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Aufbrechen der Eurozone eingepreist

Von Dr. Oliver Everling | 19.Juni 2012

„Spanien ist bei Moody’s nur noch einen Notch von Junk entfernt“, sagt Georg Schuh, CEFA, CIO und Mitglied der Geschäftsführung der Deutsche Asset Management Investmentgesellschaft mbH. Schuh sprach auf dem DVFA Asset Management Forum in Frankfurt am Main. Frank Klein von DB Advisors und Mitglied des Vorstands des DVFA e.V. führte Schuh mit der Anmerkung ein, dass sich „leider“ die im letzten Jahr von Schuh projezierten Szenarien realisiert und seine Prognosen als korrekt erwiesen haben.

Das Aufbruchszenario, dass Griechenland aus dem Euro aussteigen werde, sei heute noch deutlich eingepreist als zuvor. Insbesondere der extreme Rückgang der Staatsanleihenrenditen in Deutschland mache das deutlich. „Mit einem flexible Euro könne man den Brand und die Funktion des Euro als Reservewährung erhalten. Man würde sehen, die tun was, und Vertragstreue wird ernstgenommen. Man muss es auf den Versuch ankommen lassen, davon auch die Politik zu überzeugen.“

Spanien wie auch Italien würden von einem Ausstieg Griechenlands profitieren, denn es würde die Verunsicherung über den Umgang mit einer solchen Situation vermindern. Besser früher als später solle sich Griechenland verabschieden, fordert Schuh. Jede Lösung, die nicht versucht, unbegrenzte Absicherung zu suchen, helfe in Wahrheit nicht. Deshalb sei Spanien nahe am „Junk“.

Auch Italien sei nur noch drei Notches von S&P’s vom Junk entfernt. Die Regierung bzw. die Person Monti habe die Unterstützung durch die Bevölkerung verloren. „Die für Italien zuständigen Analysten von Moody’s und S&P’s kommen in ihrer Bedeutung noch vor Frau Merkel. Das ist ernst gemeint.“ Das Allerwichtigste in der Politik sei, so die Perspektive des Chief Investment Officers, im Rating Impulse zu setzen. Das einzige, was wirklich schnell helfen würde, wäre, den Ratingpuffer zu erweitern. „Das wäre die einzige Maßnahme, die uns noch viel Zeit geben würde.“

Die Kapitalmärkte fordern zur Beruhigung der KRise nicht nur einen überzeugenden Plan hin zur Fiskalunion, sondern mittlerweile auch eine Bankenunion, was nach Ansicht von Schuh konsequent wäre. Allerdings habe die Bundesbank die EZB-Forderung einer Bankenunion (vor Realisierung der Fiskalunion) klar abgelehnt.

„Wir empfehlen zunächst keine übergewichtete Rositionierung in Aktien/Risiko-Assets. Das Risiko“, so Schuh, „einer weiteren Eskalation der Eurokrise über den Sommer hinweg ist gestiegen, sollte nicht kurzfristig die EZB außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen.“ Das größte Problem sei in Wahrheit ein Anstieg der Corporate Bond Spreads.

So viel wie möglich in Emerging Markets mit einer Liquiditätsreserve in Bundesanleihen, so die Anlagelogik von Schuh. „Die Politiker unterschätzen, wie weit das Szenario eingepreist sei.“ Schuh rechnet vor, dass mehr als jeder zweite Italieninvestor bereits davon ausgeht, dass er sein Geld nicht vollständig zurückerhalten werde. 89 % bei Portugal, 69 % bei Irland und 62 % bei Spanien – dies ergibt sich aus den kumulierten Ausfallwahrscheinlichkeiten von Staatsanleihen. Nur wenn man verstehe, wie weit ein Instrument vom Rating bedroht sei, könne man die Entwicklung richtig einschätzen.

Auch in Griechenland sei die Entwicklung der CDS ein Non-Event. Die Angstmache der Investmentbanken sei übertrieben gewesen, die Kapitalmärkte hätten sich auf ein Aufbruchszenario als Basisszenario bereits eingestellt. Schuh lenkt daher den Blick auf Non-Financial Investment-Grade Corporate Spreads in der Eurozone. Die Kapitalkosten steigen demnach für Unternehmen signifikant an mit einer zunehmenden Divergenz zwischen Peripherie versus Deutschland.

Während vor einem Jahr die Unternehmen noch der Meinung waren, das die Eurokrise eine Angelegenheit der Staaten wäre, schwappe nun die Krise auf die Unternehmen über. „Die Bewegung ist signifikant“, sagt Schuh mit Blick auf den Beginn des Anleihenausverkaufs bei Unternehmen in der Peripherie.

Themen: Anleiherating, Länderrating | Kein Kommentar »

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