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Auswahl von Depotbank und Master-KAG

Von Dr. Oliver Everling | 3.Januar 2011

Externe Ratings, soweit diese überhaupt durchgehend zur Verfügung stehen, stellten und stellen kein Kriterium bei der Auswahl einer Depotbank bzw. eines Global Custodian dar, schreibt Edgar Kresin im Buch von Volker Braunberger, Oliver Everling und Uwe Rieken (Herausgeber): Rating von Depotbank und Master-KAG, Anlegerschutz und Effizienzsteigerung für Investmentfonds, Gabler Verlag – Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, http://www.gabler.de, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8349-2578-7.

Edgar Kresin ist Referatsleiter für den Bereich „Kreditmanagement“ im Ministerium der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt. Hierzu zählen neben der Sicherstellung der Kreditaufnahme des Landes auch die Bereiche Schuldenverwaltung, Liquiditäts- und Assetmanagement. Im Rahmen des Assetmanagements steht Herr Kresin allen Anlageausschüssen der Sondervermögen „Altlastensanierung“, „Pensionsfonds“ und „Versorgungsrücklage“ des Landes Sachsen-Anhalt vor.

„Auch in Zukunft wird ein Rating von Depotbanken oder Kapitalanlagegesellschaften in der Vermögensverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt keine Rolle spielen,“ urteilt Kresin, „da diese Ratings die individuellen Anforderungen eines Dienstleistungssuchenden zum einen nicht widerspiegeln, und somit keinen adäquaten Ersatz für einen detaillierten Auswahlprozess darstellen. Zum anderen handelt es sich bei den hier beleuchteten Dienstleistungen um Aufgaben, die i.d.R. dauerhaft vergeben werden sollen und daher einen eigenständigen Auswahlprozess gegenüber der Ratinganalyse überlegen erscheinen lassen.“

Die Relevanz solcher Ratings externer Agenturen wird daher weniger von den Kunden, als von den Dienstleistern selber gesehen, meint Kresin. Die Ratings – eine hohe Qualität vorausgesetzt – können gegbenenfalls den Dienstleistern selber Aufschlüsse über ihre momentane Wettbewerbsfähigkeit aufzeigen. „Jeder Auftraggeber sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass eine externe Agentur und deren Anforderungen und Einschätzungen nicht die Anforderungen und Einschätzungen von Kunden ersetzen können. Hieran gilt es für Anbieter sowohl von Depotbankdienstleistungen als auch von Fondadministrationsdienstleistungen kontinuierlich zu arbeiten.“

Je heterogener die Kunden und deren Anforderungen sind, desto weniger Aussagewert dürfte eine Einschätzung einer außenstehenden Agentur haben, macht Kresin in seinem Buchbeitrag klar. „Agenturen helfen dadurch Dienstleistungsanbietern bei einer Reflexion hinsichtlich ihres eigenen Angebotes, insbesondere dann wenn wettbewerbliche Verfahren in einem aktuellen Umfeld nicht stattfinden. Dies trifft allerdings bezogen auf Depotbank- und Fondsadministrationsdienstleistungen zurzeit in Deutschland nicht zu.“

Somit dienen qualitative und vergleichende Einschätzungen durch externe Agenturen wohl eher zur Unterstützung des Managements im Kampf um interne Ressourcen und Kapital. Daher nützen Ratings externer Agenturen mittelbar auch deren Kunden, macht Kresin deutlich, da sie die Nachhaltigkeit unterstützen können. „Allerdings können Ratings von komplexen Dienstleistungen, die gegenüber einer heterogenen Kundschaft erbracht werden, das Wesentliche aus den Augen verlieren, die Kundenanforderungen und die Kundenzufriedenheit.“

Themen: Bücher, Depotbankrating, Master-KAG Rating | Kein Kommentar »

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