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Bis Ende 2009 keine Zinssenkung

Von Dr. Oliver Everling | 29.September 2008

„Wenn Sie am heutigen Tag einen Badenden in der Nordsee fragen würden, ob das Wasser zu kalt zum Baden ist, würde er wahrscheinlich antworten, dass man noch baden kann“, leitet am 29. September 2008 Professor Dr. Manfred J. M. Neumann vom Institut für Internationale Wirtschaftspolitik der Universität Bonn seinen Vortrag ein. Neumann sprach zum Thema „Der Vormarsch der Inflation – kann die EZB ihn stoppen?“ beim Nominierungsevent der portfolio institutionell Awards 2009, der Auszeichnung für Investoren in Deutschland, in Frankfurt am Main.

Neumann spielte auf die Aussagen der Fondsmanager an, die zum Teil davon ausgehen, dass institutionelle Investoren von höheren Inflationsraten profitieren könnten. Tatsächlich zeigten auch die zum Event der Zeitschrift vorgestellten Befragungsergebnisse bei institutionellen Investoren – Pensionskassen, Versicherungen, Banken usw. -, dass sich rund ein Drittel von einer Inflation positive Effekt verspricht. Neumann warnt, dass dem Preis wichtige Informationsfunktionen zukommen, die durch Inflation eingeschränkt werden.

Mit seinem Beispiel stellt Neumann in Frage, was unter Inflation zu verstehen ist. Als Preisstabilität werde nach der geldpolitischen Strategie 2003 ein mittelfristiger Anstieg des HVPI von unter, aber nahe 2 % verstanden. Die Prognosen der Europäischen Kommission liegen näher an der tatsächlichen Inflationsrate als die der Europäischen Zentralbank, stellt Neumann in seiner Statistik fest. Neumann analysiert die Statements von Trichet u. a.: Demnach werde es vor Ende 2009 keine Zinssenkungen geben.

„Die Inflationsrate ist zu hoch für eine junge Zentralbank, die von sich selbst behauptet, auf Preisstabilität zu gehen“, unterstreicht Neumann. Auch Trichet habe bereits einmal auf die Frage, wann er denn mit einer Zinssenkung rechne, mit „2010“ geantwortet. Neumann erwartet „keinen vollständigen Absturz“, der durch die Finanzmarktkrise in Europa bewirkt werde. „Wir haben den Tiefpunkt erreicht, ich glaube nicht, dass es wirklich eine tiefe, große Krise geben wird.“ Bisher gebe es noch keine Beweise, dass die Krise über die Subprime-Krise hinausgehe.

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