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Pensionsrückstellungen bringen Mittelstandsratings in Gefahr

Von Dr. Oliver Everling | 3.März 2015

Über 1,5 Millionen mittelständische Unternehmen in Deutschland laufen nach Schätzung Gefahr, die Pensionszusagen für ihre leitenden Angestellten nicht einhalten zu können. „Die Pensionsrückstellungen in den Bilanzen der meisten Mittelständler sind wie tickende Zeitbomben, die zur Explosion kommen, sobald die betroffenen Führungskräfte in Rente gehen wollen“, warnt der Finanzanalyst Antonio Sommese. Das Problem könnte schon bald die bankinternen wie auch unabhängigen Ratings für mittelständische Unternehmen auf Talfahrt schicken.

Die Begründung: Angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus erwirtschaften die Lebens­versicherungsverträge, mit denen die Pensionszusagen überwiegend abgesichert sind, in der Regel keine ausreichenden Renditen mehr, die den Rückstellungen in den Bilanzen entsprechen. „Die Kluft zwischen Zusage und Absicherung wächst mit jedem Jahr, in dem die Zinsen im Keller bleiben“, erklärt Antonio Sommese. Schon heute veranschlagt er das Finanzvolumen der „mittelständischen Pensionskatastrophe“ auf über 500 Mio. Euro.

„Viele Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nehmen das Ticken dieser Zeitbomben in den Bilanzen ihrer mittelständischen Mandantschaft wahr, sind jedoch unschlüssig, wie sie reagieren sollen. Schließlich haben sie diese Pensionsrückstellungen im Allgemeinen vor Jahren selbst veranlasst und müssten jetzt ihrem eigenen Rat von damals widersprechen“, erläutert Finanzanalyst Antonio Sommese das Dilemma der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Das Rentenproblem der mittelständischen Führungskräfte wird unmittelbare Auswirkungen auf den mittel- und langfristigen Fortbestand des deutschen Mittelstands haben, gibt Sommese die Folgen zu bedenken. Mit den „Pensionsbomben“ in der Bilanz seien die Firmen praktisch nicht veräußerbar, so dass für viele Firmen kaum Nachfolgeregelungen zu finden sein dürften. Antonio Sommese: „Wenn der Senior in Rente gehen will, ist die geordnete Übergabe an einen Nachfolger unmöglich, sobald die Pensionsbombe platzt.“

Themen: Mittelstandsrating, Unternehmensrating | Kein Kommentar »

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