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Kunstinvestment aus Leidenschaft

Von Dr. Oliver Everling | 23.Juni 2015

Hubertus von Barby, Geschäftsführer der newskontor GmbH, stellt auf dem „forum art & collectibles“ in Frankfurt am Main Dr. Roman Kräussl vor: Dr. Roman Kräussl promovierte an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main und ist Associate Professor an der Luxembourg School of Finance.

„Art is booming“, sagt Kräussl und weist darauf hin, dass Kunst als Anlageklasse in Deutschland eher noch skeptisch gesehen werde, anders als in anderen Staaten. „Wir versuchen Kunst als alternative Anlageklasse zu verstehen“, führt Kräussl in die Möglichkeiten ein, Kunst als Gegenstand von Investment zu sehen. „Ich versuche die Lücke zu schließen zwischen den Kunsthistorikern und den Finanzexperten. Die Finanzeperten haben oft Berührungsängste. Ich spreche nicht nur über Kunst und nicht nur über Dollars.“

Den Zuwachs der Kunstmärkte bemisst Kräussl auf über 500 % in den letzten 10 Jahren. 2014 seien rund 90 Mrd. US$ in Kunst geflossen. HNWIs, hoch vermögende Anleger, investierten rund 6 % ihres Vermögens in Kunst. „Außerdem kommen immer mehr Kunstfonds auf den Markt, aber die Mehrzahl funktioniert nicht. Das Risiko ist sehr hoch.“

„Wir haben ein Problem, denn wir haben keinen Fundamentalwert, keinen Barwert, keine laufende Zahlungen. Verleihen an Museen lohnt sich oft wegen der hohen Versicherungskosten nicht.“ Kunst könne daher nicht als Standardfinanzinstrument gesehen werden. Intransparent, illiquide, überhaupt nicht reguliert, unheimlich hohe Transaktionskosten, Versicherungskosten – daher fragt Kräussl: „warum wird überhaupt in Kunst investiert?“

Kräussl sieht Kunst als „Passion Investments“, Investition aus Leidenschaft. Ronald Lauder bezahlte z.B. im Juni 2006 135 Mio. US$ für ein Bild von Klimt. Standardmäßige Nutzenoptimierung funktioniere nicht. Ästhetischer Wert, Leidenschaft für Sammlungen, gutes Tun, Status und Prestige seien die fünf wichtigsten nicht-finanziellen MOtivationen für den Kauf von Kunst. „Man kann sich nun einmal nicht eine Apple-Aktie an die Wand hängen“, macht Kräussl klar. Kräussl macht den Unterschied zwischen Status und Prestige deutlich. Es sei eine Prestigefrage, zu bestimmten Austellungen und Vernisssagen eingeladen werden.

„In den letzten fünf Jahren hat sich der Markt komplett verändert. China ist – wenn nicht Nummer 1, dann – Nummer 2.“ Noch vor fünf Jahren wäre mehr als 35 % der Kunst in Großbritannien verkauft worden. Heute sei Europa dagegen in der Bedeutungslosigkeit versunken.

All Time – All Stars: Picasso, Warhol, Monet, Bacon, Renoir, Richter, Rothko, Basquiat, Modigliani, Chagall – Renoir erreichte seine Spitze z.B. 1990. In 2014 führte Warhol mit 81.925.000 US$. Die Hitliste der jungen Künstler wird von den US-Amerikanern Auerbach, Kassay und Smith sowie dem Kolumbianer Murillo angeführt, gefolgt von Koreanern und Chinesen.

„Ich sage nicht, alles Geld in Kunst!“, warnt Kräussl mit Blick auf die zum Teil überdurchschnittliche Performance von Geldanlagen in Kunst, denn diese sei vor Transaktionskosten usw. gerechnet. Extreme Zuwächse gab es b ei den Top 50 Künstlern, die nach 1950 geboren wurden. Damien Hirst erreichte seinen Hochpunkt 2008. Obwohl auch Gerhard Richter zur Beginn der Finanzkrise einen Knick bekam, wäre die Performance mit Kunst von Richter besser gewesen, zeigt Kräussl auf.

Der Vortrag von Kräussl zeigt, dass einerseits bereits erhebliches, wissenschaftlich fundiertes Wissen zu Kunst als Anlageklasse verfügbar ist, aber der Weg zu einem allgemein akzeptierten Kunstrating, mit dem das Risiko der Geldanlage in Kunst klassifiziert würde, noch weit ist.

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