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Ähnlichkeiten Japan/USA nach 15 Jahren

Von Dr. Oliver Everling | 6.Februar 2011

„Die USA in den Fußstapfen Japans?“ Diesem Thema widmet sich Stefan Schilbe, Chefvolkswirt, HSBC Deutschland, als Referent auf der Handelsblatt Konferenz „Kapitalmarktforum 2011″. Die amerikanische Notenbank war zwar ebenfalls expansiv wie die japanische Notenbank, aber auch hier funktionierte der Transmissionsmechanismus nicht reibungslos.

Das Deleveraging des privaten Sektors in Japan „kommt mir bekannt vor“, sagt Schilbe, das zeige sich auch in den USA. Die US-Haushalte hätten vor der Krise die Kreditaufnahme exzessiv genutzt. Den Schuldenberg mit steigender Inflation und steigenden Löhnen zu bewältigen, ist nicht mehr gewährleistet, da noch genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Derzeit sei die Beschäftigung ausgesprochen schwach, Nullzinspolitik, Fiskalpolitik mit einem Paket 800 Mrd. US $ 2009 und einem weiteren Paket 2010. Die Volkswirtschaft könne in eine ausgesprochene Schwächephase zurückfallen. Schiebt man den Diskontsatz von Japan um 15 Jahre nach vorne, zeigt sich ein erstaunlicher Gleichlauf mit den Fed Funds in den USA. Die Inflationsrate sei bereits auf dem tiefsten Stand seit Erhebung der Zeitreihe.

Der Unterschied zu Japan ist, wie schnell die Fed im Vergleich zu Japan quantitativ geworden sei. Die Fed habe wesentlich schneller Staatspapiere aufgekauft als die japanische Notenbank. Das Risiko einer Deflation sei nicht vernachlässigbar, warnt Schilbe. Auch hierzu zeigt Schilbe auf den Gleichlauf in den USA und in Japan, wiederum um 15 Jahre verschoben. „Ich glaube nicht, dass Inflation in den Vereinigten Staaten bereits ein großes Thema sein wird.“

Der Rentenmarkt profitiere davon. Mit Blick auf die Basel III Regularien, nach denen für das Halten von Staatsanleihen kein Eigenkapital vorzuhalten sei, seien Staatsanleihen für Banken nach wie vor attraktiv.

Die Japaner seien im Unterschied zu den USA aber eine Gläubigernation. Hier seien die USA praktisch ein Spiegelbild zu Japan, wenn man den prozentualen Leistungsbilanzsaldo im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrachte. Die Chinesen würden kein Interesse haben, ihre Anleihen zu verkaufen, um nicht ihre Reserven selbst zu entwerten. „Die USA sind sicherlich in der Situation, Vorteile mit einer aktiveren Geldpolitik zu haben“, außerdem haben die USA ein Bevölkerungswachstum von 1 %, während Japan mit 0,75 % schrumpfe.

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  • Dr. Oliver Everling

    Dr. Oliver Everling ist Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH in Frankfurt am Main.

    Als Gesellschafter, Beirat, Aufsichtsrat, Independent Non-Executive Director nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen, Mitglied von Ratingkommissionen, Chairman des ISO-TC "Rating Services", Gastprofessor der CUEB in Peking und zum Beispiel als Herausgeber von mehr als 50 Büchern war oder ist er mit Ratingfragen befasst.

    Nach Promotion am Bankseminar der Universität zu Köln war Dr. Oliver Everling Referent des Arbeitskreises Rating der WM Gruppe und ab 1991 Geschäftsführer der Projektgesellschaft Rating mbH sowie von 1993 bis 1998 Abteilungsdirektor und Referatsleiter in der Dresdner Bank.