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Griechenlands Ausschied aus der Währungsunion

Von Dr. Oliver Everling | 4.April 2012

„Die realistischerweise zu erwartenden Wachstumsraten nach einem Austritt aus der Währungsunion sind deutlich höher, als wenn Griechenland in der Eurozone bliebe“, sagt Alexander Ruddies von der Feri EuroRating Services AG im Feri Workshop Länderrating in Frankfurt am Main. Bei einem Austritt sei realistischerweise möglich, dass sich die Verschuldung Niveaus annähert, die tragfähig sind. „Allerdings mittelfristig bis langfristig“, warnt Ruddies.

Der kurzfristig wirksame Wirtschaftseinbruch in Griechenland – schon heute in vollem Gange – werde sich nicht verhindern lassen, macht Ruddies klar. Hohe Inflationsraten, mittelfristig aber höhere Wachstumsdynamik, seien unvermeidbar. Extrem hohe Nettoauslandsverschuldung,kurfristig hohes Leistungsbilanzdefizit sind weitere Schlagworte in der Beurteilung durch die Feri.

Die Verringerung der Schuldenlast Griechenlands um knapp 100 Mrd. € ändere nichts an der verheerenden wirtschaftlichen Lage des Landes. Die gesamtwirtschaftliche Erwartung, auf der das zweite Hilfspaket für Griechenland basiere, „ist nach unserer Einschätzung zu optimistisch.“

Das Kreditrisiko bleibe extrem hoch. Ein weiteres Kreditereignis sei sehr wahrscheinlich. Das aktuelle Rating für Griechenland sei E-, damit nur eine Stufe oberhalb von der Klasse „Default“.

Das Ausscheiden aus der Eurozone ginge kurzfristig einher mit einer deutlichen Zunahme der auf Euro lautenden Verschuldung in heimischer Währung. Die Verwerfungen eines Währungsschnitts führten zudem zu einem weiteren Einbruch der Wirtschaft bei gleichzeitig steigenden Inflationsraten. Obowohl sich die Perspektiven Griechenlands auf diese Weise mittelfristig deutlich verbessern würden, bleibe das Risiko eines erneuten Zahlungsausfalls im Zuge des Ausscheidens aus der Eurozone sehr hoch, unterstreicht Ruddies. Das Rating für Griechenland liege deshalb – wie dargelegt – nur eine Stufe oberhalb des Defaults bei E-.

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