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Mehr Freude durch wirkungsvolles Investieren

Von Dr. Oliver Everling | 24.April 2015

Geldanlagen mit ökologischem oder sozialem Sinn sind gesucht: Sie heißen Klimasparbriefe, Bürgeranleihen, Zukunftssparbriefe, grüne Pfandbriefe oder Bildungsfonds – neue Formen des Geldanlegens, mit denen von vornherein die angelegten Euro und Cent einem gesellschaftlich sinnvollen Zweck zugeführt werden. Damit soll den Wünschen von immer mehr Anlegern entsprochen werden, ihre Ersparnisse nicht in einem anonymen, oftmals als wenig vertrauensvoll empfundenen Finanzmarkt anzulegen, sondern konkreten Projekten zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund bürgert sich in Deutschland immer mehr der Begriff der wirkungsorientierten Investitionen ein.

Viele, die nach diesem Prinzip Geldanlagen suchen, sind schon engagierte Spender für gemeinnützige Zwecke und wollen für ihr gesellschaftliches Engagement nun auch ihre Ersparnisse einsetzen. Dabei kommt es ihnen darauf an, dass sie auch sicher sein können, dass und wie ihr Geld in Umwelt- und Sozialprojekten eingesetzt wird. Nicht wenige wollen dabei einen Nachweis, ob die von der Bank, Sparkasse oder einem Investmentfonds zugesicherte Umwelt- oder Sozialwirkung auch tatsächlich erzielt wurde. Beispielsweise interessiert bei einem Klimasparbrief, wieviel Kilowatt Strom aus erneuerbaren Energien durch ein Biomassekraftwerk vor Ort erzeugt wird und dadurch konventionelle Energie z.B. aus Atomkraft ersetzt.

Mit Spenden ist gemeinnützigen Zwecken oft nur teilweise geholfen. Wer Gutes tun will, kann dies noch besser mit der Bereitstellung von Kapital tun – auch wenn es das Ziel ist, das eingesetzte Kapital vollständig und rechtzeitig dem Anleger wieder zurückzugeben, so stellen Kapitalgeber gegenüber Spendern nämlich eine weitere Dimension des Geldes zur Verfügung, nämlich die – wenn auch begrenzte – Risikotragfähigkeit des Geldes.

Zinsen sind solchen Sparern zwar wichtig, aber die Erreichung eines „guten Zwecks“ steht hier im Vordergrund. Dass es aber gar nicht so einfach ist, solche Anlagen zu finden, vor allem weil Anleger auch ganz bestimmte Umwelt- und Sozialvorstellungen verwirklichen wollen und viele andere, bislang kaum bekannte Ergebnisse zu wirkungsorientiertem Investieren, hat die Forschung eines Teams um Prof. Dr. Henry Schäfer von der Universität Stuttgart aktuell zu Tage gefördert.

In einer erstmals in Deutschland durchgeführten umfassenden Interviewreihe wurden über 50 Stiftungen, vermögende Privatanleger und Family Office-Kunden im Zeitraum von Mai bis November 2014 befragt. Die nun veröffentlichte Auswertung liefert neue, interessante Einblicke in eine sich immer mehr verbreitende „etwas andere“ Welt der Geldanlagen. Die Erkenntnisse sind für die Finanzierung von Umwelt- und Sozialvorhaben in Deutschland ermutigend – was gerade auch für die Finanzierung der derzeit von der Politik geforderten Investitionen für mehr Infrastrukturprojekte hilfreich sein kann.

Stiftungen und Privatanleger sind nämlich bereit, neben den Geldanlagen zur Finanzierung von Umweltprojekten und -einrichtungen auch verstärkt Sozialunternehmen, Sozialimmobilien und soziale Projekte der Jugendhilfe und Altenpflege zu finanzieren. Im Fokus stehen dabei präventive und innovative Maßnahmen, die das derzeitige Angebot an sozialen Dienstleistungen ergänzen. Anlegerinteressen erwecken u.a. auch Projekte aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft.

Ruft man statt nach privaten Anlegern in all diesen Projekten nach dem Staat, bleibt diesem nur die Finanzierung durch zusätzliche Schulden und Steuern, die zwangsweise eingetrieben werden. Nachhaltige Investments sind daher der marktwirtschaftliche Weg, um Bürger nicht nur an der Wahlurne und beim Konsum, sondern auch mit ihrem anzulegenden Geld über die ethisch, ökologisch und sozial besseren Projekte abstimmen zu lassen.

Noch gibt es allerdings viel zu tun, denn beklagt wird von sehr vielen Befragten, dass sie zuwenig über solche Anlagemöglichkeiten wissen, sich von Banken und Sparkassen darin meistens alleine gelassen fühlen und händeringend Vorzeigeprojekte gesucht werden. Dass die befragten Anlegergruppen es Ernst mit ihren Absichten meinen, wird u.a. dadurch deutlich, dass sie grundsätzlich bereit sind, zugunsten sozialer bzw. ökologischer Wirkungserzielung auch einmal auf (etwas) Rendite zu verzichten. „Jedoch kam auch klar heraus,“ so Schäfer, „dass der reale Kapitalerhalt für alle Gruppen eine absolute Mindestanforderung an wirkungsorientiertes Investieren darstellt.“

Sehr nützlich für die weitere Entwicklung ist zudem die Vorstellung von Anlegern, dass wirkungsorientierte Investitionen in erster Linie in regionaler Nähe ihre sozialen Wirkungen entfalten sollen. Darüber hinaus interessiert Anleger, durch sog. Mikrofinanzanlagen Gelder zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern bereit zu stellen. Die Aussagen der befragten Anlegerkreise der Stiftungen und vermögenden Privathaushalte haben insofern Gewicht, als dass ihnen eine zentrale Rolle als Impulsgeber für andere Investorengruppen bei der Etablierung von wirkungsorientierte Investitionen in Deutschland zukommen dürfte.

Zum vollständigen Bericht der Umfrage: „Risiko, Rendite – und Wirkung? Die Anlagebereitschaft deutscher Stiftungen und vermögender Anleger für wirkungsorientiertes Investieren?

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