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Jetzt billig BRIC kaufen

Von Dr. Oliver Everling | 23.Oktober 2008

„Der Chinese kann sich Konsum leisten, der Amerikaner nicht mehr“, bringt Thomas Gerhardt, Head of Global Emerging Markets der DWS Investment GmbH, seine Sichtweise über die Perspektiven der BRIC-Länder auf den Punkt. Gerhardt sprach auf dem CAPITAL Geldanlage Gipfel 2008 im Hotel Adlon Kempinski Berlin, Unter den Linden in Berlin (www.capital-gipfel.de). Der Konsum des Amerikaners sei „zu 100 % kreditfinanziert“, während es beim Chinesen genau umgekehrt sei: Er bestreite alle Ausgaben aus seinem erzielten Einkommen.

Gerhardt studierte an der Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main, mit Abschluss Diplom-Kaufmann (BWL), war Wirtschaftsprüfungsassistent bei der KPMG und ist seit Dezember 1993 bei DWS Investment GmbH, Frankfurt. Seit 1996 Head of Global Emerging Markets Equities, seit 1996 Managing Director und seit 2007 ist er Aufsichtsratvorsitzender DWS Polen und Aufsichtsratvorsitzender DWS Russland.

Gerhardt unterstreicht, dass er immer gegen die These des Decouplings gesprochen habe, nach der sich die Volkswirtschaften in Brasilien, Russland, Indien und China vollständig von den Entwicklungen in den hoch entwickelten Industrieländern abkoppeln könnten. Es sei klar, dass die Produkte, die bei Kmart in den USA verkauft werden, in China produziert wurden. Wenn der Absatz in den USA stocke, müsse dies auch Auswirkungen auf die Volkswirtschaften der BRIC-Staaten haben.

Die Maßstäbe, nach denen in den BRIC-Staaten aber eine Krise festzustellen seien, zeigen sich aber in diesen Staaten anders. Erst bei einer Wachstumsrate von weniger als 8 % sei in China von Problemen zu sprechen, nur dann würden dort nicht genügend neue Jobs entstehen. Von einer derartigen Abschwächung sei China aber noch ein Stück entfernt.

Dr. Dirk Schumacher, Economist Euroland & Germany, Goldman Sachs, ein Erfinder der „BRIC-Story“, glaubt weiterhin an seine Geschichte. Schumacher unterstreicht, dass die realwirtschaftlichen Potentiale in diesen Ländern weiterhin vorhanden seien. Luiz Felipe de Seixas Corrêa, Brasilianischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, unterstreicht die Nachhaltigkeit der Entwicklung in Brasilien. Er macht keinen Hehl daraus, dass sein Land eine der schlimmsten Geschichten in Bezug auf die Gleichverteilung von Einkommen und Vermögen geschrieben habe. Dennoch sei die soziale und politische Stabilität trotz dieser Herausforderungen hervorzuheben.

Die Diskussionen auf dem CAPITAL Geldanlage Gipfel deuten darauf hin, dass in der aktuellen Phase der Kapitalmärkte diejenigen Staaten profitieren werden, deren Binnennachfragen in geringerem Maße von finanziellen Hebeln getragen werden. Während die US-Amerikaner in extremem Maße und mit einer Sparquote von 0 % über Jahre den finanziellen Leverage-Effekt zu ihren genutzt haben, wirkt dieser nun gegen sie. Wer nicht verschuldet war, braucht nun auch nicht den Konsum in außerordentlicher Weise einschränken.

Gerhardt sieht das größte Problem für China, aber auch für die anderen BRIC-Staaten, in der Infrastruktur. Alle BRIC-Staaten wüssten, dass der Export zurückgehen werde. Daher müssten diese sich auf Aufgaben im Inneren konzentrieren. Gerhardt ist sich daher sicher, dass in naher Zukunft Milliarden in die Infrastrukturen dieser Länder investiert werden.

Themen: Länderrating | Kein Kommentar »

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