst jeden Morgen gemeinsam am Tisch, „das spart eine Menge E-Mails“ und mache Spaß.

Geilen zeigt die Änderungen der Mobile Banking Nutzung im internationalen Vergleich zu 2015. 12% in Deutschland, ein Zuwachs von 4%, zeige ein extrem langsames Wachstum. In der Türkei habe man beispielsweise das Desktop-Banking komplett übersprungen, der Anteil liege bei 27% mit einem Wachstum von +12% seit 2015.

Geilen zieht einen Vergleich zu den Niederlanden: Girotel 1986, Postbank online 1997, MiijnPostbank.nl 2004, Mobile Banking App 2011 und Mijn ING 2012 waren wichtige Meilensteine der Entwicklung. Frage man den Kunden, „was wollt ihr?“, erhalte man keine weiterführenden Antworten. Durch Kundenbefragungen erhalte man keine Anleitungen zu strategischen Entwicklungen mehr.

„Wir waren mal eine Telefon- und Briefbank. Der Brief spielt heute überhaupt keine Rolle mehr und das Telefonat – heute zu 90% Servicetelefonate – stagniert.“ Der Kundendialog habe sich extrem verändert. Die Telefonzahlen würden eher nach unten gehen, möglicherweise aber die Callzeiten nach oben.

Wenige, einfache Produkte mit Convenience, Effizienz und Vertrauen sind die Eckpunkte der Strategie auf digitaler Grundlage. „Digitales Banking geht bei den kleinen Dingen los“, berichtet Geilen und fragt, welche Schritte der Kunde selbst übernehmen will. Die Führung des Kunden sei auf einem kleinen Bildschirm wie dem des Smartphones eine komplett andere als auf dem PC. Darauf müsse sich die Bank einstellen.

Der größte Unterschied durch die neue Organisation ergebe sich heute aus dem Bereich Delivery. Agilität bedeute die Addition von Methoden und Mindset. Der Tribe Lead sei für ein Thema verantwortlich. Unter ihm gebe es Squads, jeweils sechs bis zehn Leute, die Hälfte ITler.

Die Squads übernehmen Themen wie Baufinanzierung und kennen keinen Leader oder Manager, sondern organisieren sich selber. Regelmäßig müssen diese dann berichten, z.B. alle drei Monate. Das Middle-Management werde weitgehend herausgeschnitten. Der Tribe Lead entscheide, wieviele Squads aufgesetzt würden.

„Wir machen das komplett ohne externe Begleitung. Interne Kollegen, natürlich auch aus Amsterdam und anderen Ländern, die das schon komplett umgesetzt haben“, sagt Geilen. Die Betriebsräte hätten sich sehr kooperativ gezeigt. Schnellere und effizientere Umsetzung seien die Konsequenz. „Wir sind die erste deutsche Bank, die das wirklich umsetzt. Dass wir die komplette Organisation auf diese Idee umstellen, ist ein riesen Schiff.“

Es gehe nicht bloß um einzelne Apps. Weniger das Kreditrisiko, aber das Ertragsrisiko sei das größte Risiko. Es gehe um die Frage, ob Banken noch relevant bleiben. Der „Orange Code“ der ING-DiBa sei die Grundlage der „ersten agilen Bank Deutschlands“.

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  • Dr. Oliver Everling

    Dr. Oliver Everling ist Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH in Frankfurt am Main.

    Als Gesellschafter, Beirat, Aufsichtsrat, Independent Non-Executive Director nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen, Mitglied von Ratingkommissionen, Chairman des ISO-TC "Rating Services", Gastprofessor der CUEB in Peking und zum Beispiel als Herausgeber von mehr als 50 Büchern war oder ist er mit Ratingfragen befasst.

    Nach Promotion am Bankseminar der Universität zu Köln war Dr. Oliver Everling Referent des Arbeitskreises Rating der WM Gruppe und ab 1991 Geschäftsführer der Projektgesellschaft Rating mbH sowie von 1993 bis 1998 Abteilungsdirektor und Referatsleiter in der Dresdner Bank.