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Griechenland: Der Bankenansturm läuft

Von Karl-Heinz Goedeckemeyer | 24.Mai 2011

Nach offiziellen Zahlen der griechischen Zentralbank belegen sind im Zeitraum Januar 2010 bis April 2011 die privaten Geldeinlagen auf griechischen Konten auf 165,5 Mrd. Euro zurückgegangen, das entspricht ein Minus von 31 Mrd. Euro oder 15 %. Zu den Profiteuren dieser Entwicklung dürften übrigens auch deutsche Banken gehören. Nun stellt sich die Frage, ob dieser Ansturm erst der Anfang eines lang anhaltenden Runs auf die Einlagen griechischer Banken oder eher als Panikreaktion zu deuten ist.

Festzuhalten ist, dass die Nervösität angesichts weiterer Sparmaßnamen seitens der Regierung unter der Bevölkerung zunimmt. Vor diesem Hintergrund sind auch Bankenpleiten auf breiter Front nicht auszuschließen. Insofern ist der Ansturm auf die Einlagen nachzuvollziehen und Cash (in Euro) für den Notfall zu horten.

Diese Zahlen kommen nicht zufällig gerade jetzt; schließlich hat die griechische Regierung erst kürzlich erklärt, dass bald die Zahlungsunfähigkeit droht. Damit soll weiterer Druck auf die Euro-Politiker aufgebaut werden, damit diese weitere Gelder locker macht. Andererseits weiß Brüssel aber auch, dass eine Pleite Griechenlands auch andere Länder in die Bredouille bringen kann. Aber auch Spanien scheint nach den Wahlen am Wochenende und der Protesten anfällig für weitere Krisenausbrüche.

Insbesondere Portugal und Irland würden im Falle eines Zahlungsausfalls durch Griechenland dem Risiko von Mehrfachherabstufungen ihrer Kreditwürdigkeit ausgesetzt sein. Sehr wahrscheinlich würden die ausstehenden Staatsanleihen beider Länder auf Junkstatus sinken, wie die Ratingagentur Moody´s heute mitteilte. Zudem würde sich ein Zahlungsausfall der griechischen Regierung für die Finanzmärkte als äußerst destabilisierend erweisen. Auch müsse damit gerechnet werden, dass die Kreditwürdigkeit der Anleiheemittenten in der gesamten Region sinken würde. Die Schere an Europas Staatsanleihemärkten ginge damit noch weiter auseinander, da die meisten großen Ökonomien ihre Bestnoten voraussichtlich behielten, während die kleineren Euroländer unterhalb eines Investmentgrades fielen.

Mit Blick auf die griechischen Banken ist festzuhalten, dass nach einer Analyse der UBS ein Haircut von ca. 40 % – womit frühestens in 2013 zu rechnen – längst in den Kursen eskomptiert ist. Trotz des scharfen Konjunktureinbruchs arbeiten die Banken (noch) profitabel. Gleichwohl werden die Institute unter der Last der Schuldenrestrukturierung zunächst weiter leiden. Es ist vorstellbar, dass nach erfolgreicher Restrukturierung und Privatisierung die Banken möglicherweise besser dastehen als heute. Dazu beitragen kann auch eine weiterführende Konsolidierung.

Das ist jedoch nur denkbar, wenn die Ratingagenturen das Land bis dahin nicht hat vollends an die Wand gefahren haben.

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