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EU-Binnemarkt für strukturierte Produkte mit PRIPs?

Von Dr. Oliver Everling | 16.September 2013

„Ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass wir jetzt ESMA haben. Dahin haben wir unsere Experten verbannt“, scherzt Dr. Tilman Lüder, Referatsleiter Vermögensverwaltung (Asset Management) bei der Europäischen Kommission. Er spricht auf dem Deutschen Derivatetag in Frankfurt am Main. „Die ESMA gibt uns auch den technischen Beistand“, berichtet Lüder.

„Das Schlimmste ist, wenn Sie Experte genannt werden, denn das ist der Typ, der keine Karriege gemacht hat“, sagt Lüder mit Blick auf seinen Expertenstatus und sein Thema „Schafft PRIPs einen europäischen Binnenmarkt für strukturierte Produkte?“ Die Anforderungen seien nicht vereinheitlicht, mit einem KID alleine könne man weiterhin strukturierte Produkte im Ausland nicht vermarkten.

„Alle Produkte, die in meinem Bereich reguliert worden sind, waren dann auch im Binnenmarkt frei vermarktbar“, sagt Lüder, „das ist aber bei strukturierten Produkten nicht der Fall.“ Lüder präsentiert die Regulierung der strukturierten Produkte praktisch als Sündenfall, da hier von Europa reguliert werde ohne den Erfolg, auch Binnenmarktfähigkeit herzustellen.

Lüder kommt auf das Kernproblem Europas zu sprechen, nämlich kein Wachstum zu bieten. „Wenn Sie die strukturierten Produkte betrachten, stellen Sie fest, dass es eine sehr große Orientierung auf Börsenprodukte gibt. Interessant wäre es aber zu erforschen, ob es auch strukturierte Produkte für Wachstumsbranchen gibt. Diesen Konnex deutlicher herauszuarbeiten, wäre sehr interessant.“ Im Binnenmarkt setze man nun einmal zunehmend auf Wachstum (als Entscheidungskriterium).

Der PRIPs -Vorschlag hat einige Erwägungsgründe. Die ursprüngliche Intention habe sich verändert. Verschiedene Anforderungen an die Transparenz seien Barrieren innerhalb des Binnenmarktes. Seit neuestem sei aber der Erwägungsgrund hinzugekommen, dass das Produktinformationsblatt keinen Pass für die Vermarktung ausstelle. Weiterhin komme es auf Prospekte an. „Das ist ein interessanter Zielkonflikt“, analysiert Lüder.

PRIPs diene also alleine de Verbraucherschutz, nicht aber der Entwicklung des Marktes oder dazu, einen einheitlichen Zugang zum Binnenmarkt zu schaffen. Die strukturierten Produkten würden immer nur national vertrieben. UCITS dagegen würden sogar in Hongkong verkauft. Von einem internationalen Markt für strukturierte Produkte könne daher gar nicht gesprochen werden. Lüder ruft daher der Derivatebranche die Frage zu, ob ein Binnenmarkt für strukturierte Produkte geschaffen werden sollte.

Der Anwendungsbereich von PRIPs ziele auch auf die Schaffung von fairem Wettbewerb. Zwei Kategorien, Versicherungsprodukte mit Überschussbeteiligung und private Pensionen, seien ausgeschlossen. „Die Kontur des PRIPs-Vorschlags hat sich verschoben“, sagt Lüder zur Idee, auch jede Anleihe und jede Aktie zu kaufen. Der Unterschied sei, dass man z.B. bei einer Aktie einen direkten Anteil an einem Unternehmen kaufe, nicht aber das Wrapping von Cashflows. „Für mich ist nicht klar, was ein einheitliches Produktinformationsblatt bringen soll, wenn die Produkte nur national vertrieben werden“, fragt Lüder.

Lüder tritt in der Diskussion der Vorstellung entgegen, dass eines Tages jedes Finanzprodukt mit einem Informationsblatt vertrieben werden müsse, das alle Risiken aufliste. So könne man sicher sein, dass es am Widerstand des Europäischen Rats scheitern würde, wenn auch für jede Staatsanleihe die tatsächlichen Risiken für jeden Anleger verständlich aufgelistet werden müssten.

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