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Selektives Vorgehen im Unternehmensanleihe-Segment

Von Dr. Oliver Everling | 22.März 2017

Seit zwei Jahren sind europäische Anleger nicht nur mit negativen Einlagenzinsen konfrontiert, sondern auch mit einem immer kleineren Anleihenuniversum, da die EZB ihre Bilanz in den letzten fünf Jahren wesentlich ausgeweitet hat. „Die kleinere Zahl an Gelegenheiten zwang Anleger dazu,“ analysiert Pierre Verlé, Teamleiter Credit bei Carmignac, „ein größeres Kreditrisiko bei längeren Laufzeiten einzugehen. Folglich wurden die Kreditmärkte sehr anfällig für einen geldpolitischen Kurswechsel der EZB.“

„Beginnend mit Investment-Grade-Unternehmensanleihen lässt sich eine kontinuierliche Verschlechterung der Bilanzqualität feststellen,“ so Verlé, „so dass die Fremdfinanzierungsquoten fast den Zyklus-Höchststand erreicht haben. Schwache Margen, mangelnde Anlegerdisziplin, ein nach wie vor starker Fusions- und Übernahmezyklus und aktive Anleiheemittenten, die von niedrigen Zinsen profitieren wollen, waren allesamt Faktoren, die zur Beeinträchtigung europäischer Bilanzen beigetragen haben. Obwohl die Verschuldung im Bereich ihrer 10-Jahres-Höchststände liegt, befinden sich die Renditen aufgrund der eben erwähnten EZB-Intervention auf einem Allzeittief. Dieser Markt ist sehr instabil und anfällig für einen starken Inflationsanstieg.“

Im Segment der High-Yield-Anleihen sieht Verlé das Bild ähnlich. „Auch hier befinden sich die Fremdfinanzierungsquoten im Bereich des Zyklus-Höchststands und die Renditen auf einem Allzeittief. Darüber hinaus bieten diese niedrigen Renditen zum einen keinen absoluten Bewertungsschutz bei einer solch schlechten Bilanzqualität und zum anderen besteht auch anderswo in der Kapitalstruktur kein relativer Bewertungsschutz.“

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