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Brunnermeier Preisträger im Monetären Workshop

Von Dr. Oliver Everling | 5.Mai 2017

Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup ist um lobende Worte nicht verlegen, um im 62. Monetären Workshop seine Laudatio zur Preisverleihung an Prof. Dr. Markus K. Brunnermeier zu sprechen. Brunnermeier ist an der Princeton Univesity Edwards S. Sanford Professor of Economics und Director Bendheim Center for Finance. Brunnermeier fand seine Ausbildung an der Universität Regensburg und London School of Economics and Political Science.

Rürup weist auf berühmte frühere Preisträger hin. „Für einen Wissenschaftler ist er mit 48 Jahren noch recht jung“, bemerkt Rürup, hegt aber keinen Zweifel, mit Brunnermeier einen Preisträger gefunden zu haben, der sich in die Reihe der Preisträger angemessen einreiht. Rürup ist sich der Unterstützung des Auswahlkomitees gewiss. „Durch Brunnermeier sinkt das Durchschnittsalter unserer fünf Preisträger von 73 Jahre auf 69 Jahre“, rechnet Rürup vor. Brunnermeier sei eine Entdeckung von Ben Bernanke, der ihn zur Fed holte.

Rürup unterstreicht, auch einige persönliche Bemerkungen zu machen, mit denen er nicht für den Monetären Workshop spreche: „Fakt ist, dass die europäische Gemeinschaftswährung nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt hat“, sagt Rürup, denn die Eurozone sei noch immer nicht vor der Möglichkeit eines Auseinanderbrechens geschützt. „Es ist an der Zeit, den Euro als Weltwährung gerade auch im asiatischen Raum zu etablieren, gerade dann, wenn der amerikanische Präsident mit Schutzzöllen gegen Asien vorgehen will. Anders als beim US-Dollar oder dem aufsteigenden Renminibi ist der Euro eine Währung ohne Staat, warnt Rürup. „Wir bräuchten so etwas wie einen europäischen Finanzminister. Dieser müsse in sich deutsche Regelorientierung und französischen und italienischen Elan kombinieren.“

Brunnermeier nimmt die Preisverleihung zum Anlass, auf seine Lehren aus der Finanzkrise einzugehen: Finanzstabilität, Preisstabilität und Schuldenstabilität standen vor der Krise nach Brunnermeier in Beziehung zu den Finanzaufsichtsbehörden, der Zentralbank und dem Fiskus. Brunnermeier weist auf die Zusammenhänge hin. Liquiditätsspirale (fire sales) und disinflationäre Spirale führen zu endogenen systemischen Risiken. Er nennt das „paradox of prudence“: Wenn jeder einzelne vorsichtiger wird, hat dies den umgekehrten Effekt auf das Gesamtsystem, glaubt Brunnermeier zu sehen.

Nachfrageorientierte Politik könne erhebliche distributive Effekte haben. Die Zentralbank sei bei einer solchen Politik gezwungen, die Gewinner auszuwählen („picking winners“), was Fragen nach der Unabhängigkeit und der demokratischen Legitimierung aufwerfe. Brunnermeier geht es um die Implikationen des Quantitative Easing (QE). Brunnermeier glaubt eine Schwelle der Liquiditätsfalle zu sehen, unterhalb derer Zinssenkungen keine weiteren Wirkungen haben. Ein Beispiel habe die Schweiz gezeigt, deren Nationalbank die Zinsen weiter senkte, um den Zufluss von Kapital zu bremsen, zugleich aber steigende Hypothekenzinsen zu beobachten waren.

Indem niedrigere Zinsen die Profitabilität von Banken senken, geht von Zinssenkungen eine kontraktive Wirkung auf die Wirtschaft aus, wenn die Banken wegen dieser schlechteren Ertragslage zur Einschränkung ihres Kreditgeschäfts gezwungen werden. Die verschlechterten Ertragesperspektiven der Banken wirken sich zudem auch auf ihre Börsenkapitalisierungen und ihre Fähigkeiten aus, sich weiteres Eigenkapital zu beschaffen. 

Brunnermeier meint auch Zusammenhänge zwischen der Ertragslage der Banken und den Instrumenten des QE und der Zinssenkung ausmachen zu können, es komme auf die Reihenfolge an. Er warnt vor einem „creeping up effect“, wenn eine Niedrigzinsphase zu lange anhalte, denn diese könne kontraproduktiv wirken.

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