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Unterschiede in Ratingansätzen analysieren

Von Dr. Oliver Everling | 17.September 2013

„Leider kommen verschiedene Bilanzratingmodelle auch bei gleicher Ausgangssituation nicht zur gleichen Ratingeinschätzung“, berichtet Prof. Dr. Harald Krehl, Leiter Kompetenzzentrum der DATEV eG, auf der Corporate Bond Conference der DVFA in Frankfurt am Main. Die Konferenz wird von Ralf Frank moderiert, Geschäftsführer der DVFA.

Kehl geht auf einige grundsätzliche Fragestellungen zu Ratingmodellen ein: Können die in der Regel auf der Basis von HGB-Abschlüssen entwickelten Modelle auch für IFRS Abschlüsse genutzt werden? Sind Bialnzratingmodelle „Fraud-Resistent“? Können Bilanzratingmodelle auch länderübergreifend eingesetzt werden?

Krehl skizziert das Untersuchungsdesign, das wie folgt gewählt wurde: Vier Unternehmen bzw. deren erfasste Jahresabschlüsse, aus produzierendem Gewerbe, Großhandel, EDV sowie Maschinen und Anlagenbau. Darüber wurden verschiedene Ratingverfahren angewendet, soweit verfügbar.

Während die Beispiele „Produktion“ und „Maschinen“ jeweils durchgängig mit Investment Grade Ratings klassifiziert wurden, lagen die Unterschiede im Großhandel und EDV. Tatsächlich habe sich später gezeigt, dass das EDV Unternehmen aufgegeben musste.

Krehl streicht die Bedeutung der a-priori-Wahrscheinlichkeiten heraus: Dieselbe Bilanzstruktur kann – je nach Umfeld des Unternehmens – unterschiedliche Ausfallraten nach sich ziehen. Daher müssten die Bilanzratings um die a-priori-Wahrscheinlichkeiten „korrigiert“ werden. „Ratingmodelle werden für eine ganz bestimmte Struktur von Unternehmen entwickelt. Diese Struktur sollte der Kundenstruktur eines Nutzers des Modells entsprechen. Ob diese Struktur dann generalisierbar ist, kann fraglich sein.“

Marion Scherzinger von der IKB Deutsche Industriebank AG streicht die Bedeutung der Datenbasis heraus, das habe nichts mit „großer“ oder „kleiner“ Ratingagentur zu tun. Außerdem komme es auf die Dauer an, wie lange das Unternehmen bereits beurteilt werde und welchen Prognosezeitraum das Rating betreffe. „Für mich ist die Frage, wie bedeutend ist ein Rating. Wir sind analysieren hauptsächlich für Investoren, da ist ein Rating nur ein Baustein.“ Scherzinger weist auf das Research hin, das im Markt verfügbar sei. „Je mehr Quellen wir haben und je mehr Anleger verstehen, was hinter den Ratings steckt, desto besser.“ Inzwischen seien ja mehr als 100 Anleihen auch von kleineren Ratingagenturen beurteilt und das sei gut so.

Scherzinger weist darauf hin, dass für den Retailinvestor hinter einem BB ein Gütesiegel stecke. Inzwischen sei diesem aber auch bekannt, dass er sich nicht alleine darauf verlassen könne. Es müssen noch weitere Aspekte in der Anlageentscheidung berücksichtigt werden.

Monica Fernandez von der DZ Bank weist auf die Perspektive der Investoren hin. Anleger würden sich ein Rating wünschen, das die Ausfälle „in den Griff“ bekommen. Letztlich komme es diesen ja darauf an, ihr Geld zurückzubekommen. Bestimmte Ratings weichen in eine bestimmte Richtung ab. Gerade Mittelstandsratings würden zu einem „positiven“ Bias tendieren. „In unseren Modellen waren die Ratings oft einige Notches schlechter.“ In der Bond Kommission der DVFA seien daher Zweifel aufgekommen, ob die Ratings durchweg vergleichbar seien.

„Die Mittelstandsratings bereichern auf jeden Fall unsere Informationsbasis. Hier bekommt der Anleger schon mal eine Erstinformation und kann erkennen, wonach er vielleicht suchen muss“, sagt Fernandez. Auch wenn einige Agenturen möglicherweise bessere Ratings geben. Fernandez weist darauf hin, dass auch noch mehr Transparenz über die Ratings hergestellt werden könne. So fällt ihr auf, dasss beispielsweise Creditreform Rating ihre gesamte Kriteriologie auf 25 Seiten darlege, während Moody’s allein für eine einzelne Branche schon das Doppelte auf den Tisch lege und damit ein hohes Maß an Transparenz schaffe.

Prof. Dr. Jens Leker von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Leiter der Rating-Kommission der DVFA, skizziert das Bemühen der Kommission, Transparenz in die Methoden und Verfahren des Ratings zu bringen:

Falk Frey, CEFA, von Moody’s Deutschland GmbH räumt mit einigen Missverständnisssen und Vorurteilen gründlich auf. Emittentenratings seien nun einmal Meinungen der Ratingagentur, die in langfristig und kurzfristig unterschieden würden. Außerdem seien diese ordinal skaliert. „Wie die kumulierten 5-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeiten zeigen, sind die Investment-Grade-Ratings extrem treffsicher“, sagt Frey.

Frey warnt davor, die Herausforderung zu unterschätzen, globale Vergleichbarkeit herzustellen, wie sie durch Moody’s geleistet werde. „Unsere Ratings sind jeden Tag aktuell,“ macht Frey den Anspruch der Ratingagentur klar, „denn wir gehen jedem Grund für eine veränderte Bonitätseinschätzung nach.“ Oft würden qualitative Faktoren die Einschätzungen der Analysten benötigen. Außerdem müssten quantitative Faktoren in den richtigen Kontext gestellt werden.

Eine Stärke des Ratings von Moody’s liegt in der Peer Group Analyse, denn „diese ist ein vitales Element für die Positionierung eines Ratings“, sagt Frey und tritt der Vorstellung entgegen, dass Moody’s Ratings nur Ergebnis von Methoden wären. „Methodologien sind wichtig, aber nicht alles“, sagt Frey und zeigt ein Gitter von Schlüsselfaktoren und Metriken.

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