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Schwache Inlandsnachfrage wird zum Problem

Von Dr. Oliver Everling | 9.Juni 2017

Der konjunkturelle Rückenwind sollte nicht Anlass zur Selbstzufriedenheit sein, warens Axel Angermann, Chefvolkswirt der FERI Gruppe: „Vielmehr ist jetzt die Zeit, darüber nachzudenken, wie die gute Beschäftigungslage dauerhaft gesichert werden kann. Ein Ansatz wäre es, die Binnennachfrage in Deutschland zu stärken und den Dienstleistungssektor weiter auszubauen. Dies würde auch dazu beitragen, den hohen deutschen Leistungsbilanzüberschuss zumindest teilweise abzubauen.“

In den USA trug der private Konsum in den vergangenen Jahren 1,6 Prozentpunkte pro Jahr zum Wachstum bei – doppelt so viel wie in Deutschland, analysieren die Experten aus Bad Homburg. Spürbare Steuersenkungen, die den Bürgern einen größeren Anteil ihrer Einkommen zur eigenen Verwendung überlassen, würden den privaten Konsum auch hierzulande anregen und wären für den Staat, der ja seinerseits immer neue Einnahmerekorde verzeichnet, ohne weiteres verkraftbar.

„In guten Zeiten sollte der Staat investieren, um damit die Attraktivität des Standorts für die Zukunft zu sichern. Die Infrastruktur muss vielerorts dringend überholt werden und das Breitbandkabelnetz genügt längst nicht höchsten Ansprüchen. Ein leichterer Marktzugang im Dienstleistungssektor und der Abbau von Regulierungen, die vor allem dazu dienen, (ausländische) Wettbewerber fernzuhalten,“ mahnt Angermann an, „wären weitere Maßnahmen um Wachstumsimpulse zu generieren.“

Weil also auch in Deutschland manches verbessert werden könnte, gibt es nach Ansicht der Analysten der FERI allen Grund, sich mit den europäischen Partnern offen darüber zu verständigen, was man möglicherweise gemeinsam in Angriff nehmen könnte. „Unterbleibt diese ergebnisoffene Diskussion, könnte sich schnell herausstellen, dass die guten Stimmungswerte mehr Schein als Sein reflektieren und die reale Wirtschaftsentwicklung nicht folgt. Das langfristige Wachstumspotenzial  für Deutschland liegt unter den gegebenen Umständen jedenfalls näher an 1% als an den 2%, die wir in diesem Jahr vielleicht doch noch einmal erreichen.“

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