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Deflation willkommen

Von Dr. Oliver Everling | 7.Februar 2011

Das globale Geldsystem ist im Umbruch. Prof. Dr. Thorsten Polleit, Chief German Economist, Barclays Capital, verdeutlicht auf der Handelsblatt Konferenz „Kapitalmarktforum 2011″, wie die Finanzkrise Folge der Konstruktion des Weltfinanzsystems sei. Das Weltwährungssystem sei durch Fiat-Geld gekennzeichnet, nach den Worten von Milton Friedman nicht einlösbares „Papiergeld“, das heute nur noch Bits and Bytes in Computern sei.

Geld wird durch Kreditvergabe produziert, macht Polleit klar. Verpufft der monetäre Impuls, droht die Volkswirtschaft in eine Rezession zu verfallen. Früher habe man Krisen als Bereinigungsprozess begriffen. Heute werde dagegen die Zentralbank gerufen, um den Zins zu senken. Eigentlich nicht rentable Investitionen werden anschlussfinanziert mit sehr niedrigen Zinsen. Es kommt so nicht zu einer volkswirtschaftlichen Korrektur.

Vergleicht man die realen Produktionssteigerungen mit den Geldmengenentwicklungen, so zeigt sich eine charakteristische Eigenschaft des Papiergeldsystems. Das Wachstum der Geldmenge koppelt sich vom realen Wachstum ab. So sei es kaum erstaunlich, dass Politiker Banker dazu auffordern würden, ihre Bilanzen „zurückzustutzen“. Wenn Kredite zurückgezahlt werden, schrumpft die Geldmenge. Diese hat Preisfolgen, das Aufblähen der Preise bildet sich zurück.

Die meisten Ökonomen sähen Deflation schlimmer als Inflation. Tatsächlich verhalte es sich aber umgekehrt: Der Bereinigungsprozess werde durch die übertriebene Ausweitung der Geldmenge behindert. Den Preisdruck leite man nun nach oben. Für den Anleger habe dies Folgen, denn die Preise von Aktien, Immobilien und Anleihen seien betroffen.

„Es ist erschreckend, dass in der öffentlichen Diskussion die Geldsystemfrage keine Rolle spiele“, warnt Polleit. Maßnahmen, die momentan zwar Ruhe schaffen, verschieben das Problem nur in die Zukunft. Der chinesische Notenbankpräsident habe bereits eine Verankerung des Geldes gefordert.

Inflation zerstöre die produktive Kooperation zwischen Bürgern. Inflation sei eine große soziale Hypothek. Deflation sei wie die Inflation eine große Umverteilung, aber eben zugunsten breiter Schichten. Die Deflation erhalte im Unterschied zur Inflation aber das Vertrauen in die Währung.

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  • Dr. Oliver Everling

    Dr. Oliver Everling ist Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH in Frankfurt am Main.

    Als Gesellschafter, Beirat, Aufsichtsrat, Independent Non-Executive Director nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen, Mitglied von Ratingkommissionen, Chairman des ISO-TC "Rating Services", Gastprofessor der CUEB in Peking und zum Beispiel als Herausgeber von mehr als 50 Büchern war oder ist er mit Ratingfragen befasst.

    Nach Promotion am Bankseminar der Universität zu Köln war Dr. Oliver Everling Referent des Arbeitskreises Rating der WM Gruppe und ab 1991 Geschäftsführer der Projektgesellschaft Rating mbH sowie von 1993 bis 1998 Abteilungsdirektor und Referatsleiter in der Dresdner Bank.