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Frisieren von Bankbilanzen

Von Dr. Oliver Everling | 20.März 2014

Das Datum der Erteilung des Prüfungstestats, der Wechsel des Wirtschaftsprüfers, wer sind die Wirtschaftsprüfer und welche Beziehungen bestehen zu diesen – alle diese Aspekte können in der Analyse des Risikos von Banken eine Rolle spielen, berichtet, Thomas Kenzik, Senior Credit Analyst der Ratingagentur Capital Intelligence, auf einem Seminar in Istanbul, Türkei.

Morris Helal von Capital Intelligence gibt Einblicke in die Methodologie der Ratingagentur, die Qualität der Aktiva einer Bank zu durchleuchten, und kommt auf die kritischen Themen zu sprechen, wie etwa notleidende Aktiva in der Bilanz einer Bank, die keinen laufenden Zins- oder sonstigen Ertrag abwerfen, aber möglicherweise sogar darüber hinaus noch Geld kosten.

Das Marktrisiko einer Bank umfasst insbesondere auch Positionen in Kontrakten und Finanzinstrumenten. Oft würden Maßstäbe wie Value at Risk (VaR) verwendet, berichtet Helal. „Wir verlassen uns nicht auf VaR Kalkulationen. Aber es ist ein wichtiger Bereich, den wir uns anschauen.“ Für die Kalkulation von VaR gibt es keine einheitlichen Standards, die eine Vergleichbarkeit erzwingen würden.

„Wo versteckt man am besten einen Baum? Im Wald!“ Kenzik kommt auf die Offenlegungspflichten von Banken zu sprechen. „Die Transparenz der Banken hat sich definitiv verbessert“, berichtet Kenzik, der seit Jahrzehnten mit der Analyse von Banken befasst ist, mehr als ein Jahrzehnt auch schon für die 1984 gegründete Ratingagentur Capital Intelligence. Kenzik ist für die von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA registrierte Ratingagentur auf Zypern als Senior Credit Analyst in den USA tätig.

Kenzik erläutert Marktbewertungen, die Bewertungstechniken, vernünftige Näherungswerte und die verschiedenen Methoden, um Risiken zu messen. „Capital Intelligence erwartet die Offenlegung mindestens der 20 größten Engagements einer Bank“, berichtet Kenzik und skizziert die Problematik, die in der Offenlegung für die Banken besteht, denn diese würden oft größten Wert darauf legen, dass die Verbindungen konkurrierenden Banken nicht bekannt würden.

„Den Lesern unserer Reports liefern wir ein zusammenfassenden Urteil“, macht Kenzik die Grenzen klar, die sich aus den Erfordernissen der vertraulichen Behandlung ergeben. Kenzik wirft zudem Licht hinter die Kulissen des „Window Dressings“ und des „Frisierens von Bankbilanzen“, wie es von den Kreditinstituten praktiziert werde. Dazu gehöre das „Evergreening“ von Darlehen, die Hinzunahme von Sicherheiten, um eigentlich notwendige Wertberichtigungen zu verhindern, und laufende oder wiederholte Restrukturierungen.

Kenzik warnt davor, die Schönung von Liquidität und Profitabilität einer Bank zu übersehen. Zum Bilanzstichtag werde traditionell die Liquidität nach oben gefahren, um die Bank liquider erscheinen zu lassen. Verschiebungen zwischen Anlage- und Handelsbuch, Unterlassung von Rückstellungen usw. können der Erfolg höher erscheinen lassen oder auch einfach dazu dienen, das ausgewiesene Ergebnis der Bank zu glätten. „Die Steuerbehörden reden ein Wort mit, wenn eine Bank zu offensichtlich versucht, Gewinne geringer ausfallen zu lassen“, deutet Kenzik die Grenzen der Gewinnverlagerung in Banken an und dämpft die Hoffnung der Banker, mit solchen Maßnahmen auch das Rating zu beeinflussen.

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