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Data2Space: Aus Daten werden digitale Welten für Finance

Von Dr. Oliver Everling | 20.August 2026

Die Finanzwirtschaft hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte bei der Erfassung und Verarbeitung von Daten gemacht. Was jedoch weitgehend unverändert geblieben ist, ist die Art, wie Menschen diese Daten wahrnehmen. Selbst hochkomplexe Informationen landen am Ende meist in Tabellen, Diagrammen, Dashboards oder Präsentationen. Data2Space setzt an genau diesem Punkt an und versucht, aus der zunehmenden Datenkomplexität eine neue Form der Interaktion entstehen zu lassen.

Data2Space verbindet Finanzdaten mit räumlicher Visualisierung und Extended Reality. Der zentrale Gedanke besteht darin, Daten nicht lediglich abzubilden, sondern daraus interaktive Informationsräume zu schaffen. Nutzer können solche Räume über unterschiedliche Geräte betreten, Informationen aus verschiedenen Perspektiven betrachten und Beziehungen zwischen einzelnen Elementen untersuchen.

Das klingt zunächst nach einer weiteren Entwicklung der 3D-Visualisierung. Tatsächlich geht der Ansatz jedoch weiter. Bei einer klassischen 3D-Grafik steht häufig das Modell selbst im Vordergrund. Bei Data2Space steht dagegen die Information im Mittelpunkt. Die räumliche Darstellung soll helfen, Daten zu strukturieren, Beziehungen sichtbar zu machen und komplexe Sachverhalte gemeinsam zu untersuchen.

Gerade bei Unternehmens- und Finanzdaten ist dies von Bedeutung. Ein Unternehmen ist kein isoliertes Objekt. Es steht in Beziehungen zu Eigentümern, Tochtergesellschaften, Geschäftspartnern, Investoren, Finanzierern und Märkten. Ein Portfolio besteht nicht lediglich aus einer Liste von Wertpapieren, sondern aus unterschiedlichen Anlageklassen, Risiken, Regionen, Branchen und Abhängigkeiten. Eine Transaktion verändert bestehende Beziehungen und schafft neue.

In einer Tabelle werden solche Beziehungen nur indirekt sichtbar. In einem Organigramm oder Netzwerkdiagramm lassen sie sich zwar darstellen, doch bei zunehmender Komplexität werden zweidimensionale Darstellungen schnell unübersichtlich. Der räumliche Ansatz bietet zusätzliche Möglichkeiten, Informationen zu gruppieren und verschiedene Perspektiven miteinander zu verbinden.

Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass Data2Space nicht nur eine fertige Darstellung liefern will. Die Informationsräume sind interaktiv. Nutzer können navigieren, hinein- und herauszoomen, Filter anwenden, Beziehungen hervorheben und zwischen verschiedenen Detailstufen wechseln. Dadurch wird aus einer Visualisierung ein Werkzeug zur Exploration.

Diese Exploration kann für Analysten einen erheblichen Unterschied machen. Bei der klassischen Analyse wird eine Fragestellung formuliert und anschließend nach den dafür benötigten Daten gesucht. In einem interaktiven Datenraum kann dagegen auch die Struktur selbst zur Quelle neuer Erkenntnisse werden. Ein unerwarteter Zusammenhang, eine ungewöhnliche Konzentration oder eine indirekte Beteiligung kann durch die räumliche Darstellung auffallen, bevor sie gezielt gesucht wurde.

Damit verändert sich das Verhältnis zwischen Mensch und Daten. Der Nutzer betrachtet die Daten nicht mehr nur von außen. Er bewegt sich durch eine Repräsentation der Datenstruktur.

Diese Idee ist besonders interessant für die Analyse von Eigentums- und Einflussstrukturen. Bei komplexen Unternehmensnetzwerken kann die Frage, wer tatsächlich Einfluss auf wen ausübt, schwieriger sein als die Betrachtung einzelner Beteiligungsquoten. Direkte und indirekte Beteiligungen, Tochtergesellschaften und weitere Beziehungen können zu einem komplexen Netzwerk führen.

Ein räumliches Modell kann diese Beziehungen auf unterschiedliche Weise organisieren. Unternehmen können beispielsweise entlang von Eigentumsverhältnissen angeordnet werden, während zusätzliche Dimensionen weitere Merkmale abbilden. Durch Navigation und Filter kann der Nutzer anschließend bestimmte Bereiche des Netzwerks isolieren und untersuchen.

Der gleiche Gedanke lässt sich auf Investmentportfolios übertragen. Statt eine Liste von Investments oder eine Reihe von Tortendiagrammen zu betrachten, kann ein Portfolio als räumliche Landschaft dargestellt werden. Positionen können nach Anlageklasse, Region, Branche, Risiko oder anderen Kriterien organisiert werden. Der Nutzer kann zwischen der Gesamtperspektive und einzelnen Investments wechseln.

Dadurch entsteht eine neue Möglichkeit, Portfoliozusammenhänge zu kommunizieren. Ein Investment erscheint nicht mehr nur als Zeile in einer Tabelle, sondern als Bestandteil eines größeren Systems.

Auch für Finanzprodukte ist dieser Ansatz relevant. Viele Investmentprodukte kombinieren unterschiedliche Komponenten und sind für Kunden schwer intuitiv zu erfassen. Ein räumlicher Informationsraum kann Produktbestandteile, Assets, geografische Informationen, Finanzdaten und narrative Elemente miteinander verbinden.

Der potenzielle Investor wird damit vom Leser eines Prospekts zum Nutzer einer interaktiven Produktwelt. Er kann sich die Informationen in der Reihenfolge erschließen, die für ihn relevant ist. Das kann insbesondere bei erklärungsbedürftigen Produkten einen Unterschied machen.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Präsentationen. Die klassische Präsentation folgt einer linearen Dramaturgie. Data2Space ermöglicht dagegen Präsentationen, bei denen sich der Präsentierende durch einen Informationsraum bewegt und auf Fragen des Publikums unmittelbar reagieren kann.

Ein Teilnehmer möchte einen bestimmten Aspekt des Portfolios verstehen? Der Präsentierende kann direkt in diesen Bereich wechseln. Eine andere Frage betrifft die Eigentümerstruktur? Der entsprechende Teil des Informationsraums kann unmittelbar untersucht werden.

Damit wird die Präsentation weniger zu einer Vorführung vorbereiteter Folien und mehr zu einer gemeinsamen Erkundung von Informationen.

Die Konsequenzen reichen bis zur Zusammenarbeit. Mehrere Personen können dieselbe räumliche Informationsumgebung nutzen und gemeinsam analysieren. Das macht Data2Space für Investmentkomitees, Beratungsprojekte, Due-Diligence-Prozesse und strategische Workshops interessant.

Der entscheidende Punkt ist dabei, dass Zusammenarbeit nicht auf das gemeinsame Betrachten eines Bildschirms reduziert wird. Die Teilnehmer können mit der Information interagieren. Sie können unterschiedliche Perspektiven einnehmen und gleichzeitig auf dieselbe zugrunde liegende Struktur zurückgreifen.

Diese gemeinsame Struktur kann zur Grundlage einer gemeinsamen Entscheidungsfindung werden. Wenn alle Beteiligten dasselbe Modell untersuchen, können Diskussionen stärker auf die Beziehungen und Erkenntnisse innerhalb des Modells konzentriert werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unabhängigkeit von einem einzelnen Gerät. Data2Space ist auf die Nutzung über Desktop, Web und immersive XR-Geräte ausgerichtet. Damit muss der Nutzer nicht zwingend ein Headset besitzen, um auf eine räumliche Informationswelt zuzugreifen.

Das ist für die Verbreitung professioneller Anwendungen entscheidend. Eine Technologie, die ausschließlich auf Spezialhardware funktioniert, bleibt häufig eine Nischenlösung. Wenn dagegen dieselbe Informationswelt über unterschiedliche Endgeräte zugänglich ist, kann sie leichter in bestehende Arbeitsprozesse integriert werden.

XR wird dadurch vom besonderen Erlebnis zur möglichen Benutzeroberfläche für komplexe Informationen.

Der Begriff „immersiv“ bekommt in diesem Zusammenhang eine andere Bedeutung. Immersion muss nicht allein bedeuten, dass ein Nutzer vollständig von einer virtuellen Welt umgeben ist. Auch eine interaktive räumliche Darstellung im Web kann Elemente des räumlichen Erlebens vermitteln. Entscheidend ist, dass der Nutzer nicht nur Informationen betrachtet, sondern mit ihnen interagieren und ihre Beziehungen erkunden kann.

Das eröffnet auch für die Zukunft der Unternehmenskommunikation interessante Perspektiven. Ein Unternehmen könnte seine eigene Struktur als interaktive Informationswelt präsentieren. Ein Asset Manager könnte Portfolios räumlich darstellen. Ein Immobilienunternehmen könnte Investments mit Standort- und Finanzinformationen verbinden. Eine Beratung könnte einen Due-Diligence-Prozess in einem gemeinsamen Datenraum visualisieren.

Damit entsteht ein neues Verständnis von digitaler Präsentation. Die Website muss nicht mehr ausschließlich aus Seiten bestehen, die nacheinander aufgerufen werden. Ein Teil der Information kann als räumliche Umgebung organisiert werden.

Data2Space bewegt sich damit an einer Schnittstelle zwischen Business Intelligence, Financial Technology, Spatial Computing und Extended Reality. Gerade diese Verbindung macht den Ansatz interessant.

Die entscheidende Innovation ist letztlich nicht, dass Finanzdaten dreidimensional dargestellt werden. Entscheidend ist, dass Daten als navigierbare und interaktive Umgebung gedacht werden. Der Nutzer erhält nicht nur Informationen über eine Struktur, sondern kann die Struktur selbst erkunden.

Das könnte die Art verändern, wie komplexe finanzwirtschaftliche Zusammenhänge vermittelt werden. Statt immer mehr Informationen auf immer komplexere Dashboards zu packen, kann ein anderer Weg gewählt werden: Die Informationen werden räumlich organisiert und erhalten damit eine zusätzliche Dimension für Orientierung, Analyse und Kommunikation.

Data2Space steht somit für einen Wechsel vom Datenbild zum Datenraum. Die nächste Generation der Finanzvisualisierung könnte nicht darin bestehen, bessere Charts zu produzieren, sondern Umgebungen zu schaffen, in denen Menschen gemeinsam verstehen können, wie die Daten miteinander verbunden sind.

Aus Daten werden Räume. Aus Räumen werden interaktive Informationswelten. Und aus diesen Informationswelten kann eine neue Grundlage für Analyse, Kommunikation und Entscheidungen entstehen.

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    Seit dem Start des Blogs im Jahr 1998 wurden hier mehr als 5.000 Fachbeiträge veröffentlicht. Die seit 2006 nahezu unveränderte Grundstruktur der Website ist Ausdruck einer bewussten editorischen Entscheidung: Statt einer regelmäßigen gestalterischen Neuausrichtung steht die langfristige Dokumentation im Vordergrund. Dadurch bleibt der zeitgeschichtliche Kontext der Veröffentlichungen erhalten. Die Website fungiert damit nicht nur als umfangreiches digitales Facharchiv, sondern zugleich als Zeugnis der Entwicklung wissenschaftlicher Online-Kommunikation seit den Anfängen des Internets im Finanzbereich.
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