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Erfolgreich anlegen mit ETFs

Von Dr. Oliver Everling | 10.Oktober 2016

„Ihre einfache regelbasierte Geldanlage mit Exchange Traded Funds“ ist der Untertitel des neuen Buches aus dem FinanzBuch Verlag, „Erfolgreich anlegen mit ETFS“. Wer seine Geldanlage einfach machen möchte und sich dabei auf bewährte Regeln verlassen will, für den ist dieses Buch genau richtig. Dem FinanzBuch Verlag gelingt es mit diesem Titel erneut, ein hochaktuelles Thema den Lesern zu präsentieren. Die Erfolgsgeschichte dieser Fonds ist ungebrochen und erhält sogar weiteren Auftrieb dadurch, dass zahlreiche so genannte FinTechs von ETFs Gebrauch machen, um ihren Kunden das Sparen per Mausklick oder App auf dem Smartphone zu ermöglichen. Robo-Advisor kommen vielfach ohne ETFs gar nicht aus.

Das Buch kommt von einem Schweizer Pionier auf diesem Gebiet des regelbasierten investieren mit ETFs. Wie dieses System funktioniert und was es an Rendite bringt, zeigen fünf erfahrene Experten vom VZ Vermögenszentrum und dem FinTech-Unternehmen Dufour Capital in diesem Ratgeber. Diese Experten arbeiten insbesondere mit Momentum, relativer Stärke und Rebalancing. So sehr die Autoren die starren Annahmen und Modelle der neueren Finanzierungstheorie, die Portfoliotheorie und das Kapitalmarktmodell des CAPM ablehnen, so sehr befürworten sie auf der anderen Seite eine strikt regelgebundene Geldanlage, die deshalb emotionslos einem vorgegebenen System folgt.

Die Autoren halten die Anwendung naturwissenschaftlicher Modelle in der Kapitalanlage für unmöglich und verweisen ausgerechnet auf die Wettervorhersage, die sie für die Errungenschaft loben, bis zu einer Woche im Voraus das künftige Wetter zu erraten. Hier wird offenbar mit zweierlei Maß gemessen, den auf Sicht nur einer Woche liegen auch viele kapitalmarkttheoretische Modelle erstaunlich richtig. Erinnert sei auch an die angeblichen Beweise der Erderwärmung. Die Naturwissenschaftler, die vor wenigen Jahren noch stets steigende Temperaturen vorausgesagt haben, sprechen heute nur noch von Klimawandel, was eigentlich eine Binsenweisheit ist und die Erdgeschichte immer schon kannte.

Eine Ironie der Geschichte der Geldanlage ist es jedenfalls, dass es gerade die Kapitalmarkttheoretiker waren, die Strategien populär gemacht haben, Marktindices zu folgen, denn heute werden solche Strategien auch von Kritikern der Kapitalmarkttheorie propagiert. Sie beziehen ihre Argumente allerdings aus einer neueren Richtung der Finanzierungstheorie, namentlich der Behavioural Finance. Diese beschäftigt sich insbesondere mit dem irrationalen Verhalten von Anlegern. Der Mensch ist nach letzterer Theorie kein homo oeconomicus, dem jedes Wechselbad von Gefühlen fremd wäre. Anleger entscheiden häufig aus dem Bauch heraus, neigen zu einem lockeren Umgang mit Gewinnen, gewichten leicht zugängliche Informationen höher, suchen Bestätigung für ihre Entscheidungen und entwickeln eine emotionale Bindung zu ihren Investitionen. Anleger haben größte Mühe, Verluste zu realisieren, und kaufen lieber dann, wenn auch andere kaufen.

Wissenswertes wird zum Beispiel wie folgt zusammengefasst: „Die meisten Modelle zur Vorhersage von Kursentwicklungen gehen davon aus, dass sich Menschen an den Finanzmärkten rational verhalten. Diese Annahme ist falsch: Das Verhalten der Anleger ist oft unberechenbar. Dieses unberechenbare Verhalten erschwert verlässliche Kursvorhersagen. Alternative Ansätze in der Geldanlage verzichten auf Vorhersagen von Kursentwicklungen. Sie betrachten historische Kursverläufe und stützen sich damit auf Fakten statt auf Prognosen. Kurse verlaufen oft in Trends. Als Anleger kann man sich diese Trends zunutze machen. Erfolgversprechend ist beispielsweise eine Anlagestrategie nach dem Prinzip der relativen Stärke. Sie lässt sich einfach umsetzen und investiert jeweils nur in jene Anlagen mit dem stärksten positiven Trend.“

Die Gratwanderung erscheint allerdings recht schmal zwischen erfolgreicher Momentumstrategie auf der einen Seite und Herdenverhalten auf der anderen Seite, wie es von den Autoren kritisiert wird. „Im Vermeiden von großen Korrekturen liegt ein großes Potenzial,“ argumentieren die Autoren, „eine langfristige Mehrrendite gegenüber dem Markt zu erzielen. Ein regelbasiertes Risiko-Management mit einem gleitenden Durchschnitt eignet sich hervorragend zur Verlustreduktion.“ Der Fokus des Buches liegt auf empirisch belegbaren Anlage erfolgt durch regelbasierte Portfolios. Ein Beispielportfolio hat zwischen 2002 und 2015 eine höhere Rendite erzielt als die Kaufen-und-Halten-Anlage bei gleichzeitig tieferem Risiko (Volatilität) und tieferem maximalem Verlust.

Ein weiteres Kapitel befasst sich auch mit der Perspektive von Unternehmen, die beispielsweise zur Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter investieren müssen. Dem schließt sich ein ausführliches Kapitel zur Beschreibung und Erklärung von Exchange Traded Funds an. „Bei der Investition in ETFs empiehlt sich ein stufenweises Vorgehen. Der Investor sollte“, so der Rat des Buches, „sich zuerst für die Anlageklasse entscheiden, dann für den Index, dann für ETFs.“

Bei gegebener Kürze klammert das Buch keine Fragen aus. Am Ende des Buches erhält der Leser einen Überblick über Fragen und Antworten, die sich typischerweise einen Anleger stellen, der sich mit dem vorgestellten System der Geldanlage befasst. Das Buch ist klar nicht als wissenschaftliches Werk positioniert, sondern empfiehlt sich als Ratgeber für die Praxis:

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Themen: Bücher, ETF-Rating, Rezensionen | Kein Kommentar »

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