« | Home | »

S&P’s Versicherungskonsultation auf der Zielgeraden

Von Dr. Oliver Everling | 16.August 2012

Für die Versicherungswirtschaft ist das den Versicherern erteilte Credit Rating ein sensibles Thema. Entsprechend groß ist das Interesse an den Konsultationen von Standard & Poor’s Ratings Services zu den Kriterien für Versicherern. Ralf Bender, CFA, Director, und seine Kollegen Volker Kudszus, Director und Johannes Bender, Associate Director, präsentieren in Frankfurt am Main detailliert die Logik der neuen Kriteriologie und stellen diese zur Diskussion.

Die Vorschläge von S&P’s zielen auf die Verbesserung der Transparenz des Kriterienrahmens, die Spezifizierung der Kriterien und Subkriterien, auf die Schaffung eines globalen Rahmenwerks für eine mehr „forward-looking“, d.h. noch mehr zukunftsgerichtete Aussagekraft der Rating und Vergleichbarkeit. Das Rahmenwerk wird in einem Dokument zusammmengeführt.

Für die Versicherungswirtschaft bleiben die Grundcharakteristika der geschäftlichen und finanziellen Risikoprofile entscheidend. Bestimmte Modifikatoren und Caps können das endgültige Rating beeinflussen. Bender erläutert, warum einige neue Kriterien und Subkriterien für mehr Klarheit eingeführt wurden. Die neuen Faktoren ergänzen die IICRA (Insurance Industry and Country Risk Assessment), Kapital und Erträge sowie die Risikoposition. Neue Elemente wurden zur Beurteilung der Wettbewerbsposition, der finanzielle Flexibilität sowie der Liquidität hinzugefügt.

Acht Ratingfaktoren werden benutzt, um das Gruppenkreditprofil (GCP, Group Credit Profile) und das Kreditprofil bei isolierter Betrachtung (SACP, Standalone Credit Profile) zu beurteilen. Die finalen Ratings hängen weiterhin von Sovereign Ratings, von Liqudität und Tests zur Fixkostenbelastung ab. Bender tritt der Vorstellung entgegen, durch die neue Kriteriologie würden sich nun massiv Ratings verändern – in den meisten Fällen blieben die Ratings unverändert oder würden sich nur um einen Notch verändern. Bender beruft sich dabei auf Tests, die S&P’s zur Beurteilung der Kriterienänderungen vorgenommen habe.

Bender räumt ein, dass das 61 Seiten umfassende Konsultationspapier für keinen der Beteiligten eine leichte Kost sei, sondern komplexe Fragen der Beurteilungen von Ratings aufwerfe. Das Vorgehen von S&P’s zeigt, wie mehr Vertrauen der Marktteilnehmer und betroffenen Erstversicherungsgruppen und Rückversicherer geschaffen werden kann. So wurden Fragen nach der Definition von Peergruppen beantwortet.

Bender weist darauf hin, dass Themen wie Hybridkapital von branchenübergreifendem Charakter seien und daher nicht in dem angestrebten „single cirteria document“ für die Versicherungswirtschaft aufgenommen werden können. In jedem Fall werde die Initiative von S&P’s dazu führen, dass die Vielzahl der bisher veröffentlichten Einzeldokumente reduziert und die Kriteriologie deutlich übersichtlicher präsentiert wird. 

Themen: Versicherungsrating | Kein Kommentar »

Kommentare

Sie müssen eingelogged sein um einen Kommentar zu posten.

  • Die meisten Unternehmen messen ihre Erfolge auch heute noch in Währungseinheiten, in Euro oder Dollar zum Beispiel. Dabei lassen sich die Einflussfaktoren des Erfolgs nicht allein an einer Zahl abbilden. Zur Steuerung von Investitionen reicht es einerseits nicht aus, Investitionen lediglich zu beschreiben, andererseits sind viele Umstände nicht kardinal zu skalieren. Klassifizierungen mit Ratingskalen sind daher eine Methode, mehr Transparenz für praktische Entscheidungen zu schaffen. Seit Ende der 1980er Jahre arbeiten wir daran und deshalb gibt es seit 1998 diesen Blog. RATING EVIDENCE GmbH - Wofür wir stehen: Es ist unser Anspruch, Werte zu schaffen, indem wir den Nutzen von Ratings erschließen.