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Next-Gen Banking 2030: Wie GenAI, Plattformpartner und neue Betriebsmodelle die Resilienz von Banken neu definieren

Von Dr. Oliver Everling | 22.April 2026

Der Vortrag „Next-Gen Banking 2030: Wie GenAI, Plattformpartner und neue Betriebsmodelle die Resilienz von Banken neu definieren“ von Andreas Bruckner, Director bei PPI, stellt auf der Konferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ auf der Frankfurt School of Finance and Management eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Was ist der nicht substituierbare Kern einer Bank – und weiß sie überhaupt noch, ob Künstliche Intelligenz diesen Kern stärkt oder überflüssig macht? Der Vortrag argumentiert, dass viele Banken diese Frage bislang nicht klar beantworten und damit faktisch durch jede Einzelentscheidung über Technologie, Partnerschaften und Auslagerungen ihr künftiges Betriebsmodell mitgestalten.

Im Kern beschreibt Bruckner eine Branche, in der sich die traditionellen Grenzen zwischen Eigenbetrieb, Plattformbezug und Orchestrierung verschieben. GenAI senkt die Produktionskosten vieler Bankfunktionen, während spezialisierte Plattformpartner in Bereichen wie Core Banking, Payment oder KYC/AML Skalenvorteile erzielen. Gleichzeitig bleibt der regulatorische Druck hoch, weil DORA, der EU AI Act, die Outsourcing-Leitlinien der EBA und der Cyber Resilience Act klare Anforderungen an Steuerbarkeit, Auditierbarkeit, Exit-Fähigkeit und technische Sicherheit stellen. Damit wird die alte Frage „kaufen oder selbst bauen?“ durch eine neue ersetzt: Was muss unter eigener Governance bleiben, und was kann unter externer Steuerung laufen?

Der Vortrag macht deutlich, dass Banken nicht nur technologisch, sondern vor allem organisatorisch unter Veränderungsdruck stehen. Bruckner ordnet KI in mehreren Stufen ein, von klassischer KI über GenAI und KI-Agenten bis zu Multi-Agent-Systemen, und zeigt, dass besonders operative Bereiche, Dokumentenverarbeitung, Kreditvergabe, Compliance und Risikomanagement von Effizienzgewinnen betroffen sind. Zugleich verweist er darauf, dass bereits heute ein großer Teil der Bank-FTEs in Operations gebunden ist und dass Agentic AI diese Tätigkeiten zunehmend automatisieren kann. Für Banken entsteht dadurch nicht nur ein Effizienzthema, sondern auch ein strategisches Risiko: Wer heute ohne klare Leitplanken investiert, baut Datenarchitekturen, Abhängigkeiten und Governance-Strukturen auf, die später schwer korrigierbar sind.

Besonders prägnant ist die Gegenüberstellung zweier tragfähiger Betriebsmodelle. Das erste Modell ist der fokussierte Spezialist, der seine Ressourcen auf einen klar definierten Kern konzentriert und dort mit hoher operativer Exzellenz, geringer externer Abhängigkeit und robuster Resilienz arbeitet. Das zweite Modell ist der souveräne Orchestrator, der die Kundenschnittstelle und die Steuerung eines Partner-Ökosystems behält, während Leistungserbringung und Spezialisierung weitgehend ausgelagert werden. Beide Modelle können erfolgreich sein, aber sie verlangen völlig unterschiedliche Investitionsprioritäten, Fähigkeiten und Governance-Logiken. Die eigentliche Gefahr liegt laut Vortrag nicht in der Wahl eines der beiden Wege, sondern in der unentschlossenen Mitte, die hohe Komplexität, regulatorische Exposition und fehlenden Wettbewerbsvorteil miteinander verbindet.

Der regulatorische Teil des Vortrags verleiht dieser strategischen Entscheidung zusätzliches Gewicht. DORA zwingt Banken, kritische IKT-Funktionen nachweisbar steuerbar zu halten und Drittparteien transparent zu kontrollieren; der EU AI Act erhöht die Anforderungen an Erklärbarkeit, menschliche Aufsicht und Auditierbarkeit von KI-gestützten Entscheidungen; der Cyber Resilience Act erweitert den Fokus auf Produktsicherheit in vernetzten Systemen. Für Banken bedeutet das: Governance ist nicht mehr nur eine Unterstützungsfunktion, sondern eine Kernkompetenz. Gerade im Orchestrator-Modell wird die Fähigkeit, Partner zu überwachen, Datenflüsse zu kontrollieren und Exit-Optionen vorzuhalten, selbst zum Wettbewerbsvorteil.

Am Ende ist die Botschaft des Vortrags klar: KI ist nicht das Betriebsmodell, sondern das Instrument. Die eigentliche Managemententscheidung besteht darin, die Wertschöpfung der Bank sauber zu kartieren, das passende Modell bewusst zu wählen und Governance-Kompetenz als strategisches Investitionsfeld zu behandeln. Resilienz entsteht dann nicht zufällig, sondern durch Kohärenz zwischen Strategie, Operating Model und regulatorischer Umsetzung. Wer diesen Zusammenhang heute ernst nimmt, gestaltet die Bank von 2030 aktiv; wer ihn ignoriert, wird durch Kosten, Regulierung und neue Marktstrukturen dazu gezwungen.

Die Konferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ an der Frankfurt School of Finance & Management hat sich als zentrale Plattform etabliert, auf der sich Entscheiderinnen und Entscheider aus Banken, Versicherungen, Technologieunternehmen und Aufsicht über die Zukunft der Finanzindustrie austauschen. Im Mittelpunkt stehen dabei die tiefgreifenden Veränderungen durch Künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und neue regulatorische Rahmenbedingungen, die das Zusammenspiel von Innovation, Risiko und Governance neu definieren. Charakteristisch für die Veranstaltung ist die enge Verzahnung von wissenschaftlicher Analyse, praktischer Umsetzung und strategischer Perspektive, wodurch nicht nur Trends diskutiert, sondern konkrete Transformationspfade aufgezeigt werden. Die Konferenz schafft damit einen Raum, in dem die Finanzbranche ihre Rolle zwischen technologischer Disruption und stabilitätsorientierter Verantwortung neu verhandelt und sich auf die nächste Entwicklungsstufe digitaler Finanzdienstleistungen ausrichtet.

Themen: Bankenrating | Kommentare deaktiviert für Next-Gen Banking 2030: Wie GenAI, Plattformpartner und neue Betriebsmodelle die Resilienz von Banken neu definieren

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