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Montalvo Rebuelta wirbt für Transparenz

Von Dr. Oliver Everling | 3.Februar 2015

„Ratings sind Meinungen,“ sagt Carlos Montalvo Rebuelta, Executive Director der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA), zur Einführung seines Vortrags beim 10. Standard & Poor’s Versicherungssymposium in Frankfurt am Main, „so werde auch ich hier meine persönliche Meinung vortragen.“

Solvency II sei nicht geplant worden, die Versicherungswirtschaft oder die Weltwirtschaft zu retten, sondern einfach dafür, die Policeninhaber zu schützen. Daher gehe es um Anreizstrukturen und Risikomanagement wie auch um Transparenz. Die Beratungszeit, die dieses Projekt genommen habe, sorge dafür, dass die Konsequenzen von Solvency II für die Versicherungswirtschaft sorgfältig abgewogen werden konnten. Durch die Finanzkrise hindurch habe die Versicherungswirtschaft überlebt und habe nun die Chance, gestärkt in die Zukunft zu gehen. In Solvency II fließen rund 15 Jahre der Konsultation und Beratung ein. „Perfektion ist der Feind des Guten“, warnt Montalvo und dämpft Erwartungen, dass  mit Solvency II ein perfektes System gefunden wäre.

Montalvo berichtet von Kritiken, die zu Solvency II zu hören sei. So werde vorgetragen, man habe mit 538 Seiten Richtlinien über das Ziel hinaus geschossen. Aus nationaler Perspektive sei manches zu diskutieren, aber das Regelwerk  müsse unterschiedlichen Bedingungen in Europa entsprechen. Ein weiterer Aspekt seien die Kosten. Mit Solvency II werde in die Berichtsstrukturen investiert – das werde auch Früchte für die Versicherungen tragen.

Die Versicherungswirtschaft sei sicherlich nicht der transparenteste Wirtschaftssektor. Für institutionelle Investoren werde die Versicherungswirtschaft durch mehr Offenlegung attraktiver.  „Gibt es ein ‚zu viel‘ an Transparenz? Ich glaube nicht!“ Montalvo streitet für mehr Informationen mit dem Ziel einer „win-win situation“.

Über das, was Transparenz ausmache, gebe es allerdings kein gemeinsames Verständnis. So könne die Forderung nach Transparenz unterschiedlich interpretiert werden. Teilweise stelle sich hier eine Ausbildungsaufgabe. Als Solvency II gestartet wurde, sollte eine volle Übereinstimmung mit den IFRS erreicht werden.

Risikomanagement und Verbraucherschutz seien wichtige Themen für die Aufsicht. „Die Überlebensdauer eines CFOs muss heute wohl mit vielleicht dreieinhalb Jahren angegeben werden“, gibt Montalvo zu bedenken, während man von Unternehmen spreche, die oft schon ein Jahrhundert Historie hinter sich hätten. Manager würden zwar stets betonen, den Kunden in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zu stellen. Montalvo gibt es Beispiel der Tabakindustrie, die in Europa zwar viel unternehmen, um die Gesundheit der Verbraucher zu schonen, in Südamerika, Afrika oder Asien aber ungebrochen ihre Strategien zur Erschließung profitabler Märkte fortführen würden.

Montalvo spricht das Risiko eines Liquiditätsüberschusses im Markt an. Dieser würde dazu führen, dass Risiken nicht mehr angemessen in der Preissetzung berücksichtigt würden. Das fundamentale Dilemma der Suche nach Rendite und der Vermeidung von Risiken könne nur gelöst werden, wenn es eine faire Beurteilung der Risiken gebe. Montalvo geht der Frage nach, welche Auswirkungen die Geldpolitik des Quantitative Easing (QE) haben werde. „Kapital ist kein Ersatz für Regulierung“, sagt Montalvo. Kapital sei daher keine Antwort auf die Herausforderungen der Versicherungswirtschaft.

Themen: Versicherungsrating | Kein Kommentar »

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