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Europa quo vadis?

Von Dr. Oliver Everling | 10.Februar 2014

„Europa quo vadis – wohin entwickelt sich unser Wirtschaftssystem in der Krise?“, fragt Prof. Dr. Dres. h.c. Bertram Schefold vom Institut für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie, an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main in seinem Vortrag beim Eff European Finance Forum e.V.

Schefold nimmt zum Ausgangspunkt die Herausforderung, eine Krise mit einer Komplexität zu analysieren, die nicht bloß mit einer gewöhnlichen konjunkturellen Bewegung erklärt werden könne. „Die Wirtschaft hat nicht wirklich wieder Tritt gefasst. Die Wachstumsraten haben den für eine ernsthafte Rezension typischen Verlauf durchgemacht.“ Die Wirtschaft sei aber nicht eine tiefe Rezension gefallen, aber das reale Bruttoinlandsprodukt in der Europäischen Union zeige die Unsicherheit.

Die Staatsschuldenkrise diskutiert Schefold auch in Deutschland, denn binnen zwanzig Jahren habe sich der Schuldenstand verdoppelt. Die Schulden würden sich insbesondere durch Transferzahlungen aufhäufen. Schefold kommentiert die Entwicklungen in einigen Ländern des Euroraumes, Deutschland und den GIIPS. Bemerkenswert sei hier beispielsweise das hohe BIP/Kopf in Irland einerseits, die hohe Verschuldung andererseits.

Schon seit Ende der 1970er Jahren werden die abnehmenden Wachstumsraten beobachtet und analysiert. Die logarithmisches Regression zeige eine deutliche Reduzierung des jährlichen BIP Wachstums seit 1951. Schefold erinnert an die ständige Geldentwertung in der Historie Europas, gemessen am Silbergehalt der Münzen, die schließlich durch „Fiat Money“ abgelöst wurden. Betrachtet man Inflationsraten seit 1800, zeigt sich außerdem der ständig wachsende Anteil der Länder mit hohen Inflationen.

„Bankenkrisen und Kapitalmobilität hängen zusammen“, berichtet Schefold und zeigt einen Index für die Kapitalmobilität und den Zusammenhang zu den Ländern mit Bankenkrisen. Von Standard & Poor’s zitiert Schefold den CaseShiller Home Price Index Familie, der den amerikanischen Häusermarkt von 1987 bis 2012 beschreibt.

„Die Krisen sind in den einzelnen Phasen unterschiedlich“, reflektiert Schefold und skizziert Präzedenzfälle in der Geschichte vom Pauperismus, der ersten Weltwirtschaftskrise, Gründerkrach, großer Depression, deutscher Hyperinflation, Großer Depression, 2. Weltwirtschaftskrise, Ölkrise, Schwarzer Montag, Dot.Com Krise bis Subprime-Krise.

„Mir scheint, dass die europäische Vision verlorenzugehen droht“, mahnt Schefold. Angefangen beim „karolingischen Europa“ nach Dante zeigt Schefold die Mutation auf, die das Ideal eines vereinten Europas durchmachte. Bis zum heutigen Tage erschwere die Tatsache die Einigung,dass Großbritannien nicht der EFTA beitrat und den Commonwealth verließ.

Schefold zeichnet auch den Weg zum Euro nach, der vom Werner-Plan 1970 über den Europäischen Wechselkursverband bis zum Europäischen Wahrungssystem und dem Euro reicht. „Die Erfahrungen mit den vorangegangen Systemen hatten die Geldpolitik zur Einsicht geführt,“ so Schefold, „dass fixe Wechselkkurse nicht haltbar sind. Aber warum sollte dann eine Währungsunion funktionieren?“

Das „unbequeme Dreieck“ sei zwischen Wechselkursstabilität, Preisstabilität und freiem Kapitalverkehr zu zeichnen. Die Ziele seien nicht gleichzeitig zu erreichen. Da in Europa freier Kapitalverkehr gewährleistet sei und Wechselkursstabilität aufgrund der einheitlichen Währung gegeben sei, müsse es zu Verwerfungen bei der Preisstabilität geben. Man habe zwar eine Konvergenz der Inflationsraten und der Renditen von Staatsanleihen erreicht, aber in der Wirtschaftskrise liefen dann die Spreads wieder auseinander.

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