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Nicht alles ging schief bei Moody’s

Von Dr. Oliver Everling | 23.April 2008

„Nicht alles, was schiefgehen kann, ging schief, aber eine Menge von dem, was schief gehen konnte, ist tatsächlich schief gegangen“, kommentiert Raymond McDaniel, Chairman und CEO der Moody’s Corporation, die jüngsten Entwicklungen bei der von ihm geführten US-amerikanischen Ratingagentur. Die Saisonalität des Ratinggeschäfts in der Vergangenheit werde so nicht wiederkommen, da die Ertragskraft im Bereich der Ratings für strukturierte Finanzierungen durch die Krise beschädigt wurde. Linda Huber, CFO der Moody’s Corp., zeigt die Konsequenzen für die Ertragslage der Agentur auf.

McDaniel betont, dass Moody’s bisher keine besonderen Maßnahmen der US SEC erreicht hätten, die speziell für seine Ratingagentur beachtlich gewesen wären. Moody’s sei vielmehr in die allgemeinen Beratungen einbezogen und wirke an diesen mit, die von der Wertpapieraufsichtsbehörde initiiert wurden. In Berichten der FSF und der IOSCO sei mehr „Due Diligence“ nicht nur von den Ratingagenturen, sondern auch sonst von den Marktteilnehmern verlangt worden. McDaniel unterstreicht, dass die Qualität von Vermögenswerten immer auch Gegenstand der Analyse war. Moody’s verstehe sich aber nicht als eine „Due Diligence“-Firma. Es wäre eine schwere Bürde für die Agentur, auch diese Aufgaben übernehmen zu müssen.

Je nach Umfang dessen, was die Aufsichtsbehörden von den Agenturen verlangen würden, müsste auch Moody’s die zusätzlichen Kosten an die Emittenten weitergeben. „In dem Umfang, in dem wir gefragt werden, eine Art Dienst anzubieten, der kontrolliert, dass Dritte durch einen Validierungsprozess gegangen sind, liege dies im Rahmen unserer Tätigkeit“, McDaniel warnt jedoch, dass jede Aktivität darüber hinaus mit zusätzlichen Belastungen verbunden sein würde. Fundamentale [Ä]nderungen und die damit verbundenen Kosten wären dafür vorauszusehen. Zusätzlich Zeit- und Personalaufwand sei dann unvermeidlich. „Ja, wir würden diese Kosten durchreichen“, fügt McDaniel nachdrücklich hinzu.

Moody’s werde gefragt, zusätzliche Informationen zu komplexen Finanzinstrumenten zu geben. Solche zusätzlichen Angebote von Moody’s würden durch den Markt sehr begrüßt werden, sagt McDaniel. Weniger die Art, wie Ratings benutzt würden, sondern die Annahmen, die in die Modelle eingingen und in den Ratingsystemen berücksichtigt würden, seien im Interesse der Investoren.

McDaniel sieht die internationalen Probleme klar als Konsequenz der US-amerikanischen Entwicklungen. Die Märkte für spekulative Wertpapiere seien in Europa aber längst nicht so groß wie in den USA. Die europäischen Anleihemärkte seien eher Märkte mit Anlagequalität („investment grade“), so dass hier letztlich nicht dieselben Entwicklungen wie in den USA zu erwarten seien.

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