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Der Eigentumsskandal

Von Dr. Oliver Everling | 16.November 2018

Das Eigentum gehört in der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 14 Grundgesetz zu den Grundrechten. In der Theorie sind Eigentum, Recht und Freiheit untrennbar und sich gegenseitig bedingend. Politiker und deutsche Staatsmedien werden nicht müde, die Errungenschaften der Demokratie und des Rechtsstaates zu loben.

Dabei ist es in Deutschland mit diesen Rechten rein quantitativ nicht weit her. Eigentum (Lehnübersetzung aus dem lat. proprietas zu proprius „eigen“) bezeichnet die umfassendste Sachherrschaft, welche die Rechtsordnung an einer Sache zulässt. Für die meisten Menschen in Deutschland beschränkt sich eine solche Sachherrschaft auf ihre Kleidung und Unterwäsche: Das Smartphone ist von einem Telekommunikationsdienstleister bereitgestellt, das Klavier im Mietkauf angeschafft, der Fernseher wird abbezahlt, das Auto vom Händler geleast und die Urlaubsreise wird selbstverständlich in Verkehrsmitteln und Hotels angetreten, an deren Eigentum für den Einzelnen gar nicht zu denken ist.

Die Deutschen, die sich gerne in Afrika und sonst in der Welt als Spender und Helfer hervortun wollen, besitzen so wenig wie kaum ein anderes Volk. Nur ein Bruchteil besitzt Aktien, Unternehmensanteile oder sonstige reale Vermögenswerte. Weniger als die Hälfte der Bevölkerung lebt in eigenen vier Wänden, anders als in den meisten anderen Staaten.

Wie es dazu kommen konnte, ist schnell erklärt: Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg so zerstört wie kein anderer Staat. Daher war jede Methode recht, möglichst vielen Bürgern schnell eine Wohnung zu beschaffen, gleich, ob gekauft oder gemietet. Die Spätfolgen dieser Gleichgültigkeit zeigen sich heute: Statt Menschen konsequent mehr Eigentum zu ermöglichen, werden durch Mietpreisbremse und eine Fülle weiterer Maßnahmen immer neue Anreize gesetzt, auf „umfassende Sachherrschaft“, wie sie nur durch Eigentum definiert ist, zu verzichten.

So ist der Bürger in Deutschland zum Objekt sozialistischer Planwirtschaft geworden, ohne dass den zahlreichen regulatorischen Eingriffen des Staates aber ein weiser Plan zugrunde liegen würde. Wer noch an die Weisheit der Politik glaubt, sollte sich mit dem Buch von Jürgen Michael Schick und Josef Grishovich befassen und sich eines Besseren belehren: „Der Eigentumsskandal – Wie die Politik unseren Wohlstand verhindert und was wir dagegen tun können“.

Der Titel hält, was er verspricht: Einerseits wird an vielen Beispielen aufgezeigt, wie in Deutschland durch den Staat eine bessere Wohnungsversorgung verhindert wird, die sich unter marktwirtschaftlichen Bedingungen ergeben würde. Die Autoren lamentieren jedoch nicht und kritisieren nicht bloß, sondern zeigen auch Optionen auf, wie der Leser doch günstiger kaufen als mieten, Wohneigentum als Altersvorsorge nutzen, Verantwortung und Entfaltungsmöglichkeiten mit Wohneigentum zurückgewinnen und mit Wohneigentum glücklich werden kann.

Themen: Bücher, Immobilienrating, Rezensionen | Kein Kommentar »

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  • Die meisten Unternehmen messen ihre Erfolge auch heute noch in Währungseinheiten, in Euro oder Dollar zum Beispiel. Dabei lassen sich die Einflussfaktoren des Erfolgs nicht allein an einer Zahl abbilden. Zur Steuerung von Investitionen reicht es einerseits nicht aus, Investitionen lediglich zu beschreiben, andererseits sind viele Umstände nicht kardinal zu skalieren. Klassifizierungen mit Ratingskalen sind daher eine Methode, mehr Transparenz für praktische Entscheidungen zu schaffen. Seit Ende der 1980er Jahre arbeiten wir daran und deshalb gibt es seit 1998 diesen Blog. RATING EVIDENCE GmbH - Wofür wir stehen: Es ist unser Anspruch, Werte zu schaffen, indem wir den Nutzen von Ratings erschließen.