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Zahlungsmoral weitgehend in Takt

Von Dr. Oliver Everling | 3.Juni 2009

Der schärfste Konjunktureinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik zeigt erste Auswirkungen auf das Zahlungsverhalten, schreibt der Verband der Vereine Creditreform e.V. in der jüngsten Ausgabe des „ZaC-Index“. Rechnungen werden schleppender bezahlt, Leistungserbringer bleiben häufiger als in der Vergangenheit auf offenen Forderungen sitzen. Eine dramatische Verschlechterung des Zahlungsverhaltens sei bislang aber nicht festzustellen. Die Zahlungsmoral in Deutschland sei mit Einschränkungen weitgehend in Takt. Zwei Drittel aller Rechnungen werden pünktlich beglichen. Nur einer von zwanzig Zahlungsbelegen weist eine Überfälligkeit von mehr als einem Monat auf.

Der Creditreform ZaC-Index (ZaCX), der Entwicklungen im Zahlungsverhalten anhand regelmäßiger Unternehmensbefragungen und Auswertungen des Creditreform Zahlungserfahrungspools in einem Indikator verdichtet, verliert gegenüber dem Vorjahresstand drei Zähler und notiert bei 63,3 von 100 möglichen Punkten. Nachdem der ZaC-Index im vergangenen Herbst nur leicht nachgab, hat sich der Rückgang jüngst beschleunigt.

Der Creditreform ZaC-Index (ZaCX) bildet das Zahlungsverhalten in zehn untersuchten Wirtschaftszweigen und der Gesamtwirtschaft anhand einer Skala von 0 bis 100 Punkten ab. Ein höherer Wert symbolisiert dabei ein besseres Zahlungsverhalten. Grundlage der halbjährlichen Berechnung des ZaCX sind zwei Datenquellen: Der Zahlungserfahrungspool ZaC von Creditreform, in dem inzwischen ca. 80 Millionen branchenübergreifende Zahlungserfahrungen vorliegen, sowie die Creditreform Umfragen, bei denen rund 4.000 mittelständische Unternehmen zu Konjunktur- und Finanzthemen befragt werden.

Der enge Zusammenhang zwischen dem Creditreform ZaCIndex und den Insolvenzzahlen belegt, heißt es in dem Bericht der Creditreform weiter, dass die Erfassung von Veränderungen im Zahlungsverhalten einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung von Liquiditätsproblemen liefert und sich gut zur Prognose der künftigen Insolvenzentwicklung eignet. Im Rückblick zeigt sich, dass die gute Konjunktur in den Jahren 2006 bis 2008 die Liquiditäts- und Eigenkapitalsituation der mittelständischen Unternehmen verbessert hatte. Zudem kamen gewerbliche, private und öffentliche Auftraggeber ihren Zahlungsverpflichtungen pünktlicher nach. Rechnungen wurden schneller bezahlt, Forderungen fielen seltener aus als in der ersten Hälfte des Jahrzehnts. Mit dieser Entwicklung sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen. In jüngster Zeit zeigt der Trend wieder in die andere Richtung.

Die Zahl der Betriebe, die mit Zahlungsverzögerungen oder Forderungsverlusten konfrontiert sein werden, dürfte im Verlauf des Jahres merklich ansteigen. Belastende Faktoren wie die verschlechterte Auftrags- und Ertragslage und die weiterhin restriktiven Finanzierungskonditionen drücken auf die Zahlungsfähigkeit und die Liquiditätslage der Unternehmen. So werden deutlich mehr Unternehmen als in der Vergangenheit die ihnen eingeräumten Zahlungsziele ausschöpfen oder sogar überschreiten. Liquiditätsengpässe, vermehrte Verluste und nachlassende Finanzkraft erhöhen das Ausfallrisiko vor allem in den stark betroffenen Wirtschaftsbereichen. Als Konsequenz dürften verstärkt Folgeinsolvenzen bei den Leistungserbringern auftreten.

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