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Mehr Kredit für Investitionsboom in China

Von Dr. Oliver Everling | 9.September 2014

Kaum je in der Menschheitsgeschichte wurde von einem Staat dieser Größe so viel in die Zukunft investiert, wie von China. „Mehr als 40 % des Bruttoinlandsprodukts werden in China investiert“, berichtet Andrew Colquhoun, Head of the APAC Sovereign Ratings. Er sprach auf dem Seminar „Fitch on China“.

Chinia habe zwei Investment Stories: Vor 2008 könne von einem „catchup growth“ gesprochen werden, nach 2008 war der Investitionsboom dagegen von Krediten getrieben. Wie die Analysen von Fitch Ratings zeigen, war 2008 der „Inflection Point“. Wenn der Immobiliensektor stoppen würde, würde sich das Wachstum des Landes auf 3 bis 4 % reduzieren. „Das verstehen viele unter einer harten Landung.“ Daher richte sich die Aufmerksamkeit und Konzentration der Analysten von Fitch Ratings sehr auf den Immobiliensektor.

Bailouts und Garantien könnten sich bei den Staatsschulden auswirken. Wenn eine Immobilien- oder Kreditblase in China platze, müsse der Staat einspringen. Entsprechend würden sich die Schulden erhöhen. „Wir sehen das langfristige Ausfallrating von China bei A+“, fasst Colquhoun mit Blick auf die Gesamtheit der Faktoren zusammen, die die Bonität Chinas tragen.

„Hinter den Kulissen arbeiten die Behörden in China sehr hart daran, Insolvenzen und insbesondere Ausfälle von Kreditprodukten zu verhindern“, berichtet Jonathan Cornish, Head of the North Asia Bank Ratings Group. Seit 2010 gingen die Quotienten aus Kurswerten und Buchwerten für chinesische Banken nach unten. Die Sorgen über die Qualität der Bankaktiva, über die Liberalisierung der Zinsen und die Regulierung spielen hierbei eine Rolle.

Im Vergleich zu anderen Staaten sei China immer noch ein Staat mit einem der am stärksten zentralistisch geführten Bankensysteme. Insbesondere im Verhältnis zur Größe der Wirtschaft muss der Zentralisierungsgrad immer noch als sehr hoch beurteilt werden. Das Schattenbanksystem in China sei allerdings besonders groß und undurchsichtig.

„Wenn etwas mit dem Bankensystem schief geht, hat das natürlich einen sehr großen Effekt auf Unternehmensratings“, fügt Andrew Steel, Head of the APAC Corporate Ratings Group bei Fitch Ratings hinzu. Man dürfe allerdings bei aller Sorge nicht übersehen, dass das chinesische Bankensystem einlagengetrieben sei.

„Kleinere Banken verlassen sich in stärkerem Maße auf Refinanzierung durch andere Banken“, berichtet Cornish. Bank of China refinanziere sich zu etwa einem Viertel international (offshore). Damit nehme die Bank of China aber eine Spitzenposition unter den chinesischen Banken ein.

Themen: Anleiherating, Bankenrating, Kreditrating, Länderrating | Kein Kommentar »

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