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Gute Noten für Deutschland

Von Dr. Oliver Everling | 15.April 2013

„Trügerische Normalität? Wirtschaft und Märkte im Entspannungsmodus?“ Diesen Fragen geht die Feri Frühjahstagung nach. Axel D. Angermann zeigt den Zusammenhang der Wirtschaftsentwicklung mit der unterschiedlichen Reformbereitschaft der Länder in der Eurozone auf.

Angermann sieht in Italien und Frankreich eine eher geringe Reformbereitschaft: In Italien wie auch in Frankfreich eine zögerliche Umsetzung notwendiger Strukturreformen. In Italien sei die Wirtschaft kaum auf die Globalisierung eingestellt und die Politik außerdem von unklaren Mehrheiten gekennzeichnet. Für Frankreich bemängelt Angermann die widersprüchliche Wirtschaftspolitik, da es keine klare Ausrichtung auf Wachstum gebe. In Italien sei daher nur mit 1 % Wachstum, in Frankreich mit 1,5 % zu rechnen.

Auf eine mittlere Reformbereitschaft klassifiziert Angermann Spanien, da dort eine beherztere Umsetzung notwendiger Strukturreformen (Arbeitsmarkt- und Rentenreform) auszumachen sei, aber die Belastung durch den Immobilienmarkt anhält. Deutschland dagegen lobt Angermann für die Umsetzung wichtiger Strukturreformen in den vergangenen Jahren. Weitere Anpassungen seien allerdings aufgrund des demografischen Wandels notwendig. Spanien sieht Angermann bei 2,5 %, Deutschland bei 2 % Wachstum.

Angermann schließt seine Analyse mit zehn Thesen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Nach einem verhaltenen Jahresbeginn sieht er eine allmähliche Belebung der Konjunkturdynamik im Laufe des Jahres 2013. In der Eurzozone werde die Austeritätspolitik zur Sanierung der staatlichen Haushalte nicht in der bisherigen Form fortgesetzt, prognostiziert Angermann.

Die anhaltende Heterogenität der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone führt zu einer Fiskalunion mit erheblichen Transferelementen zwischen den Mitgliedstaaten, zeigt Angermann auf. Der Wachstumspotenzial Europas bleibe mittelfristig schwach. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sichere vorerst solide Wachstumsraten, sei aber mittelfristig gefährdet.

Die Geldpolitik der EZB orientiere sich nicht ausschließlich am 2 %-Inflationsziel und lässt höhere Inflationsraten in den starken Ländern der Währungsunion zu. Eine Hyperinflation sei nicht zu erwarten.

Die zunehmende Dynamik der US-Wirtschaft führt zu einem hohen Wachstum im Jahr 2014; die Notwendigkeit des Schuldenabbaus mindert aber das mittelfristige Wachstumspotenzial. Die Geld- und Fiskalpolitik Japans entfache ein konjunkturelles Strohfeuer, warnt Angermann, und beschwöre die Gefahr einer Staats- und Währungskrise herauf. Das Wachstum Chinas sei geringer als im vergangen Jahrzehnt und stehe unter dem Vorbehalt gravierender struktureller Risiken innerhalb des Landes.

„Der Weg aus der Finanz- und Wirtschaftskrise führt nur über ein anhaltendes Engagement von Politik und Notenbanken, in dessen Folge die wirtschaftliche Entwicklung selbst krisenanfällig und risikobehaftet bleibt, und“, fügt Angermann hinzu, „die Entwicklung der Anlagemärkte wesentlich von hoher Liquidität bestimmt wird.“

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