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Wiedeking streitet um Volkswagen

Von Dr. Oliver Everling | 19.Juni 2008

Investoren aus dem Mittleren Osten waren bei der Volkswagen AG willkommen. Dr.-Ing. Wendelin Wiedeking wirft einen Blick zurück in die Geschichte und zitiert dazu Politiker und Vorstandschefs. Wiedeking, Vorsitzender des Vorstandes der Porsche Automobil Holding SE, sprach am Vorabend des Eurobörsentags 2008 der Börsen-Zeitung über „Porsche als Investor“.

„Wir wollen, dass Volkswagen und Porsche zu den Siegern zählen“, sagt Wiedeking. Nur so seien Arbeitsplätze und Beschäftigung in Deutschland zu sichern. Plötzlich sei von „feindlicher Übernahme“ geredet worden. „Ich frage mich, ob ich im falschen Film sitze“, so Wiedeking. Porsche habe sich doch immer eindeutig zum Standort Deutschland bekannt. Auch die soziale Kompetenz habe man ebenso wie eine positive Zukunftsvision unter Beweis gestellt.

Die Medien würden jedoch einen „schwerwiegenden Konflikt“ hervor reden. Halbsätze würden aus dem Zusammenhang gerissen, so dass der Eindruck erweckt würde, hier würde die deutsche Wirtschaft einen Konflikt erlebe, wie sie seit langem einen gleichen suche. „Wir führen gute und konstruktive Gespräche“, hält Wiedeking diesen Darstellungen entgegen. Natürlich gebe es auch unterschiedliche Auffassungen, wie in jedem anderen Unternehmen auch. Daraus könne aber nicht abgeleitet werde, dass die Beziehungen zwischen den Entscheidern zerrüttet seien.

Ganze Standorte würden vor dem Kollaps stehen, wenn sich Volkswagen zurückziehen würde. Daher sei es ein legitimes Interesse der Politik, sich hier einzuschalten. In der Politik gehe es aber immer auch um Wählerstimmen. Der Staat gelte für viele Menschen immer noch als der einzige Garant für sichere Arbeitsplätze. Wenn man Porsche mit Nokia in Verbindung bringen würde, tue dies weh. Werker und Bürger würden so verunsichert. Er wolle keine Firmen beim Namen nennen, die sich nicht vorbildlich verhalten hätten. So falle es in jedem Fall leicht, die Wirtschaft pauschal in die Verantwortung zu nehmen.

Leider bleiben meist die schlechten Beispiele in den Köpfen der Menschen haften. Dies könne auch ein Motiv der Bundesregierung sein, ein neues VW-Gesetz auf den Weg zu bringen. Man habe die Gunst der Wähler entdeckt. Einen anderen Grund, an der Sperrminorität festzuhalten, sehe er nicht. Es habe sich doch kein chinesischer oder russischer Investor bei VW gezeigt, sondern ein erfolgreicher deutscher Automobilkonzern, der unter Beweis gestellt habe, dass er von dem Geschäft etwas verstehe.

Die Neuauflage des VW-Gesetzes werde – so hofft Wiedeking – erneut an der EU-Kommission scheitern. „Die Kommission werde ein Vertragsverletzungsverfahren auf den Weg bringen, dann drohen Deutschland empfindliche Geldbußen“, sagt Wiedeking. Wiedeking streitet dafür, jedes VW-Gesetz ganz abzuschaffen. Dem Antrag vom 24. April 2008, die VW-Satzung an die EU-Rechtsprechung anzupassen, scheiterte an Land Niedersachsen.

„Wir haben gegen traditionelle Verhaltensmuster verstoßen“, skizziert Wiedeking die Situation und stellt Porsche in die Rolle des Davids: Normalerweise übernehme der Größere den Kleineren. Hier sei es umgekehrt, die Meldung über die Absichten der Porsche seien daher eine Überraschung gewesen.

Porsche bekenne sich zur Mitbestimmung. Die Sozialpartnerschaft würde täglich gelebt. „Wir legen Wert auf motivierte Mitarbeiter, die stolz auf ihr Unternehmen sind.“ An den sozialen Absicherungen des VW-Konzerns würde nicht ein Funke gerüttelt. „Wir drehen ein verdammt großes Rad. Was am Ende dabei heraus kommen wird, ist noch offen.“ Motive und Ziele seien nicht verschwiegen worden.

Wiedeking will die Rolle der Hedgefonds besser differenziert wissen. Manche seien auf kurzfristige Zielsetzungen ausgerichtet gewesen. Die Strategien der Investmenthäuser seien nicht verboten und in vielen Fällen sogar sinnvoll. Dies sei aber nicht die Welt von Porsche. Auch für Porsche sei eine hohe Profitabilität ganz entscheidend. Seit über 10 Jahren sei Porsche der profitabelste deutsche Hersteller. „Kluge Egoisten haben auch begriffen, dass am Erfolg des Unternehmens auch Menschen beteiligt sind.“ Kunde, Mitarbeiter, Geschäftspartner, Aktionär – das sei die Reihenfolge, in der Prioritäten bei Porsche gesetzt würden.

„Wir haben für VW ein langfristiges Interesse.“ Volkswagen werde mit Porsche nicht zerschlagen. Eine Abspaltung von Audi z.B. würde überhaupt keinen Sinn machen. Dazu gebe es viel zu viele Gemeinsamkeiten. „Die Basis unseres Erfolgs ist die geringe Fertigungstiefe.“ Hieraus resultieren Vorteile bei den Fixkosten. „Atmende Fabriken, verlängerte Werkbänke“ – das sichere die Flexibilität, die Porsche zu nutzen wisse. „In dieser Aufgabenteilung liegt unsere Stärke.“ Mehr als ein Drittel des Absatzes werde bereits in Verbindung mit dem Volkswagen-Konzern produziert. Die gemeinsame Plattform sei von Porsche zu einem Zeitpunkt entwickelt worden, zu dem man über eine Beteiligung noch nicht nachgedacht habe. Gemeinsamkeiten gebe es schon in der frühen Geschichte der Konzerne.

Individualität zu ermöglichen und Nummer 1 bei der Qualität zu sein, erfordere harte Arbeit. Die vierte Baureihe würden zusätzliche Kundenkreise erschlossen, neue Jobs geschaffen, Beschäftigung bei VW gesichert und belegt, dass sinnvolle Synergien gehoben werden können. Organisatorisch sei man so aufgestellt, dass man die Beteiligung optimal managen könne. Die Gesellschaften würden ihre jeweiligen Identitäten behalten, Porsche bleibe Porsche und Volkswagen bleibe Volkswagen, betont der Porsche-Vorstandschef. „Das Thema Volkswagen stemmen bei uns 10 Leute“, so Wiedeking, er selbst sei dabei eingerechnet.

Wiedeking lobt seinen für die Finanzen zuständigen Vorstandskollegen Härter, der „einen super Job mache“. Mit Kurssicherungsgeschäften habe man gutes Geld verdient. „Es fehle nur noch, dass wir mehr Ergebnis als Umsatz machen“, scherzt Wiedeking. „Wir machen keine Quartalsberichte.“ Ende Juni sei das Geschäftsjahr zu Ende. Die Märkte seien schwieriger geworden. Der Wille zu kaufen, sei da, aber viele würden sich fragen, ob sie sich die Dinge noch leisten könnten. „Unsere Kassen sind gut gefüllt.“ Wenn Ende Juli das Ergebnis da sei, werde man keine Tränen vergießen müssen – und wenn doch, dann nur Freudentränen. „Wir haben einen Plan dahinter“, sagt Wiedeking. Eines Tages würden Diplom- und Doktorarbeiten darüber geschrieben, um dahinter zu kommen und die Geschichte zu dokumentieren. „Wir wollen die Herzen der Menschen gewinnen.“ Zusätzlich mit der Umweltdiskussion werde der Wettbewerb „knallhart“ sein, prophezeit Wiedeking.

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